Stand: 27.10.2019 07:10 Uhr  - NDR 90,3

Scholz und Geywitz in Stichwahl um SPD-Vorsitz

Knapp zwei Wochen lang hat die SPD-Basis über ihre künftige Parteispitze abgestimmt. Jetzt steht das Ergebnis fest: Bundesfinanzminister und Hamburgs Ex-Bürgermeister Olaf Scholz und die Brandenburger Landespolitikerin Klara Geywitz kommen in die Stichwahl und treten gegen Nordrhein-Westfalens früheren Finanzminister Walter-Borjans und die Bundestagsabgeordnete Saskia Esken an. Keines der insgesamt sechs Kandidatenpaare erreichte in der ersten Runde die absolute Mehrheit. Scholz und Geywitz kamen auf 22,68 Prozent der Stimmen, Esken und Walter-Borjans auf 21,04 Prozent.

Sechs Kandidaten-Paare standen zur Abstimmung

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Das Kandidatenpaar Olaf Scholz und Klara Geywitz freut sich über den Einzug in die Stichwahl.

Die übrigen Bewerber sind aus dem Rennen um die Parteiführung ausgeschieden, unter ihnen Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius zusammen mit Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (14,61 Prozent, fünfter Platz) sowie der Schleswig-Holsteiner und SPD-Parteivize Ralf Stegner zusammen mit der Chefin der Grundwertekommission Gesine Schwan (9,63 Prozent sechster Platz). Drittplatzierte wurden Christina Kampmann und Michael Roth mit 16,28 Prozent, Viertplatzierte Nina Scheer und Karl Lauterbach mit 14,63 Prozent.

Stichwahl in der zweiten Novemberhälfte

Nach bundesweiten Regionalkonferenzen waren seit 14. Oktober insgesamt mehr als 425.000 SPD-Mitglieder aufgerufen, online oder per Brief ihre Stimme für eines der sechs Kandidatenduos abzugeben - 53,3 Prozent beteiligten sich. Die Stichwahl soll vom 19. bis 29. November stattfinden. Das Ergebnis soll am 30. November verkündet werden. Die endgültige Entscheidung über die neue SPD-Spitze müssen die Delegierten eines Bundesparteitags in Berlin (6. bis 8. Dezember) bestätigen. Die bisherige Vorsitzende Andrea Nahles war im Juni zurückgetreten.

Hamburger SPD gratuliert

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Die Kandidatenpaare Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sowie Olaf Scholz und Klara Geywitz (von links) gratulieren einander zum Einzug in die Stichwahl.

Direkt nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses gratulierten die ersten Genossen den Gewinnern, unter ihnen Hamburgs SPD-Landeschefin Melanie Leonhard. Sie blicke jetzt mit Spannung auf die Stichwahl, schrieb sie auf Twitter. Der SPD-Bundestagsabgeordnete für Hamburg-Mitte, Johannes Kahrs, bezeichnete das Ergebnis als "traumschön" und erklärte, er hoffe auf den Sieg von Scholz und Geywitz in der Stichwahl.

Auch der Nachfolger von Scholz in Hamburg, Bürgermeister Peter Tschentscher, zollte den Erstplatzierten in der Mitgliederbefragung seinen Respekt. Er wünschte ihnen auf Twitter "Alles Gute fürs Finale!"

Erleichterung bei Geywitz und Scholz

Geywitz und Scholz äußerten sich erleichtert über das Ergebnis. Das sei "eine gute Ausgangsbasis für den zweiten Wahlgang", betonte der 61-jährige Vizekanzler. Auch auf Twitter dankte er der SPD-Basis.

Für die Stichwahl wollten seine Partnerin und er die Frage in den Mittelpunkt stellen, wie die SPD es schaffen könne, wieder stark zu sein, so Scholz. Auch das Thema Zusammenhalt in der Gesellschaft sei ihnen wichtig. Scholz sagte: "Aus meiner Sicht geht es immer um die Frage, wie kann man Gerechtigkeit und Fairness in unserer Gesellschaft organisieren? Wie können wir sicherstellen, dass jeder den gleichen Respekt bekommt?"

In den ARD-Tagesthemen erklärte Scholz, wer sich einem demokratischen Wettbewerb stelle, könne vorher nie wissen, wie das ausgehe und müsse ein Risiko eingehen. Dies hätten Geywitz und er getan. Nun sei er sehr froh, dass sie so viel Unterstützung erhalten hätten. Mit Blick auf die nun anstehende Stichwahl sagte Scholz, er wolle die SPD zusammenführen - "das ist das, was Klara Geywitz und ich uns vorgenommen haben. Wir wollen sie nicht auseinander bringen. Deshalb finde ich es nicht richtig, gegen andere zu argumentieren. Wir werden für das werben, was wir richtig finden."

SPD vor Richtungsentscheidung

Auf dem Parteitag im Dezember will die SPD auch über die Fortsetzung der Großen Koalition abstimmen. Scholz und Geywitz werben für eine Fortsetzung der Koalition. In der Regierung könne die SPD die Probleme des Landes am besten lösen. Esken und Walter-Borjans bezweifeln, dass in dieser Koalition mehr soziale Gerechtigkeit zu erreichen sei. In einem ZDF-Interview sprach sich Esken für eine Koalition mit Grünen und Linken aus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.10.2019 | 08:00 Uhr

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