Stand: 15.09.2020 20:36 Uhr

Schiffsabgase: Mit der Drohne auf Umweltsünder-Jagd

Mit einer Spezialdrohne, die durch die Abgasfahne von Schiffen fliegt, suchen internationale Messteams an der Elbe noch bis Oktober nach Umweltsündern. Die meisten halten sich an die Vorschriften.

Eine Drohne, die Schadstoffe messen kann. © NDR Foto: NDR
Die Spezialdrohne fliegt in die Abgasfahnen der Schiffe und misst Stickoxide, Ruß und Schwefeldioxid.

Ein kleiner Tanker ist im Anmarsch. Die Drohne von Pilot Jon Knudsen setzt sich direkt hinter das Schiff in die Abgasfahne. Gemessen werden Stickoxide, Ruß, vor allem aber Schwefeldioxid. Denn der Schwefelgehalt des Sprits ist derzeit so ziemlich der einzige Schadstoff, der regelementiert wird. "Wir hatten schon einige Schiffe mit leichten Abweichungen bei den Schadstoffen, das werden wir dann auch an die Kampagne melden. Aber die gute Nachricht ist: Die meisten halten sich an die Vorschriften", sagt Knudsen.

Messcontainer in vielen Ländern

Die erste internationale Vergleichskampagne zur Messung von Schiffsabgasen, an der das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie beteiligt ist, ist eine gemeinsame Aktion verschiedener Nordseeanrainerstaaten - neben einer festen Messstation haben zum ersten Mal auch Norwegen, Holland, und Schweden Messcontainer aufgestellt. Die Messmethoden sollen aufeinander abgestimmt werden - um die Ergebnisse vergleichen zu können. "Außerhalb von Nord- und Ostsee dürfen sie derzeit noch Kraftstoffe mit einem Schwefelgehalt von 0,5 Prozent verbrennen. Und sobald sie in die Nord- und Ostsee reinkommen sind es 0,1 Prozent. Oder sie müssen Abgaswäscher einsetzen" sagt Andreas Weigelt vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie. "Beides ist mit höheren Betriebskosten verbunden für die Schiffe, deswegen gibt es hier einen Anreiz für Betrug."

Besatzungen kennen die Messpunkte

Ein Schiff fährt im Hamburger Hafen. © NDR Foto: NDR
Die meisten Schiffe halten sich an die Vorschriften, bei einigen Schiffen konnte die Drohne Abweichungen messen.

Die Schiffsbesatzungen kennen die Messpunkte - es ist wie beim Blitzermarathon, die Abschreckung zählt. Sobald ein Schiff vorbeifährt, schießen die Schadstoffwerte am Ufer nach oben. Johann Melquist ist Physikprofessor in Göteborg, auch dort liegt der Überseehafen mitten in der Stadt. Saubere Schiffsabgase sind für die Menschen lebensnotwendig, so Melquist: "Es ist eine wichtige Frage, weil Schiffe als Schadstoffquelle lange Zeit überhaupt keinen Regeln unterlagen. An Land kämpfen wir seit Langem für bessere Luft, aber bei den Schiffen ist wenig passiert."

Messungen bis Oktober

Erst im kommenden Jahr werden in Nord- und Ostsee auch bei Stickoxiden Grenzwerte eingeführt. Auffällige Messwerte sind erst der Anfang der Ermittlungen. "Wenn wir Schiffe messen, die auffällig sind, geht eine Information an die Wasserschutzpolizei in Hamburg, die dann an Bord von diesen Schiffen geht und Kraftstoffproben nimmt. Das ist dann eine gerichtsfeste Analyse. Aufgrund der kann dann ein Schiff verurteilt werden", sagt Weigelt. Noch bis Anfang Oktober machen die Messteams an der Elbe Jagd auf Umweltsünder.

Weitere Informationen
Ein Mann hält auf einem Balkon in der Hamburger Hafencity ein Messgerät, das Daten zur Luftqualität sammelt. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Stickoxide am Hafen: Nabu warnt vor schlechter Luft

Vor erheblichen Stickoxidbelastungen durch Schiffsverkehr am nördlichen Rand des Hamburger Hafens warnt der Hamburger Naturschutzbund. Für Anwohnende sei das gesundheitlich besorgniserregend. (22.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.09.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Einsatzkräfte der Polizei laufen in Richtung von zahlreichen Menschen auf der Stadtpark-Wiese. © picture alliance/dpa Foto: Jonas Walzberg

Stadtpark: Polizei löst Partys von mehreren Tausend Menschen auf

Am Freitag schritt die Polizei ein, als sich 4.000 junge Menschen zum Feiern trafen. Am Sonnabend waren es rund 7.000. mehr