Benjamin Ondruschka, Facharzt für Rechtsmedizin, zu Gast im Hamburg Journal. © NDR

Rechtsmedizin am UKE: Neuer Direktor will Kinderschutzzentrum

Stand: 09.10.2020 21:14 Uhr

Benjamin Ondruschka ist seit Anfang Oktober neuer Direktor des Instituts für Rechtsmedizin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Der 36-Jährige hat die Leitung von Klaus Püschel übernommen, der altersbedingt aus dem Amt schied. Die erste Woche im neuen Team "ist sehr gut gelaufen. Alle haben mich herzlich willkommen geheißen. Professor Püschel hat mir viele gute Tipps gegeben und wir stehen im guten Austausch", sagte Ondruschka im Interview mit dem NDR Hamburg Journal.

Hilfe nach massiver Gewalt

Ondruschka kündigte an, er wolle ein Kinderschutzzentrum am UKE aufbauen. "Ich komme aus Leipzig. Leipzig ist die Stadt, die das erste Childhood-House in Deutschland eröffnen konnte", sagte er. Dort soll Kindern geholfen werden, die sexuellen Missbrauch und massive Gewalt erfahren haben - und zwar indem dort alle Ärzte, Ansprechpartner und Organisationen unter einem Dach versammelt sind.

Karl May obduziert

In der Vergangenheit obduzierte der Rechtsmediziner schon Karl May, wie er im Hamburg Journal berichtet. "Die Karl May-Stiftung hatte uns gebeten, ob wir denn nicht prüfen könnten, ob Karl May wirklich Karl May ist", so Ondruschka. Hintergrund: Es gab Diskussionen, ob er in den Kriegswirren aus seiner Gruft genommen worden war. Ondruschka und seine Kollegen konnten aber Entwarnung geben: "Er war es. Wir konnten das Schädelfoto des Leichnams auf ein sehr bekanntes Passfoto von ihm projizieren."

Sherlock Holmes fasziniert

Rechtsmediziner wollte Ondruschka schon immer werden, berichtet er im Interview. "Mich hat in meiner Jugend Sherlock Holmes fasziniert, wie er mit seinem Spürsinn und seinem Fernsehpartner Quincy auch mit dem medizinischen Sachverstand Dinge lösen konnte - ganz nüchtern und ganz objektiv."

Ondruschkas Vorgänger Püschel hatte in jüngster Zeit mit der Aussage für Diskussionen gesorgt, alle Corona-Toten, die bei ihm auf dem Tisch lägen, seien sowieso gestorben. "Natürlich ist das eine provokante Aussage, aber in der Tat sind die Sektionsergebnisse die, dass Personen, die an Corona gestorben sind auch schwerwiegende Vorerkrankungen hatten", sagte Ondruschka im NDR dazu.

Ondruschka war zuletzt als Oberarzt im Institut für Rechtsmedizin der Universität Leipzig. Nach seinem Studium der Humanmedizin hatte er dort auch seine Facharztausbildung absolviert. Für mehrere Forschungsaufenthalte und Lehrtätigkeiten war er zwischenzeitlich an der University of Otago in Neuseeland.

 

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 09.10.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Eine Ärztin zieht einen Impfstoff in eine Spritze. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Paul Zinken

Impfungen nun auch in fünf Krankenhäusern in Hamburg

Neben dem Impfzentrum und den Hausarztpraxen bieten ab Montag fünf Hamburger Krankenhäuser Impftermine an. mehr