Rache im Drogenmilieu: 20-Jähriger zu fünf Jahren Haft verurteilt

Stand: 12.04.2021 15:15 Uhr

In einem Prozess um versuchten Totschlag und Drogenhandel hat das Landgericht Hamburg am Montag sein Urteil verkündet. Der Angeklagte muss für fünf Jahre in Jugendhaft.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Angeklagten eine Jugendstrafe von fünf Jahren und neun Monaten gefordert. Die Anklagebehörde hält es für erwiesen, dass sich der 20-Jährige des versuchten Totschlags, der gefährlichen Körperverletzung und des Drogenhandels schuldig gemacht hat. Den ursprünglichen Vorwurf des versuchten Mordes ließ die Anklagebehörde nach Angaben eines Gerichtssprechers fallen.

Der Angeklagte soll mit Marihuana und Kokain gehandelt haben und am 19. April vergangenen Jahres Opfer eines Raubüberfalls geworden sein. Die Täter hätten ihm zum Schein acht Kilo Marihuana für 40.000 Euro angeboten, hatte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt erklärt. Beim vereinbarten Treffpunkt am S-Bahnhof Nettelnburg schlugen sie ihn nieder und raubten ihm das Geld. Der 20-Jährige habe anschließend die Angreifer zu einem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Neuallermöhe verfolgt. Dort habe er dreimal durch eine Wohnungstür geschossen, hinter der er die Räuber vermutete. Tatsächlich verfehlten die Schüsse nur knapp eine Familie.

Neun Schüsse auf den Flüchtenden

In den folgenden Wochen habe der Angeklagte versucht, den Verlust durch verstärkten Drogenhandel auszugleichen, erklärte der Staatsanwalt. Und am 30. Mai dann habe er zusammen mit zwei Komplizen einen der Angreifer vor einer Sparkassenfiliale in Bergedorf abgepasst und attackiert. Dabei soll er neunmal auf den Flüchtenden geschossen und ihn schwer verletzt haben. Drei Schüsse trafen den Mann in Becken, Oberschenkel und Knie - woraufhin er zusammenbrach. Im Glauben, den 22-Jährigen getötet zu haben, seien der Angeklagte und seine beiden Komplizen geflüchtet. Der Verletzte wurde notoperiert und überlebte. Er trat in dem Prozess als Nebenkläger auf. Der Angeklagte äußerte sich zunächst nicht zu den Taten.

Urteil: Fünf Jahre Jugendhaft

Die Verteidiger des Angeklagten hatten eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten beantragt. Die Strafkammer sprach den 20-Jährigen am Montag wegen versuchten Totschlags, Drogenhandels und gefährlicher Körperverletzung schuldig und verhängte fünf Jahre Jugendstrafe. Zu den Schüssen auf die Tür eines Mehrfamilienhauses äußerte sich der Vorsitzende Richter: "Sie haben fast einem völlig Unbeteiligten in den Kopf geschossen." Mit den neun Rache-Schüssen einen Monat später hatte der Angeklagte "einen ganzen Stadtteil in Angst und Schrecken versetzt", so der Richter weiter.

Weitere Informationen
Zwei Rechtsanwälte verdecken einen Angeklagten vor Beginn des Prozesses.  Foto: Georg Wendt

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Der Mann ist unter anderem wegen versuchten Mordes angeklagt. Er schwieg bislang. Hintergrund ist ein Streit im Drogenmilieu. (18.11.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.04.2021 | 13:00 Uhr

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