RS-Viren: Mehr Atemwegs-Infekte bei Kleinkindern in Hamburg

Stand: 28.10.2021 19:24 Uhr

RS-Viren treten jedes Jahr und vor allem bei kleinen Kindern auf. In diesem Jahr ist die Welle früher und stärker da als sonst. Kinderärzte und Kliniken stoßen mitunter an ihre Grenzen.

Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres infiziere sich nahezu jedes Kind einmal mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), so das Robert Koch-Institut. Es führt in der Regel zu einfachen Erkältungen, bei sehr kleinen Kindern können sich aber die unteren Atemwege entzünden. Das Besondere in diesem Jahr: Das Virus kursiert wesentlich früher. Sonst ist die Hochzeit ab Dezember, dieses Jahr ging es im September schon los.

Weitere Besonderheiten in diesem Jahr

Außerdem sehe man momentan, "dass die Erkrankungen etwas schwerer werden, möglicherweise durch die nicht gut vorbereiteten Immunsysteme, weil eine Saison ausgefallen ist", sagte Philippe Stock, Leiter der Pädiatrie am Krankenhaus Altona, dem Hamburg Journal. "Die dritte Besonderheit ist, dass auch ältere Kinder schwer erkranken. Damit meine ich Zwei- bis Dreijährige, das sehen wir sonst auch eher selten in dem Alter."

Lage bei Krankenhausbetten angespannt

Nicht selten stecken ältere Geschwister die ganz Kleinen an. Frühgeborene und etwa Kinder mit Herzfehlern bekommen gegen das RSV Antikörper verabreicht. Die Krankenhäuser kämen an ihre Belastungsgrenze, aber jedes Kind werde versorgt, sagte Stock. "Die Sorge muss niemand haben, dass man Kinder nicht versorgen würde. Aber die Bettenkapazitäten sind angespannt und keine Kinderklinik kann garantieren, dass Kinder auch dann an Ort und Stelle stationär aufgenommen werden."

Nicht jedes Kind muss zum Arzt

Einige Kinder könnten gut zu Hause behandelt werden. Um sie kümmern sich die Arztpraxen. Kinderärztin Claudia Haupt weiß, dass viele Eltern nervös sind. Nicht jede Schniefnase müsse aber zum Arzt. Das sei dann angebracht, wenn ganz junge Säuglinge hoch fiebern oder Babys mehrere Tage hoch fiebern. Auch wenn sie mehr als ein paar Stunden das Trinken komplett oder annähernd komplett verweigern oder Eltern eine erschwerte Atmung oder ein unstillbares Erbrechen wahrnehmen, sollte man zum Arzt.

Infektionen werden nachgeholt

Grund für den jetzigen Anstieg der Fallzahlen sind möglicherweise weniger trainierte Immunsysteme. Im Lockdown im vergangenen Jahr waren Kinder zu Hause und dadurch nicht in Kontakt mit vielen anderen Kindern. Durch Homeschooling, teils geschlossene Kitas, Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen trat das RS-Virus somit seltener auf. Diese Infektionen werden jetzt quasi nachgeholt.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 28.10.2021 | 19:30 Uhr

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