Stand: 28.08.2020 18:20 Uhr

Prozess um toten Brasilianer in Hamburg fortgesetzt

Im Prozess um den Tod eines Brasilianer in der Neustadt hat das Hamburger Landgericht die Lebenswege von Opfer und Angeklagtem untersucht. Am Freitag vernahmen die Richter einen Ex-Freund des 46-jährigen Angeklagten sowie die Schwester und die Freundin des 29 Jahre alten Brasilianers.

Ex-Freund des Angeklagten berichtet von Gewalt

Langsam zeichnet sich in dem Indizienprozess ein Bild ab, was für ein Mensch der 46 Jahre alte Angeklagte ist. Ein Ex-Freund sagte aus, die Beziehung sei nach kurzer Zeit von Gewalt und Eifersucht geprägt gewesen. Der 34-Jährige beschrieb den Angeklagten als intelligent, durchsetzungsstark und aufbrausend. Offenbar log der Angeklagte aber auch: Trotz Nachfrage verschwieg er seine HIV-Infektion. Und: In der Beziehung sei er sexuell übergriffig gewesen. Diese Aussage untermauert die Anklage, die dem 46-Jährigen vorwirft, den Brasilianer unter Drogen gesetzt zu haben, um mit ihm Sex zu haben.

Angehörige: Opfer fühlte sich nicht zu Männern hingezogen

Die Schwester des Brasilianers sagte, ihr Bruder habe keine Drogen genommen. Das bestätigte auch die Freundin des Brasilianers. Beide Frauen sagten auch: Zu Männern habe sich der 29-Jährige nicht hingezogen gefühlt. Auch dies ist ein weiterer Widerspruch zur Einlassung des Angeklagten, der behauptet hatte, der Brasilianer habe mit ihm schlafen wollen.

Opfer verschwand im September 2019

Das Opfer hatte drei Jahre lang in Hamburg gelebt. Der Brasilianer arbeitete als Informatiker in Bahrenfeld und galt als sehr zuverlässig. Ende September des vergangenen Jahres erschien er plötzlich nicht mehr im Büro, seine Kolleginnen und Kollegen meldeten ihn als vermisst. Im Januar dieses Jahres bekam die Polizei schließlich einen Tipp. Daraufhin durchsuchten Einsatzkräfte die Wohnung des Angeklagten in einem Hochhaus am Venusberg. Dort entdeckten sie schließlich die stark verweste Leiche des vermissten Mannes. Sie lag im Gästezimmer unter einer Matratze, war mit Sand bedeckt und mit Säcken umhüllt.

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Der Angeklagte sitzt im Saal des Landgerichts zwischen seinen Anwälten. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Bockwoldt

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.08.2020 | 17:00 Uhr

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