Stand: 04.06.2020 17:50 Uhr

Prozess um Vergewaltigung: Gericht spricht vier Männer frei

Vier Männer, die wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung einer Frau mithilfe sogenannter K.o.-Tropfen angeklagt waren, sind am Donnerstag vom Hamburger Landgericht freigesprochen worden. Zwei der Männer im Alter zwischen 22 und 26 Jahren hätten zwar zugegeben, mit der Frau Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, so ein Gerichtssprecher nach der Urteilsverkündung. Man habe aber nicht nachweisen können, dass das gegen den Willen der Frau geschehen sei.

Verteidigung plädierte auf Freispruch

Die Staatsanwaltschaft hatte sieben beziehungsweise sechs Jahre und zehn Monate Haft gefordert. Einer der anderen Angeklagten sollte laut NDR 90,3 wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe verurteilt werden. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

Treffen in einer Wandsbeker Sisha-Bar

Die Nebenklägerin, eine Auszubildende zur medizinischen Fachangestellten, und eine Freundin hatten sich nach den Worten der Vorsitzenden Richterin am 7. November 2018 einen "Mädelsabend" machen wollen. In einer Shisha-Bar in Wandsbek trafen sie den 26- und den 22-Jährigen. Später kamen die beiden anderen Angeklagten hinzu. Die Nebenklägerin kannte die Männer bereits, hatte mit einem von ihnen bereits ein Verhältnis gehabt, wie der Gerichtssprecher sagte. Die jungen Leute tranken zusammen Alkohol und gingen anschließend in einen Club.

Wochen später Schwangerschaft festgestellt

Am folgenden Tag wachte die Nebenklägerin der Anklage zufolge in der Wohnung des 26-Jährigen auf, ohne Erinnerungen an die Nacht gehabt zu haben. Doch sie hatte laut NDR 90,3 Verletzungen am Körper. Und Wochen später stellte sie fest, dass sie schwanger war. Sie ließ abtreiben. Sechs Wochen nach der Nacht erstattete die Frau Anzeige.

Freispruch im Prozess um mutmaßliche Vergewaltigung mithilfe von Ko-Tropfen © NDR Foto: Elke Spanner
Die Angeklagten wurden freigesprochen. Dem Gericht fehlte ein eindeutiger Beweis.

Zwei der Angeklagten räumten vor dem Landgericht ein, dass sie die Frau mit in ihre Wohnung genommen und dort auch Sex mit ihr hatten. Das sei aber einvernehmlich gewesen, behaupteten sie. Die Frau dagegen gab an, sicher zu sein, dass ihr jemand sogenannte K.o.-Tropfen ins Getränk gemischt hatte.

Es spreche vieles dafür, dass die Männer zumindest die starke Alkoholisierung der 25-Jährigen ausgenutzt hätten, sagte die Vorsitzende Richterin. Doch weil die Frau erst Monate nach der fraglichen Nacht Anzeige erstattete, sei es unmöglich, die Vorwürfe nachzuweisen. Und so handelte die Richterin nach dem Grundsatz: Im Zweifel für die Angeklagten - und sprach die Männer frei.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.06.2020 | 17:00 Uhr

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