Stand: 26.02.2018 13:58 Uhr

Prozess gegen G20-Gegner Fabio V. geplatzt

von Stefan Buchen
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Bestätigt die Absage: Gerichtssprecher Kai Wantzen.

Am Dienstag sollte eigentlich das Urteil im Verfahren gegen den 19-jährigen Italiener Fabio V. gesprochen werden. Aber nun hat sich die Richterin, die der Jugendschöffengericht am Amtsgericht Hamburg-Altona vorsitzt, krank gemeldet. Der letzte Verhandlungstag fällt aus. Das erfuhr "Panorama" von den Verteidigern des Angeklagten. "Der Termin zur Fortsetzung der Hauptverhandlung vom 27. Februar 2018 (...) wird aufgehoben. Grund: Erkrankung der Vorsitzenden," heißt es in der offiziellen Terminabsage des Amtsgerichts Altona, die "Panorama" einsehen konnte. "Damit ist diese Hauptverhandlung erst einmal beendet," teilte Rechtsanwalt Arne Timmermann mit, einer der beiden Verteidiger von Fabio V. Gerichtssprecher Kai Wantzen bestätigte die Terminabsage gegenüber Panorama: "Wie es nun weitergeht, können wir noch nicht sagen", sagte er.

Fünf Monate Untersuchungshaft

Weitere Verhandlungstage sind nicht anberaumt. Die Richterin ist hochschwanger, wie vergangene Woche bekannt wurde. Das bedeutet, dass das Gericht in der bestehenden Besetzung den Prozess wohl nicht fortführen kann. Theoretisch könnte das Verfahren unter dem Vorsitz eines anderen Richters komplett neu aufgerollt werden. Der Italiener war am 7. Juli 2017 nach der Auflösung einer Demonstration, die sich gegen die Politik der G20-Staaten richtete, festgenommen worden. Er wurde wegen versuchter Körperverletzung, tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und schweren Landfriedensbruchs angeklagt und saß fast fünf Monate in Untersuchungshaft.

Fabio V.

G20-Prozess: Hartes Vorgehen gegen Fabio V.

Panorama 3 -

Der Fall des jungen Italieners sollte ein Beispiel für erfolgreiche Strafverfolgung von G-20-Demonstranten sein. Doch so einfach scheint es nicht zu sein. Denn die Beweislage ist dünn.

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Verfahren müsste neu aufgerollt werden

Die Staatsanwaltschaft konnte dem jungen Mann jedoch nicht nachweisen, eigenhändig Gewalt ausgeübt zu haben. Aus der Demonstrantengruppe waren laut Anklage 14 Steine und vier pyrotechnische Gegenstände in Richtung von Polizeibeamten geworfen worden. Die Anklage berief sich darauf, dass Fabio V. Teil dieser Menschenmenge gewesen sei. Wer genau geworfen hat, ist unklar. Die Gruppe bestand aus rund 200 zum Teil vermummten Personen. Die bisherige Beweisaufnahme lässt vermuten, dass Fabio V. sich eher im hinteren Teil des Protestzuges aufhielt.

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 27.02.2018 | 21:15 Uhr

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