Prozess: Mutter bestreitet Mordversuch an Tochter

Stand: 04.08.2021 17:44 Uhr

Hat sie versucht, ihre kleine Tochter umzubringen? Eine 36-jährige Krankenschwester muss sich vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Am Mittwoch wies sie sämtliche Vorwürfe zurück.

Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, ihrer vierjährigen Tochter Ende vergangenen Jahres Schlaf- und Beruhigungsmittel verabreicht zu haben, die für das Kind hätten tödlich sein können. "Ich würde meinem Kind nie so etwas geben", sagte die 36-Jährige vor dem Hamburger Landgericht. Sie und ihr Mann seien "völlig fassungslos" gewesen und hätten nicht gewusst, woher die Medikamente stammten.

Die 36-Jährige steht wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung vor Gericht. Die dreifache Mutter aus Farmsen-Berne war mit dem vier Jahre alten Mädchen Ende vorigen Jahres ins Kinderkrankenhaus Wilhelmstift gekommen. Die Kleine sei vom Sofa gefallen: Verdacht auf Schädelprellung.

Ärzte erstatteten Strafanzeige

Laut Anklage soll die Frau dem Kind im Krankenhaus Schlaf- und Beruhigungsmittel verabreicht haben und zwar in einer Dosis, die für das Mädchen hätte tödlich sein können. Als sich der Zustand des Kindes verschlechterte, wurde es in die Kinderklinik des UKE verlegt. Dort soll die Frau dem Kind erneut eine hohe Dosis Beruhigungsmittel gegeben haben. Es kam zum Atemstillstand und das Mädchen befand sich in Lebensgefahr. Als die Ärztinnen und Ärzte in Urin- und Blutproben Rückstände der Medikamente fanden, erstatteten sie Strafanzeige.

Angeklagte schildert ihre Version

Die Angeklagte schilderte am Mittwoch das Geschehen aus ihrer Sicht. Ihre Tochter sei damals vom Sofa gefallen und habe über Kopfschmerzen geklagt. Weil das Mädchen sich auch erbrochen habe, sei sie mit dem Kind, das in seiner Entwicklung verzögert sei, zum Kinderkrankenhaus Wilhelmstift gefahren. Dort hätten die Ärzte eine Gehirnerschütterung festgestellt und entschieden, das Kind zu beobachten. Weil ihre Tochter am Abend immer noch über Kopfschmerzen klagte, habe ihr eine Krankenschwester etwas gegen die Schmerzen gegeben. Wenig später habe die Vierjährige über Schwindel geklagt und auch undeutlich gesprochen. Daraufhin wurde das Kind ins Kinder-UKE verlegt, um ein MRT zu machen.

"Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen"

Ihre Tochter habe "total verändert" gewirkt. "Wir sind vom Schlimmsten ausgegangen", sagte die 36-Jährige. Sie und ihr Mann seien dann sehr erleichtert gewesen, dass beim MRT nichts festgestellt worden war. Am nächsten Morgen wurde eine Urinprobe von dem Kind genommen, der Vierjährigen ging es wieder besser. Am Nachmittag habe das Mädchen aber wieder über Schwindel geklagt und wenig später habe ihr eine Ärztin mitgeteilt, dass im Urin des Mädchens Schlafmittel nachgewiesen wurden. Daraufhin wurde auch eine Blutprobe genommen.

"Ich dachte, ich wäre im falschen Film", sagte die 36-Jährige. Für sie und ihren Mann sei das "einfach unerklärlich gewesen". Als ihr am nächsten Tag Ärztinnen und Ärzte eröffneten, dass auch im Blut ihrer Tochter Rückstände von Schlafmittel gefunden wurden, sei sie "völlig sprachlos" gewesen.

Keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung

Eine Ärztin habe ihr gesagt, dass sie vermute, dass sie psychisch krank sei und eventuell am Münchhausen-Stellvertretersyndrom leide. Die Anklage geht von Heimtücke aus, weil das Kind seiner Mutter vertraute. Die Staatsanwaltschaft hat bislang keine Hinweise auf eine psychische Erkrankung der Frau und hält sie für voll schuldfähig. Der vierjährigen Tochter geht es inzwischen wieder gut. Bis zum 6. Dezember sind mehr als 20 Verhandlungstage geplant.

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Die Notaufnahme des Kinder-UKE am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). © picture alliance/dpa | Bodo Marks Foto: Bodo Marks

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 04.08.2021 | 19:30 Uhr

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