Protest gegen Umbaupläne: Warnstreik bei Airbus

Stand: 17.09.2021 17:22 Uhr

Beschäftigte des Flugzeugbauers Airbus sind am Freitag in einen Warnstreik getreten. Hintergrund sind die Pläne der Unternehmensführung, Teile abzuspalten und in zwei neuen Tochterfirmen auszugliedern.

Von dem Warnstreik betroffen waren nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall die Airbus-Standorte in Hamburg, Stade, Bremen und Buxtehude sowie der Premium-Aerotec-Standorte in Augsburg, Bremen, Varel und Nordenham. Die Arbeit sollte für insgesamt 20 Stunden bis Sonnabendfrüh ruhen. Bis zum Nachmittag hätten bereits mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Arbeit niedergelegt und sich an Kundgebungen beteiligt, teilte die IG Metall mit. Vor dem Werkstor in Hamburg-Finkenwerder versammelten sich laut Gewerkschaft am Vormittag rund 2.000 Menschen. "Das ist ein starkes Signal an das Airbus-Management. Gemeinsam mit den Beschäftigten an allen Standorten von Airbus und Premium Aerotec haben wir deutlich gemacht: Wir lassen uns nicht spalten!", sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich, bei der Kundgebung.

Friedrich hatte im Vorfeld des Warnstreiks erklärt: "Am Verhandlungstisch kommen wir nicht weiter." Airbus lehne feste Zusagen für alle Beschäftigten und Standorte ab, so sein Vorwurf. Airbus hatte im April angekündigt, dass deutschlandweit rund 13.000 Beschäftigte in zwei neue Tochterfirmen wechseln sollen. Eine davon soll unter anderem die Flugzeugrümpfe bauen. Die zweite soll sich auf die Fertigung kleiner Einzelteile und Komponenten konzentrieren. Für dieses Unternehmen, das auch andere Kunden bedienen soll, strebt Airbus die Verbindung mit einem "starken, externen Partner" an.

In Hamburg mehr als 4.000 Mitarbeiter betroffen

Allein am Standort Hamburg wären von den Ausgliederungsplänen mehr als 4.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen. Der Hamburger Werkleiter André Walter, sagte, Airbus respektiere das Recht der Beschäftigten, ihren Sorgen in Form eines Warnstreiks Ausdruck zu verleihen. Es müsse aber eine Lösung am Verhandlungstisch gefunden werden. "Wir haben die Verantwortung, die Zukunft von Airbus und die Zukunft von Airbus in Deutschland vorzubereiten und sind überzeugt, dass unsere Pläne die besten Lösungen für Airbus und unsere Beschäftigten bieten." Die IG Metall und Betriebsräte fürchten, dass die Beschäftigten künftig zu schlechteren Bedingungen arbeiten sollen.

Verhandlungen bislang ohne Ergebnis

Zwei Mal haben die Airbus-Führung und die Gewerkschaft in den vergangenen Wochen über einen Kompromiss verhandelt - jedoch ohne Ergebnis. Die Airbus-Führung zeigte sich in einer schriftlichen Erklärung gesprächsbereit. Man habe sehr weitgehende Angebote gemacht. Zum Beispiel würden die Mitarbeitenden in den neuen Tochterfirmen nach Tarif bezahlt. Die IG Metall meinte dagegen: Wenn Airbus nicht mehr anbiete, sei das nicht der letzte Streik.

IG Metall fordert Sozialtarifvertrag

Beschäftigte von Airbus nehmen an einem Warnstreik teil. © NDR Foto: Jutta Przygoda
Auch am Airbus-Standort Varel in Niedersachsen nahmen Teile der Belegschaft von Airbus am Warnstreik teil.

Die Gewerkschaft fordert einen Sozialtarifvertrag, in dem die Bedingungen für die von der Umstrukturierung betroffenen Beschäftigten geregelt werden. Als Absicherung für die Beschäftigten fordert die IG Metall eine Abfindung von drei Bruttomonatsgehältern je Beschäftigungsjahr bei einem Sockelbetrag von 25.000 Euro, sollten Beschäftigte ihren Job verlieren. Zudem sollen eine Härtefallregelung für IG-Metall-Mitglieder sowie zweijährige Qualifizierungsmaßnahmen bei Fortzahlung der Bezüge vereinbart werden. Die IG Metall verlangt eine Laufzeit von zwölf Jahren für diese Regelung.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.09.2021 | 17:00 Uhr

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