Stand: 03.04.2017 17:26 Uhr

Protest gegen Stellenabbau im Hafen

Unter dem Motto "Druck machen für die maritime Wirtschaft" haben mehrere Hundert Beschäftigte aus Betrieben der maritimen Industrie am Montag in Hamburg gegen Stellenabbau in ihrer Branche protestiert. Die Gewerkschaften IG Metall Küste und ver.di hatten zu der Veranstaltung aufgerufen. Einen Tag vor Beginn der Maritimen Konferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollten die Gewerkschafter ihrer Sorge Ausdruck verleihen, dass die zunehmende Digitalisierung Arbeitsplätze kostet.

Von Blohm + Voss zum Rathausmarkt

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Nach Angaben der Gewerkschaften waren bis zu 900 Menschen an den Protesten beteiligt.

Die Demonstranten trafen sich auf dem Gelände von Blohm + Voss im Stadtteil Steinwerder. Von dort zog der Protestzug durch den Alten Elbtunnel zum Rathausmarkt zur Abschluss-Kundgebung. Zum Auftakt ermutigte der ver.di-Bundesfachgruppenleiter für die Maritime Wirtschaft, Torben Seebold, die Demonstranten. Man wolle, dass Hafenarbeit groß und wichtig bleibe, so Seebold. Die Arbeitgeber müssten sich zur Zukunft aber auch zu den Arbeitsplätzen bekennen, forderte der Bezirksleiter IG Metall Küste, Meinhard Geiken, in seiner Rede auf dem Rathausmarkt.

Gewerkschaften wollen Stellenrückgang stoppen

Bereits im Vorfeld der Demo hatte Geiken betont, dass der Erhalt hochwertiger Arbeitsplätze das gemeinsame Ziel von Politik, Unternehmen und Gewerkschaften sein müsse. Die Beschäftigten würden von der Bundesregierung Entscheidungen erwarten. "Sie sehen mit Sorge, welche Auswirkungen die Deckelung der Ausbauziele für die Windkraftindustrie für Arbeitsplätze und Standorte haben könnten", sagte Geiken mit Blick auf den Windkraftanlagenhersteller Senvion, der in Deutschland 730 Stellen abbauen will. Bei der Hamburger Werft Blohm + Voss sollen 300 Stellen wegfallen. Nach Angaben der IG Metall waren 2016 rund 91.463 Menschen in der maritimen Industrie beschäftigt, 2008 waren es demnach noch 108.740. Nach Angaben des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik ist allein bei den Werften die Zahl der Beschäftigten von rund 25.000 im Jahr 2000 auf rund 18.000 (2016) zurückgegangen.

Maritime Konferenz im Zeichen der Digitalisierung

Zur 10. Nationalen Maritime Konferenz am Dienstag sind 750 Reeder und Schiffsmakler, Hafen- und Werftenchefs, Spediteure und Logistiker sowie ranghohe Politiker und Gewerkschafter nach Hamburg geladen. Neben der Bundeskanzlerin werden die Bundesminister Brigitte Zypries (Wirtschaft/SPD) und Alexander Dobrindt (Verkehr/CSU) als Redner erwartet. Die Teilnehmer wollen auch ein Positionspapier zur Digitalisierung unterzeichnen. Schätzungen zufolge umfasst die maritime Wirtschaft ein jährliches Umsatzvolumen bis zu 50 Milliarden Euro und bis zu 400.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze, wie aus der "Maritimen Agenda 2015" hervorgeht. Die Maritime Konferenz kommt seit dem Jahr 2000 regelmäßig zusammen.

Nord-IHK warnen vor ausländischen Übernahmen

Die zwölf Industrie- und Handelskammern der Länder Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein (IHK Nord) warnten, dass amerikanische Internet-Konzerne sich auch der Daten der deutschen maritimen Industrie bemächtigen könnten. Es werde entscheidend sein, wer über die Daten verfügt, sie auswertet und hieraus neue Geschäftsmodelle entwickelt, teilte der Vorsitzende der IHK-Nord, Wolfgang Blank, mit. Daher müssten hiesige Start-ups besser gefördert werden. Außerdem müsse der Breitbandausbau in den Seehäfen und an den Küsten beschleunigt werden.

Neues Projekt zur digitalen Zusammenarbeit gestartet

Parallel zu den Protesten gab Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) am Montag den  Startschuss für ein neues Projekt für digitale Kooperation zwischen Unternehmen. In dem sogenannten "Digital Hub Logistics" arbeiteten rund 30 Unternehmen zusammen, um an digitalen Lösungen rund um die Logistik mit zu forschen und marktreife Produkte zu entwickeln, hieß es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.04.2017 | 17:00 Uhr

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