Stand: 25.07.2020 17:20 Uhr

Pride Week in Hamburg startet

In Hamburg beginnt die Pride Week. Bereits seit Freitag flattern auf Hoteldächern, Behörden, Firmen, Kulturinstitutionen und Alsterdampfern Regenbogenflaggen. Damit will Hamburg ein Zeichen der Solidarität mit Lesben, Schwulen, Bi-, Transgender- und intergeschlechtlichen Menschen setzen. Wegen der Corona-Pandemie dürfen die Pride Week und der Christopher Street Day in diesem Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. Dennoch will sich Hamburg bis Anfang August als weltoffene und tolerante Metropole zeigen.

Benjamin Ehlers ist Mathe- und Physiklehrer und stellvertretender Schulleiter an der Emil-Krause-Schule in Barmbek. Und er lebt mit einem Mann zusammen. Völlig normal eigentlich, aber manchmal bekommt er deswegen trotzdem Sprüche zu hören. Vor fünf Jahren etwa, an seiner vorherigen Schule. Im Treppenhaus hörte er, dass Schüler ihm "Schwuchtel" hinterherriefen. "Ich war sauer, dass der Schüler meint, die sexuelle Orientierung sei ein Merkmal, mit dem man beleidigen kann", erzählt Ehlers.

"Noch immer keine Normalität"

Ein Mathe- und Physiklehrer steht in einem Klassenzimmer.
Benjamin Ehlers bekommt hin und wieder Sprüche wegen seiner Homosexualität zu hören.

Traurig oder bedrückt sei er deswegen aber nicht, sagt Ehlers. Pubertierende Schüler würden eben ihre Grenzen austesten. Auch ihre Neugier kann er verstehen, denn leider seien homosexuelle Paare in unserer Gesellschaft oft noch etwas Besonderes. Auch als die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass er homosexuell ist, sei das zwei oder drei Wochen lang ein Thema an der Schule gewesen. "Es ist natürlich schon so, dass das offensichtlich einen Neuigkeitswert hat", erinnert sich der Lehrer. Hier sei offenbar noch immer keine Normalität eingetreten.

Arbeitgeber können viel tun

Zwei Drittel der Schwulen und Lesben, die ihre sexuelle Orientierung öffentlich machten, würden deswegen am Arbeitsplatz diskriminiert, so Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger. Dabei gäbe es vieles, was Arbeitgeber dagegen tun könnten. Zum Beispiel die Beschäftigten stärken und Partei für sie ergreifen. "Offen zu machen: Es ist gut, dass wir solche Beschäftigten haben, ich will die Vielfalt in meinem Betrieb", so Karger. Außerdem könnten Arbeitgeber Seminare, Fortbildungen oder Diversity-Management-Kurse anbieten.

Engagement in der Beratung

Benjamin Ehlers ist auch in der Beratung tätig - für homosexuelle oder transsexuelle Kollegen und Schüler. Dass er schwul ist, erleichtere ihm diese Arbeit, denn auch viele andere Menschen kämen zu ihm. "Es kommt auch vor, dass ich angesprochen werde, wenn Frauen diskriminiert werden, wenn Menschen rassistische Erlebnisse haben. Sie vertrauen mir, dass ich sie unterstütze, dass ich verstehe, was sie durchmachen. Und das ist sicherlich ein Aspekt, den nicht jeder mal eben so mitbringt", sagt Ehlers.

Die Beratungen will der 32-jährige Lehrer auch weiterhin anbieten. Benjamin Ehlers hofft allerdings, dass homosexuelle Menschen bald nicht mehr für Gleichberechtigung kämpfen müssen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.07.2020 | 19:30 Uhr

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