Stand: 11.03.2019 05:00 Uhr

Plastikmüll: Wie vermeiden, wie recyceln?

von Alexander Heinz

Die Hamburgerin Erdmuthe Kriener hat es vorgemacht: Der Müll, den sie binnen eines Monats produziert hat, passt in ein Marmeladenglas. Um das zu schaffen, hat sie ihr Einkaufsverhalten komplett umgestellt: Lebensmittel kauft sie nur noch dort, wo sie unverpackt angeboten werden. Und sogar ihre Zahnpasta stellt sie inzwischen selbst her, aus Natron und Pfefferminz, um keine Zahnpasta-Tube kaufen zu müssen. All ihre Erfahrungen hat die Hamburgerin in ihrem Blog "Alternulltiv" aufgeschrieben. Man müsse nicht gleich komplett auf Plastik verzichten, sagt Kriener: "Auch kleine Schritte sind sinnvoll, zum Beispiel der Stoffbeutel statt der Plastiktüte."

Andreas Jensvold von der Firma Veolia. © NDR Foto: Bert Beyers

Müllsünden: Kaffeekapseln und schwarzes Plastik

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Problemfälle in der Wertstofftonne: Andreas Jensvold von der Firma Veolia erklärt, warum Kaffeekapseln und schwarzes Plastik die Müllsortierung und das Recycling erschweren.

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Das Problem: Es wird falsch getrennt

Jeder Hamburger produziert pro Jahr etwa 26 Kilogramm Müll aus Kunst- und Verbundstoffen. Zwar ist die Menge in den vergangenen Jahren zurückgegangen, doch die Stadtreinigung Hamburg will sie weiter reduzieren. Die größte Herausforderung ist dabei die Sortierung: "40 bis 60 Prozent der Dinge, die in der Wertstofftonne landen, gehören nicht dorthin", sagt Andreas Jensvold von der Firma Veolia. Sie betreibt in Billbrook Norddeutschlands größte Sortieranlage für Wertstoffe. Leider werde noch viel zu viel Hausmüll in die gelben Tonnen gepackt: Babywindeln, Batterien oder Holz machen es den Verwertern schwer.

Bundesweit zählt Hamburg zu den Schlusslichtern, wenn es um die Trennung von Plastikmüll und anderen Wertstoffen geht: 117 Kilogramm pro Einwohner und Jahr können in den Sortieranlagen für die Weiterverwertung verarbeitet werden, nur in Berlin wird mit 110 Kilogramm noch weniger getrennt.

Müllvermeidung beginnt schon beim Einkauf

Programm-Tipp

Weniger Müll! Tipps für Müllvermeider

14.03.2019 20:00 Uhr

Ihr monatlicher Müll passt in ein Marmeladenglas: Eine Bloggerin diskutiert im Treffpunkt Hamburg mit Vertretern von Stadtreinigung und Verbraucherzentrale über die Vermeidung von Plastikmüll. mehr

Die Stadtreinigung Hamburg hat einen Einkaufsführer herausgebracht, in dem Verbraucher erfahren, auf welche Kunststoff-Verpackungen sie im Supermarkt lieber verzichten sollten, welche recycelbar sind und wie sie generell umweltfreundlicher einkaufen können. So ist schwarzer Kunststoff, wie er beispielsweise für einige Flüssigwaschmittel-Verpackungen verwendet wird, nicht recycelbar: "Die Sensoren in unseren Anlagen können Schwarz nicht erkennen", erklärt Andreas Jensvold. Probleme bereiten auch die Alu-Deckel am Joghurtbecher, wenn sie nicht abgetrennt werden, bevor sie in die gelbe Tonne wandern.

Der Material-Mix macht es schwierig

Seit 2019 müssen laut Gesetz rund 60 Prozent aller Wertstoffe recycelt werden. Für Sven Winterberg von der Hamburger Stadtreinigung ist dabei nicht die Menge des Plastikabfalls das Problem, schwerwiegender sei, dass zunehmend Verbundstoffe aus verschiedenen Materialien eingesetzt würden - und diese lassen sich kaum noch recyceln. Stattdessen wandern sie in die thermische Verwertung, sie werden einfach verbrannt.

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Gelber Sack: Die Hälfte gehört gar nicht hinein

Batterien, Schuhe und jede Menge Babywindeln landen im gelben Sack - und gehören dort gar nicht hinein. "40 bis 60 Prozent sind Fehlwürfe", sagt Andreas Jensvold von der Firma Veolia. Video (01:09 min)

Kaffeekapseln - eine wahre Müllsünde

Ein besonderes Ärgernis sind für Winterberg die weit verbreiteten Kaffeekapseln. Sie wurden zwar für die gelbe Tonne zertifiziert, sind meist aber schwer zu recyceln, besonders wenn sie aus verschiedenen Materialien bestehen. Auch wenn es mittlerweile Anleitungen für das Wiederbefüllen der Kapseln gibt und einige Hersteller die gebrauchten Kapseln sogar zurücknehmen, empfiehlt der Müll-Experte lieber ganz darauf zu verzichten - ganz im Sinne der Umwelt.

Der Markt reagiert - wenn auch nur langsam

Neben einer spürbar wachsenden Zero-Waste-Bewegung sowie ersten Unverpackt-Läden und Cafés in der Stadt, die ganz auf Verpackungsmüll verzichten, reagieren inzwischen auch die Supermärkte, wenn auch nur langsam. So haben in Hamburg vier Edeka-Märkte testweise ein Mehrwegsystem für Aufschnitt an ihren Verkaufstheken eingeführt. Andere Händler akzeptieren inzwischen Behälter, die die Kunden selbst mitbringen. Und auch Gemüsenetze, die sich mehrfach verwenden lassen, sind im Einsatz.

Weitere Informationen

Thementag: Müllvermeidung

Wie lässt sich Müll bereits beim Einkauf im Supermarkt vermeiden und was sollte man beim Mülltrennen beachten - darüber haben NDR 90,3 und Hamburg Journal an einem Thementag berichtet. mehr

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Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Müllaufkommen, es muss mehr recycelt werden. Das Problem: Viel von dem, was im gelben Sack landet, gehört dort nicht hinein. (29.01.2019) mehr

Wenn Plastik im Biomüll zum Problem wird

Je mehr sogenannte "Störstoffe" wie Plastik im Biomüll landen, desto schwieriger ist es, den Dreck wieder zu entfernen. Das ständige Aussortieren kostet eine Menge Geld. (13.11.2018) mehr

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Zero-Waste-Café: Essen gehen ohne Müll?

In Hamburg hat Deutschlands erstes Café ohne Verpackungsmüll aufgemacht. Wie funktioniert das? Ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein oder ein guter Denkanstoß? (15.11.2018) Audio (19:58 min)

Quiz

Richtig oder falsch? Testen Sie Ihr Müll-Wissen!

Sie kennen sich aus beim Thema Müll und wissen wie er richtig sortiert und recycelt wird? Testen Sie Ihr Wissen rund ums Thema Mülltrennung. Raten Sie mit! Quiz

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 14.03.2019 | 06:00 Uhr

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