Stand: 14.06.2018 09:08 Uhr

Olaf Scholz feiert 60. Geburtstag

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Früher Hamburgs Bürgermeister, jetzt Bundesfinanzminister: Olaf Scholz.

Der frühere Hamburger Bürgermeister und heutige Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) feiert heute seinen 60. Geburtstag. Der Hanseat ist nicht der Typ für wilde Partys. Dementsprechend soll der runde Geburtstag dezent begangen werden. Zumal er als Finanzminister mittendrin ist in Verhandlungen für Vorschläge zur Reform der Europäischen Union. Dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen sagte Scholz: "Ich habe eine schöne Zeit bisher gehabt." Das Leben werde interessanter und besser Tag für Tag.

Eher nüchtern als empathisch

Nach guten Jahren als Erster Bürgermeister Hamburgs will Scholz als Finanzminister zeigen, dass auch die "Roten" mit Geld umgehen können. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vertraut ihm - aber nicht so sehr seine Partei, da gilt er fast als rechts. Bei Umfragen ist er dennoch einer der beliebtesten SPD-Politiker. Er gilt als einer der Favoriten auf die nächste Kanzlerkandidatur. Aber Scholz hat auch ein gravierendes Kommunikationsproblem, seine Politik zu erklären, empathisch zu wirken. Stattdessen liebt er knappe Antworten, zumeist nüchtern und manchmal trocken wie eine Wüste. Dies hatte ihm schon vor Jahren einmal den Spitznamen "Scholzomat" eingebracht.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz

Olaf Scholz wird 60

Hamburg Journal -

Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz wird 60 Jahre alt. Bis vor Kurzem war er Hamburgs Erster Bürgermeister - nun ist er auf den Bühnen der Welt unterwegs.

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Gespür für Risse in der Gesellschaft

Sein kürzlich veröffentliches Buch trägt den Namen "Hoffnungsland". Es wendet sich unter anderem gegen den grassierenden Zukunftspessimismus in der SPD. Dort schreibt er, was seiner Ansicht nach notwendig ist, um eine auseinanderdriftende Gesellschaft zusammenzuhalten. Er nennt ein stabiles soziales Netz, die bessere Vermittlung von Arbeitslosen, einen höherer Mindestlohn, überall gebührenfreie Ganztagsangebote in Kitas, mindestens zehn Jahre zur Schule gehen, bei allen Neubauten ein Drittel Sozialwohnungen, Modernisierung von Straßen, Flughäfen und Eisenbahnnetz, eine Breitbandverkabelung auf Weltniveau und vor allem: ein faires, gerechteres Steuersystem. 

Seit Jahrzehnten prägende Figur der SPD

Videos
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NDR Fernsehen

Olaf Scholz: Wie die Zeit vergeht!

14.06.2018 19:30 Uhr
NDR Fernsehen

Der Vize-Kanzler, Finanzminister und Hamburgs Bürgermeister a.D. wird 60 Jahre alt. Grund genug für einen Rückblick auf seine politische Karriere im Schnelldurchlauf Video (00:44 min)

Scholz ist seit Jahrzehnten eine prägende Figur in der SPD. Lange pendelt er zwischen Landes- und Bundespolitik hin und her. Er ist stellvertretender Juso-Chef, Hamburgs Innensenator, Gerhard Schröders Generalsekretär, Bundesarbeitsminister und schließlich führt er die SPD 2011 in Hamburg zurück an die Macht. Im November 2016 bringt der damalige SPD-Parteichef Sigmar Gabriel Hamburgs Ersten Bürgermeister sogar als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2017 ins Gespräch - bis die Wahl auf Martin Schulz fällt. Scholz übernimmt nach dem Rücktritt von Parteichef Schulz kommissarisch den Parteivorsitz der Bundes-SPD. Später gibt die SPD bekannt, dass er als Bundesfinanzminister und Vizekanzler in die Große Koalition nach Berlin wechselt. Sein Amt als Hamburger Bürgermeister und SPD-Landeschef gibt er auf.

In Hamburg-Altona verwurzelt

Scholz wird am 14. Juni 1958 in Osnabrück als Sohn von Kaufleuten im Textilgewerbe geboren. In Hamburg wächst er auf und tritt bereits mit 17 Jahren in die SPD ein. Anschließend studiert er Rechtswissenschaften und lässt sich in Hamburg-Altona nieder, wo er mit seiner Frau, der Politikerin Britta Ernst, wohnt und sich tief verwurzelt fühlt. Schon seine Großeltern stammen aus Altona.

Olaf Scholz: Seine Karriere in Bildern

Von 1982 bis 1988 ist er stellvertretender Juso-Chef. Zehn Jahre später schafft es Scholz zum ersten Mal in den Bundestag - bei der Wahl 1998, die den Regierungswechsel zu Rot-Grün unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zur Folge hat. Vor seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter hat Scholz jahrelang als Fachanwalt für Arbeitsrecht gearbeitet.

"Liberal, aber nicht doof"

Hamburgs damaliger Bürgermeister Ortwin Runde (SPD) ernennt Scholz 2001 für wenige Monate zum Innensenator. Er löst den glücklosen Hartmuth Wrocklage (SPD) ab und versucht energisch, gegen Kriminalität durchzugreifen. Scholz stoppt den Stellenabbau bei der Polizei, kündigt Programme gegen Jugendkriminalität und harte Maßnahmen gegen Drogendealer an. Außerdem fordert er einen schärferen Umgang mit radikal-islamischen Vereinigungen. Bekannt wird sein Spruch: "Ich bin liberal, aber nicht doof."

Dann verliert die Hamburger SPD die Wahlen gegen die CDU unter Ole von Beust, die Schill-Partei und die FDP - nicht zuletzt auch aufgrund der Verluste der Grünen, damals noch GAL. Bei der darauffolgenden Bundestagswahl kehrt Scholz zurück ins Parlament in Berlin.

Schröders treuer General

Ende 2001 wird er in den Bundesvorstand der Sozialdemokraten gewählt. Der damalige SPD-Vorsitzende Schröder macht ihn 2002 zum Generalsekretär. Gelobt wird er unter anderem für seinen unermüdlichen Arbeitseifer und seine Intelligenz. Er gilt als Organisationstalent und Strippenzieher, aber es gibt auch andere Stimmen. Kritiker werfen Scholz damals vor, er habe kaum Charisma und keinen Kontakt zur Basis. Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" bezeichnet Scholz als "Erfüllungsgehilfen des Kanzlers", weil er im Streit um die "Agenda 2010" treu an der Seite von Gerhard Schröder steht. Als dieser 2004 den Parteivorsitz abgibt, tritt auch Scholz vom Amt des Generalsekretärs zurück.

Ein Jahr später gelingt ihm ein Comeback auf Bundesebene als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion. 2007 erbt Scholz dann von seinem Förderer Franz Müntefering (SPD) das Amt des Bundesarbeitsministers. Vor den Bundestagswahlen 2009 ist er im Schattenkabinett des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier weiter als Minister vorgesehen, doch dann löst die schwarz-gelbe Koalition die Regierung ab.

Comeback in Hamburg

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Seit 1998 verheiratet: Olaf Scholz und Britta Ernst, die ebenfalls politisch aktiv ist.

Scholz ist von 2000 bis 2004 SPD-Landesvorsitzender in Hamburg. Im November 2009 wird er erneut an die Spitze gewählt, im Juni 2010 mit großer Mehrheit im Amt bestätigt. Für die SPD tritt er bei der Bürgerschaftswahl im Februar 2011 dann als unumstrittener Spitzenkandidat an - und holt für seine Partei 48,4 Prozent der Stimmen und damit die absolute Mehrheit der Sitze in der Hamburgischen Bürgerschaft. Auch bei der Bürgerschaftswahl 2015 siegt die SPD mit Scholz als ihrem Spitzenkandidaten. Die absolute Mehrheit kann er allerdings nicht halten. Die SPD koaliert in der Folgen mit den Grünen.

Fehleinschätzung des G20-Gipfels

Scholz' guter Ruf als verlässlicher Organisator trägt im Juli 2017 einigen Schaden davon: Der G20-Gipfel in Hamburg bringt nicht die erhofften Bilder der großen Weltpolitik - sondern ist geprägt durch Randale und Chaos. Im Vorfeld hatte Scholz für die Sicherheit in der Stadt garantiert: "Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist", sagte der Erste Bürgermeister. Doch zunächst kommt der Verkehr in der City fast völlig zum Erliegen. Und dann eskalieren die Ausschreitungen der Gipfelgegner - vor allem im Schanzenviertel kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen: Barrikaden brennen, viele Läden und ganze Straßenzüge werden verwüstet.

Forderungen nach Rücktritt

Die Aufarbeitung der Vorfälle beschäftigen noch Wochen später die Politik. Aus der Hamburger CDU werden Forderungen nach einem Rücktritt des Bürgermeisters laut. "Ein Bürgermeister, der die Lage so eklatant falsch einschätzt, der dafür sorgt, dass manche Stadtteile einem wütenden Mob überlassen werden und der dann nicht einmal in der Lage ist, eigene Fehler einzugestehen, der darf für Hamburg keine weitere Verantwortung mehr tragen", kritisiert CDU-Fraktionsschef André Trepoll. Scholz lehnt einen Rücktritt jedoch ab.

Abschied von Hamburg: "Es war mir eine große Ehre"

Im März 2018 gibt er sein Amt aber doch auf, weil er in die Bundespolitik wechselt. Scholz bezeichnet seine Amtszeit in Hamburg als die "spannendsten und auch schönsten Jahre meines bisherigen politischen Lebens". Er zieht eine positive Bilanz der siebenjährigen Regierungsarbeit: "Das Feld ist bestellt. Die Stadt ist auf einem guten Weg", betont Scholz in einem Abschiedsschreiben an die Hamburger. "Es war mir eine große Ehre, meine Kraft und meine politische Energie für Sie einsetzen zu dürfen. Mich hat diese Aufgabe sehr erfüllt und ich habe gern für Sie und meine Heimatstadt Hamburg gearbeitet."

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.06.2018 | 19:30 Uhr

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