Özdemir will einen Impfbus für benachteiligte Stadtteile

Stand: 26.07.2021 15:17 Uhr

Im Sommerinterview von NDR 90,3 und dem Hamburg Journal fordert Cansu Özdemir, die Fraktionsvorsitzende der Linken, ein Impfmobil für die benachteiligten Stadtteile Hamburgs.

Mit dem Impfbus soll der Senat zu den Menschen kommen, wünscht sich Özdemir. "Wir stellen fest, dass Menschen, die in ärmeren Stadtteilen leben, stärker von dem Virus betroffen sind. Es heißt ja: Armut macht krank", sagt sie. In Bremen sei der Impfbus sehr erfolgreich unterwegs. Hamburgs Informationsangebot vor Ort in verschiedenen Sprachen in Kirchdorf-Süd oder dem Osdorfer Born hätte nicht alle Menschen erreicht - egal ob mit oder ohne Migrationshintergrund. Hier helfe das Impfmobil.

Kein Verständnis für Impfpflicht

Was hält Özdemir vom Vorschlag des Kanzleramtschefs Helge Braun (CDU)? Der fordert, dass Restaurant- und Kulturbesuche nur noch für Geimpfte möglich sind - aber nicht mehr für Getestete. Die Linken-Fraktionschefin in der Bürgerschaft geht darauf nicht direkt ein. Sie antwortet, wie die Mehrheit der Deutschen halte sie nichts von einer Impfpflicht, sonst würde "die Debatte kippen". 

Endlich Luftfilter für die Schulen

Kritik äußert Özdemir an der Schulpolitik des Senats. "Schulsenator Ties Rabe hatte wirklich viel Zeit, um die Schulen besser auszustatten." Doch in Sachen Luftfilter sei nichts geschehen. Die Aussage des SPD-Politikers, lieber "noch mal eine Ausgangssperre als die Schulen wieder zu schließen", kommentiert Özdemir so: "Für eine Ausgangssperre kann ich mich nicht aussprechen." Wichtiger sei die Ausstattung der Schulen, damit die Schülerinnen und Schüler zum Unterricht gehen könnten.

Corona-Hilfe speziell für Frauen

Bei der Verteilung der Corona-Hilfsgelder forderte Özdemir eine Überprüfung, wie viel davon bei Frauen angekommen ist. Frauen standen "in den systemrelevanten Berufen ja an vorderster Front: die Kassiererinnen, die Erzieherinnen, die Krankenpflegerinnen". Nach ihren Worten waren Frauen in der Krisenzeit stärker benachteiligt und die Geschlechter-Ungleichheit wuchs sogar noch an. 

Klimapolitik durch Entmachtung der Konzerne

Auch die Klimapolitik spielt eine wichtige Rolle im Sommerinterview von NDR 90,3 und dem Hamburg Journal. Hamburgs Linken-Fraktionschefin erklärt, man sehe durch die Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen, dass "die Uhr wirklich tickt" und der Staat schnell handeln müsse. Aber: "Eine CO2-Bepreisung lehnen wir ab, weil wir wissen, dass sie die Menschen trifft, die wenig Geld in der Tasche haben." Besser sei die auf dem Linken-Bundesparteitag diskutierte "Entmachtung der Konzerne". Ziel ist Deutschlands Klimaneutralität bis 2035.

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Cansu Özdemir zu Gast zum Sommerinterview bei NDR 90,3. © NDR Foto: Alexander Dietze
24 Min

Sommerinterview mit Cansu Özdemir (Linke)

Die Fraktionsvorsitzende der Linken zu Gast bei NDR 90,3 zum Sommerinterview. 24 Min

Kritik und Lob für die Grünen

Hart geht Özdemir mit der Verkehrspolitik der Grünen ins Gericht. Sie habe sich von Verkehrssenator Anjes Tjarks anderes erhofft. Er habe sich von Wahlkampf zu Wahlkampf für eine Stadtbahn ausgesprochen - wie auch für die Eindämmung des Kfz-Verkehrs. "Aber dann nichts dafür zu tun, das ist nicht die Vorstellung von einem grünen Verkehrssenator", so die Linken-Politikerin.

Im Gegenzug lobt sie andere Grüne. "Wir merken auch, dass die Grüne Jugend außerparlamentarisch lauter wird. Das ist sehr erfrischend." Dabei betont Özdemir einen guten Kontakt zu Abgeordneten der Grünen-Fraktion, etwa beim Antidiskriminierungsgesetz.

Zweistellig in den Bundestag

Für wen im Kanzleramt könnte sie sich am ehesten erwärmen: Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) oder Annalena Baerbock (Grüne)? "Für niemanden", sagt Özdemir, ohne eine Sekunde zu zögern: Das Linken-Spitzenduo Janine Wissler und Dietmar Bartsch sei ihr viel lieber und führe einen sehr starken Wahlkampf, etwa zum Thema Mietendeckel. Das Ziel der Bundestagswahl sei ein zweistelliges Prozentergebnis.

Die Linke sei entschlossen, tagtäglich die Wahlkampf-Inhalte in die Stadtteile zu tragen. Deshalb macht sie selbst vom 29. bis zum 30. Juli Haustür-Wahlkampf. Wenn es dann also an Ihrer Tür klingelt und eine junge Frau mit einem Wahlprogramm in der Hand vor Ihnen steht, dann könnte es Cansu Özdemir sein.

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Ein Mikrofon im Studio von NDR 90,3.  Foto: Larissa Gumgowski

Sommerinterviews bei NDR 90,3 und im Hamburg Journal

Hamburger Politikerinnen und Politiker haben sich den Fragen von NDR 90,3 und dem Hamburg Journal gestellt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.07.2021 | 16:00 Uhr

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