"Norddeutsches Reallabor" geht an den Start

Stand: 14.04.2021 18:00 Uhr

Hamburg und der Norden bekommen vom Bund 52 Millionen Euro für die Energiewende. Damit geht das "Norddeutsche Reallabor" an den Start. Wirtschaft und Forschung wollen 75 Prozent des CO2-Ausstoßes abbauen - bis 2035.

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). © picture alliance/dpa | Marcus Brandt Foto: Marcus Brandt
"Wenn wir nicht aufpassen in Europa werden wir technologisch abgehängt", sagte Hamburgs Bürgermeister Tschentscher (Archivfoto).

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) übergab den symbolischen Förderbescheid am Mittwoch in einer virtuellen Auftaktveranstaltung. Im Verbund der Länder Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern wollen mehr als 50 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik in den kommenden fünf Jahren die Weichen für eine klimaneutrale Energieversorgung für Industrie, Wärme und Verkehr stellen.

300 Millionen Euro auch für "grünen" Wasserstoff

Zusammen mit Mitteln aus der Industrie sind insgesamt Investitionen von mehr als 300 Millionen Euro geplant. Eine zentrale Rolle spielt "grüner", durch Windenergie erzeugter Wasserstoff. Pro Jahr soll so eine halbe Million Tonnen Kohlendioxid CO2 eingespart werden.

Mit Blick auf Japan und China mahnte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD): "Wenn wir nicht aufpassen in Europa, werden wir technologisch abgehängt. Deswegen kommt es jetzt darauf an, dass wir mit der Industrie gutbezahlte Arbeitsplätze und Wohlstand sichern müssen." Durch Spitzentechnik und Zuschüsse vom Bund müsse man verhindern, dass saubere Industrieproduktion ins billige Kohle-Ausland abwandert.

Altmaier: "Ein wichtiger Baustein"

Bei der Bewältigung der Klimakrise gehe es nicht um die Frage Klima oder Wohlstand, "sondern um Klima und Wohlstand", sagte Wirtschaftsminister Altmaier. Um dieses Ziel für Deutschland zu erreichen, sei das "Norddeutsche Reallabor" ein wichtiger Baustein.

"Grüner" Wasserstoff müsse wettbewerbsfähig sein, sagte Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne). Nachteile gegenüber fossilen Energieträgern müssten abgebaut werden. Dazu sei eine grundlegende Reform der Steuern und Abgaben im Energiebereich nötig. Die Staatssekretärin im Energieministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Ina-Maria Ulbrich, betonte, wenn "grüner" Wasserstoff unter Marktbedingungen eingesetzt werden solle, "müssen wir ran an die gesetzlichen Regelungen."

"Grüner" Energiespeicher Wasserstoff

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Um umweltfreundlichen Wasserstoff zu erzeugen, werden regenerative Energien wie Solar­ oder Windenergie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

Regenerativ erzeugter, sogenannter "grüner" Wasserstoff, ist ein Schlüsselenergieträger der Energiewende. Er kann nach Darstellung von Experten auch zeitliche und räumliche Schwankungen der Stromgewinnung aus Solar- oder Windenergie ausgleichen.

Ein Großteil des in Deutschland produzierten Wasserstoffs ist allerdings "grauer Wasserstoff": Er entsteht als Nebenprodukt in der Chemieindustrie oder wird aus fossilen Energieträgern erzeugt. Bei dem Verfahren wird das Treibhausgas Kohlendioxid ausgestoßen. (Quelle: dpa)

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.04.2021 | 18:00 Uhr

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