Nockemann gegen Streichung des Begriffs "Schwarzfahren"

Stand: 15.07.2021 18:17 Uhr

Der Fraktionsvorsitzende der Hamburger AfD hat im Sommerinterview mit dem Hamburg Journal und NDR 90,3 über den Begriff "Schwarzfahren" und das Wahlprogramm seiner Partei für die Bundestagswahl gesprochen.

Nockemann kritisierte, dass der HVV das Wort "Schwarzfahren" nicht mehr verwenden will. Diese Entscheidung sei übertrieben. Der Begriff sei kein Ausdruck von Rassismus oder Ausgrenzung. Er verwies auf dessen Ursprung: Das Wort komme aus dem Jiddischen und bedeute eigentlich "arm fahren", also jemand, der kein Geld habe.

Verbannung des Begriffs "arg überzogen"

Den Begriff aus dem täglichen Leben zu verbannen, sei arg überzogen, sagte der AfD-Fraktionsvorsitzende: "Das fängt ja beim Schwarzfahren nicht an. Diese Diskussion begann bereits als Bücher wie Pippi Langstrumpf oder Jim Knopf beispielsweise als rassistisch gebrandmarkt wurden." Nockemann meint, dass sich eine kleine, aber laute Minderheit als Sprachpolizei aufführe, die bestimmte Begriffe aus unserer Sprache verbannen wolle.

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Hamburgs AfD-Fraktionsvorsitzender Dirk Nockemann. © NDR Foto: Arman Ahmadi
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Sommerinterview mit Dirk Nockemann (AfD)

Der Fraktionsvorsitzende der Hamburger AfD zu Gast bei NDR 90,3 zum Sommerinterview. 25 Min

Corona-Krise: AfD fordert Rückkehr zur Normalität

Auf die Frage, ob er das Coronavirus angesichts der Forderungen seiner Partei nach dem Ende der Corona-Maßnahmen unterschätze, antwortete Nockemann: "Wir haben gesagt, dass wir ein Zurück zur Normalität möchten. Und wir halten es auch für dringend geboten". Was im Moment im Zuge der Corona-Maßnahmen in Hamburg alles passiere, sei zum Teil eine Vernichtung des Mittelstandes und der Gastronomie. "Das halten wir für unverhältnismäßig angesichts der zurückgehenden Gefahren", so Nockemann weiter. Rückblickend habe er in der Vergangenheit eine gewisse Experimentierfreudigkeit des Ersten Bürgermeisters Peter Tschentscher (SPD) vermisst bei Öffnungsversuchen.

"Wir wollen keinen weiteren Lockdown. Wir wollen, dass die Clubs wieder öffnen. Und wir setzen dabei aber auch auf die Verantwortung der Menschen, die sich dort aufhalten, also Abstand halten im wohlerwogenen eigenen Interesse," sagte Nockemann. Staatliche Corona-Maßnahmen seien der Auffassung der AfD nach nicht länger mit dem Grundgesetz zu vereinbaren, auch nicht angesichts der Delta-Variante.

Nockemann sieht Forderung nach EU-Austritt kritisch

Mit Blick auf die Bundestagswahl am 26. September stimmt Nockemann nicht in allen Punkten dem Wahlprogramm der AfD zu. Die Forderung nach einem EU-Austritt sieht er kritisch. Die AfD stehe für die Innere Sicherheit, für ein Ende der ungeregelten Zuwanderung und für ein Wachstum der Industrie - das seien gute Punkte, findet Nockemann. Hinter der Forderung nach einem Austritt aus der EU steht er eher nicht. "Beim Austritt aus der EU bin ich mir nicht so ganz sicher, ob das die richtige Entscheidung gewesen ist. In der Partei kann man ja unterschiedliche Auffassungen haben."

"Weniger Bürokratie, mehr direkte Demokratie" für EU

Denn Deutschland profitiere durchaus von der EU, sagte Nockemann. Allerdings sei die AfD für eine völlig andere EU "mit wesentlich weniger Bürokratie, mit mehr Formen von direkter Demokratie", erklärte er. Was die AfD ablehne sei, dass Länder, die vernünftig wirtschaften und arbeiten, für die Schulden insbesondere der südlichen und südosteuropäischen Länder einstehen müssten.

Er selbst habe keine Ambitionen nach Berlin zu wechseln, bekräftigte Nockemann im Sommerinterview.

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Ein Mikrofon im Studio von NDR 90,3.  Foto: Larissa Gumgowski

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal 18.00 | 15.07.2021 | 18:00 Uhr

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