Stand: 15.06.2019 15:12 Uhr

"No. 5 Elbe": Video zeigt Moment vor Kollision

Die Kollision des Lotsenschoners "No. 5 Elbe" mit einem Containerschiff am vergangenen Wochenende könnte durch den Fehler eines Rudergängers an Bord des historischen Schiffes verursacht worden sein. Das legt die Auswertung von Videoaufnahmen nahe, die im Internet veröffentlicht wurden.

Fatales Manöver

Das offenkundig an Bord des Lotsenschoners aufgenommene Video zeigt die "No. 5 Elbe" auf der nördlichen und damit falschen Fahrwasserseite hoch am Wind stromaufwärts segeln, bereits auf Kollisionskurs mit dem Frachter. Kurz vor dem Unfall ist das Kommando "hart Backbord" zu hören - das einzig richtige Kommando, um dem Frachter noch auszuweichen. Die Personen an der mächtigen Pinne des Lotsenschoners aber schieben die Pinne in die falsche Richtung und lenken damit das historische Holzschiff direkt vor den Bug des Frachters. Ein fataler Fehler. Bei der Kollision wurde die "No. 5 Elbe" so schwer beschädigt, dass sie später in der Mündung des Flusses Schwinge sank.

Bergung nicht vor kommender Woche

Eine spanische Firma hat am Freitagabend mit den Vorbereitungen zu den Bergungsarbeiten begonnen. Taucher versuchten, Gurte unter dem Kiel des 37 Meter langen Schiffes durchzuziehen. An ihnen sollen Luftsäcke befestigt werden, die das Schiff dann anheben sollen. Dann soll es nach Hamburg gebracht werden. Die Bergung an sich soll nicht vor kommender Woche stattfinden, das hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Hamburg entschieden.

In den vergangenen Tagen hatten die Stiftung Hamburg Maritim und Vertreter der Versicherung mehrere Konzepte und Angebote von Bergungsfirmen geprüft. Mit der jetzt gewählten Methode werde der historische Holzrumpf am meisten geschont, sagte Stiftungsvorstand Joachim Kaiser.

Saniert, gesunken und gehoben: Das Drama um die "No. 5 Elbe"

Der Segler war am Sonnabend auf der Elbe auf Höhe Stadersand mit dem Containerschiff kollidiert und später gesunken. Acht Menschen wurden verletzt, inzwischen sind alle wieder aus den Krankenhäusern entlassen. Die Hamburger Polizei ermittelt gegen den Kapitän des Seglers.

Traditionssegler erst kürzlich restauriert

Der Lotsenschoner war gerade erst für rund 1,5 Millionen Euro aufwendig saniert worden und Ende Mai nach Hamburg zurückgekehrt. Er hat eine äußerst bewegte und bewegende Geschichte. Gebaut 1883 bei der Stülcken-Werft in Hamburg, diente das Schiff mehrere Jahrzehnte dazu, Lotsen in der Nordsee an Bord der einlaufenden Schiffe zu bringen - und wieder zurück. Nach der Außerdienststellung wurde die "No. 5 Elbe" in den 1920er-Jahren in die USA verkauft, diente dem Autor und Abenteurer Warwick Tompkins und seiner Familie als schwimmendes Zuhause. Seit 2002 war der Lotsenschoner wieder in Deutschland und nahm bei Tagestörns auch Gäste mit an Bord.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.06.2019 | 15:00 Uhr

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