Stand: 17.05.2018 22:00 Uhr

Neue G20-Foto-Fahndung: Erste Identifizierungen

Nach dem Start einer zweiten Öffentlichkeitsfahndung zu den Krawallen beim G20-Gipfel in Hamburg hat die Hamburger Polizei acht Verdächtige identifiziert. Gut zehn Monate nach den Ausschreitungen hatten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch Fotos von 101 mutmaßlichen G20-Gewalttätern im Internet veröffentlicht. Den unbekannten Verdächtigen werden schwere Straftaten wie gefährliche Körperverletzung, schwerer Landfriedensbruch oder Plünderung vorgeworfen. Das sagte Staatsanwalt Michael Elsner am Mittwoch. Polizeisprecher Timo Zill bat die Bevölkerung um Mithilfe bei der Identifizierung der Gesuchten.

Foto-Fahndung nach mutmaßlichen Straftätern

Im Dezember 2017 hatte die Polizei Hamburg bereits die bis dahin größte Öffentlichkeitsfahndung ihrer Geschichte gestartet. Sie suchte bundesweit mit Fotos nach Tatverdächtigen. 35 der 107 gesuchten Verdächtigen, also 33 Prozent, seien identifiziert worden, sagte Zill. Bei anderen Fahndungen dieser Art liege die Erfolgsquote bei fünf bis zehn Prozent.

Die Verdächtigen, nach denen jetzt gefahndet werde, seien meistens Mehrfachstraftäter, die sowohl für Flaschenwürfe als auch für Plünderungen oder Körperverletzungen verantwortlich seien, sagte Zill. "Wir haben Videomaterial in HD-Qualität, das einen hinreichenden Tatverdacht belegt", so Zill. Nach 91 Verdächtigen wird mittlerweile auch europaweit in 15 Ländern gefahndet, darunter Italien, Spanien, Schweden, Dänemark, Polen, die Niederlande und die Schweiz.

Polizei geht von bis zu 6.000 Tätern aus

Die Polizei schätzt, dass in den drei Tagen vom 6. bis zum 8. Juli 2017 zwischen 5.000 und 6.000 Täter aktiv waren, die am Rande des Gipfels vor allem im Hamburger Schanzenviertel Geschäfte geplündert und Brände gelegt haben sollen. Die Soko führt mehr als 3.200 Ermittlungsverfahren. Die Gerichte haben bereits mehr als 40 Täter verurteilt. Die Strafen reichen von Geldbußen bis zu dreieinhalb Jahre Haft.

Außerdem wurden bisher knapp 140 Verfahren gegen Polizisten geführt. Anklagen habe es laut Staatsanwaltschaft bisher aber nicht gegeben. Um die politische Aufklärung der Ereignisse kümmert sich ein Sonderausschuss der Bürgerschaft, der am Donnerstag getagt hat.

Kritik an der Öffentlichkeitsfahndung

Schon die bundesweite Öffentlichkeitsfahndung war umstritten: Christiane Schneider von der Linksfraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft hatte sich beispielsweise beschwert, dass den abgebildeten Personen durch die Veröffentlichung der Fotos lebenslange Stigmatisierung drohe - egal, ob sie verurteilt werden oder nicht. Denn das Internet vergesse nichts, die Fotos blieben für immer online. Die Staatsanwaltschaft betonte am Mittwoch, dass es bislang keinen Fall gebe, bei dem jemand zu Unrecht in die Öffentlichkeitsfahndung geraten sei.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) hatte die Veröffentlichung der Bilder im Dezember verteidigt. Erstmals könnten sich Täter noch Monate nach Krawallen nicht sicher fühlen, sagte Grote damals.

Weitere Informationen

G20-Foto-Fahndung: Ausweitung auf Europa

Die Öffentlichkeitsfahndung nach G20-Randalierern soll ausgedehnt werden. Auch im europäischen Ausland soll laut Hamburgs Innensenator Grote nach den Tätern gesucht werden. (02.02.2018) mehr

G20: 138 Verfahren gegen Polizisten

Nach dem G20-Gipfel im Juli 2017 in Hamburg sind bislang insgesamt 138 Ermittlungsverfahren gegen Polizisten geführt worden. Den meisten von ihnen wird Körperverletzung im Amt vorgeworfen. (16.03.2018) mehr

Bislang 43 Urteile wegen G20-Krawallen

In Hamburg gab es bislang 43 Urteile wegen der Ausschreitungen beim G20-Gipfel. 26 Entscheidungen sind rechtskräftig. Die Polizei will die Öffentlichkeitsfahndung ausweiten. (10.02.2018) mehr

Kommentar: G20-Foto-Fahndung ist richtig

Die Hamburger Polizei hat die Bilder von über 100 mutmaßlichen G20-Gewalttätern veröffentlicht und damit eine bundesweite Debatte ausgelöst. Ein Kommentar von Anette van Koeverden. (23.12.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.05.2018 | 08:00 Uhr

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