Neue Corona-Einschränkungen: Gastronomen entsetzt

Stand: 29.10.2020 12:42 Uhr

Nach den Beschlüssen der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Verschärfung der Corona-Einschränkungen betont die Gastronomie, dass eine Schließung viele Betriebe gefährden werde.

Von Hamburger Gastronomie-Betreibern und -Betreiberinnen heißt es, ihre schlimmsten Befürchtungen hätten sich erfüllt. Die Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel warnt bereits vor einer Pleitewelle. Stand Ende Oktober seien allein in Hamburg mehr als 15 Prozent der Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés insolvenzgefährdet, heißt es in einer aktuellen Analyse.

Hotel- und Gaststättenverband übt Kritik

Franz Klein vom Hamburger Hotel- und Gaststättenverband Dehoga kritisierte, dass die Gastronomie für etwas erhalten muss, für das sie nichts könne. Er verwies im Gespräch mit NDR 90,3 auf die Einschätzung des Robert Koch-Instituts, wonach private Feiern und nicht Restaurantbesuche für die Corona-Verbreitung verantwortlich seien. Der kleine Aufschwung in den vergangenen Monaten sei nun dahin und der Lockdown im November ein herber Rückschlag. Auch für Dezember erwartet Klein zahlreiche Stornierungen. Die angekündigten Hilfen für Betroffene der neuen Corona-Einschränkungen sollten schnell umgesetzt werden, forderte er.

"Kein Verständnis"

"Ich bin tief betroffen von diesem zweiten Lockdown für die Gastronomie. Dafür habe ich kein Verständnis, denn unsere Branche ist nicht schuld daran, dass die Zahl der mit Corona infizierten Menschen so stark steigt", sagte Dirk Block dem "Hamburger Abendblatt". Er betreibt sieben "L'Osteria"-Restaurants in Norddeutschland. Gemeinsam mit führenden Vertretern der Branche, darunter auch TV-Koch Tim Mälzer, hatte er noch einen "Brandbrief" an Kanzlerin Merkel geschrieben. Ähnlich äußerte sich der Hamburger Zwei-Sterne-Koch Karlheinz Hauser und sprach von einer "völlig überzogenen Entscheidung". "Bullerei"-Betreiber Mälzer gab sich kämpferisch. "Wir geben uns (...) nicht so leicht geschlagen und werden, mit der üblichen Bullerei Power, auch durch diese Zeit kommen", schrieb er bei Facebook.

Restaurants und Kneipen sollen ab Montag schließen

Nach den Beschlüssen von Länder-Chefs und Kanzlerin Merkel gelten von Montag an scharfe Beschränkungen des öffentlichen Lebens - ähnlich wie im Frühjahr. Restaurants und Kneipen sollen für mindestens einen Monat wieder schließen - genauso wie Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo- und Fitnessstudios und Kinos. Veranstaltungen werden gestrichen und Zuschauerinnen und Zuschauer in der Bundesliga wieder verboten. Offen bleiben sollen Schulen, Kindergärten, der Groß- und Einzelhandel und Friseurläden.

Kontaktbeschränkungen gelten in Hamburg schon

Die ebenfalls beschlossenen Kontaktbeschränkungen gelten in Hamburg bereits seit Montag: Im privaten Bereich, auf der Straße und in der Gastronomie dürfen sich nur noch maximal zehn Menschen aus zwei Haushalten treffen. Ausnahmen bei der Zahl der Haushalte gibt es nur für sogenannte Patchworkfamilien und für Kinder unter zwölf Jahren.

Sondersitzung des Senats am Freitag

Für Freitag ist eine Sondersitzung des Senats zur Umsetzung der Beschlüsse anberaumt. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte nach der Videokonferenz mit Merkel und den Länderkollegen: "Wir haben alle gemeinsam diese Beschlüsse gefasst." Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) betonte: "Wir werden die (...) Beschlüsse in Hamburg umsetzen und - mit Unterstützung des Bundes - gleichzeitig denjenigen helfen, die in finanzielle Schwierigkeiten geraten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.10.2020 | 14:00 Uhr

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