Stand: 26.03.2020 11:19 Uhr  - NDR 90,3

Neue Bohrungen nach Dioxinfunden in Boberg

Vor etwa eineinhalb Jahren, im Sommer 2018, wurde in der Boberger Niederung krebserregendes Dioxin im Boden gefunden. Nun prüft die Hamburger Umweltbehörde mit tieferen Bohrungen, wie weit der giftige Stoff ins Erdreich gelangt ist.

Neue tiefere Bohrungen geplant

Die verseuchte Fläche in dem Naturschutzgebiet ist ungefähr vier Hektar groß. Das haben Testbohrungen in bis zu 60 Zentimetern Tiefe gezeigt, sagte die Umweltbehörde im Gespräch mit NDR 90,3. Die neuen, tieferen Bohrungen sollen nun zeigen, wie viel von der verseuchten Erde ausgetauscht werden kann. Denn wenn das Gift tiefer als zwei Meter in den Boden eingedrungen ist, ist ein Austausch laut Behörde zu teuer. Dann bleibe das Dioxin im Boden und werde mit sauberer Erde abgedeckt. In manchen Bereichen der belasteten Fläche werde es darauf hinauslaufen, teilte ein Sprecher der Umweltbehörde mit.

Bohrungen sind für April geplant

Die neuen Bohrarbeiten sollen im April starten. Wenn die Ergebnisse da sind, können auch die Kosten der Sanierung berechnet werden. Die Stadt will dann weiter mit dem Pharma-Konzern Boehringer verhandeln, der die Sanierung nach dem Willen der Umweltbehörde bezahlen soll. Die Stadt geht davon aus, dass das Dioxin aus einer ehemaligen Boehringer-Fabrik stammt.

900 Proben im Labor

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Mitarbeiter einer Spezialfirma nehmen im Sommer 2018 in Schutzanzügen Proben im Naturschutzgebiet Boberger Niederung.

Im Januar hatten die Hamburger Behörden Entwarnung gegeben. Es gebe keine großflächige Problematik mit hochgiftigen Stoffen, sagten Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) und Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) damals. Die Auswertung von 900 Bodenproben hatte demnach ergeben, dass in dem Gebiet um die Fundstelle herum keine Dioxin-Belastung besteht. An dem Fundort selbst liege der gemessene Wert aber deutlich über den gültigen Grenzen. Darum sei eine Sanierung unvermeidbar.

Dioxin durch routinemäßige Proben entdeckt

In dem Naturschutzgebiet war bei einer routinemäßigen Bodenprobe eine um das 700-fache des zulässigen Grenzwerts überhöhte Belastung mit dem hochgiftigen Stoff entdeckt worden. Die Stadt hatte ein vier Hektar großes Gebiet absperren und die Proben nehmen lassen. Das Gebiet ist noch immer gesperrt.

Die Hamburger Behörden gehen weiterhin davon aus, dass der Dioxin-Fund am Bahndamm aus der damaligen Pflanzenschutzmittel-Produktion von Boehringer stammt. Wie mögliche Abfälle dort hingekommen seien, bleibe unklar. Die Umweltbehörde sei in Gesprächen mit dem Unternehmen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.03.2020 | 09:00 Uhr

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