Stand: 26.04.2020 08:48 Uhr  - Hamburg Journal

Naturschutzgebiete leiden in der Corona-Krise

Weil die Freizeitgestaltung wegen der Corona-Krise stark eingeschränkt ist, bleibt vielen Hamburgerinnen und Hamburgern derzeit nur der Spaziergang in der freien Natur - die hat wegen des plötzlichen Ansturms das Nachsehen. Im Naturschutzgebiet Boberger Niederung zwischen Bille und Bergedorfer Straße befindet sich Hamburgs letzte Wanderdüne. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Umweltbehörde, sowie Mitglieder der Loki Schmidt Stiftung und von Umweltschutzverbänden gehen dort jetzt Patrouille. Täglich sind mehrere Teams unterwegs, um Verstöße zu unterbinden.

"Erklären, warum Regeln wichtig sind"

Es sei nicht nur wichtig, Verbote auszusprechen, sagt Karen Elvers von der Loki Schmidt Stiftung. "Es geht auch darum, zu erklären warum es so wichtig ist, dass wir uns an gewisse Regeln halten. Hunde etwa müssten im Naturschutzgebiet grundsätzlich an die Leine - auch wenn sie noch so gehorsam sind. In der Boberger Niederung würde derzeit die Heidelerche brüten, so Elvers. Diese sei ein Bodenbrüter und verlasse jedes Mal, wenn ein Hund vorbeikomme, ihr Nest und gebe das Nest irgendwann auf.

Zwischen den Dünen wurden flache Teiche als Laichstätten für die geschützte Kreuzkröte angelegt. Neuerdings werden sie durch Zäune geschützt, seither verirren sich weniger Familien dorthin.

Balance zwischen Naturschutz und Vergnügen

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Getrud Utrecht, die sich ehrenamtlich für den Naturschutzdienst Boberg engagiert, erklärt Gästen, wie wichtig die Einhaltung von Regeln im Dünengebiet ist.

Man habe in dem Gebiet ein schwierige Balance zwischen dem Naturschutz und dazwischen, den Menschen das Vergnügen zu lassen, erklärt Gertrud Utrecht. Sie engagiert sich ehrenamtlich für den Naturschutzdienst Boberg. Es sei wichtig, die Menschen darüber zu informieren, "dass es zwar eine wunderschön große Sandkiste ist, aber dass in dieser Sandkiste eben ganz viel Natur ist", sagt Utrecht. So haben beispielsweise die Ringelnattern in dem Gebiet gerade Nachwuchs bekommen.

Viele Gäste sind einsichtig

Mit ihrer Aufklärungsarbeit wollen die Umweltschützerinnen und Umweltschützer verhindern, dass Natur und Tiere dem Besucheransturm zum Opfer fallen. Deshalb werde zum Beispiel auch der Aufbau von Zelten oder Windschutz-Konstruktionen von Anfang an unterbunden, so Karen Elvers von der Loki-Schmidt-Stiftung. Die Gespräche mit den Dünengästen seien meistens konstruktiv. Man könne aber auch die Polizei hinzu rufen, erklärt Naturschutzwart Rainer Beling, "wenn die Zeit hat, kommt sie". Aber das Beste sei, die Leute grundsätzlich so zu sensibilisieren, dass sie verantwortungsvoll mit der Natur umgehen.

Weitere Informationen

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Orchideen unter freiem Himmel und Dünen wie am Meer in Hamburg? Ein Ausflug in das Schutzgebiet Boberger Niederung zeigt, wie die Natur in der Großstadt Nischen findet. mehr

Neue Bohrungen nach Dioxinfunden in Boberg

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.04.2020 | 19:30 Uhr

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