Ein Schild weist eine Tempo 30 Zone aus. © picture alliance/dpa/Daniel Karmann Foto: Daniel Karmann

Nächtliches Tempo 30: BUND kritisiert Lärmschutzpläne

Stand: 10.07.2021 07:18 Uhr

Viel zu spät und viel zu wenig. So kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Lärmschutzpläne des Senats. Die sehen unter anderem vor, dass auf 85 viel befahrenen Straßenabschnitten nachts Tempo 30 eingeführt werden soll.

Flächendeckend Tempo 30 wie es zum Beispiel in Paris ab September gilt - das wäre gut, heißt es beim BUND Hamburg. Aber hier haben die Behörden offensichtlich kein Interesse, die Bevölkerung vor Lärm zu schützen", sagt Martin Mosel, stellvertretender Chef der Umweltorganisation. In der sechsseitigen Stellungnahme zum Lärmaktionsplan listet der BUND noch weitere Vorschläge auf: Verstärkt Flüsterasphalt einsetzen, das Anwohnerparken ausweiten und eine gestaffelte Gebühr einführen, sodass Haushalte für den Zweitwagen mehr zahlen müssen, als für den ersten Parkausweis.

Auch ein weiterer Ausbau der U-Bahnlinien 2 bis Glinde und der U4 zum einen nach Jenfeld zum anderen nach Wilhelmsburg werden vorgeschlagen. Denn weniger Autopendlerinnen und -pendler führen auch zu weniger Lärm. Aber nicht nur auf den Straßen sondern auch in den Behörden müsse sich etwas ändern, schreibt BUND-Chefin Christiane Blömeke. Geht es zum Beispiel um die Einführung von Tempo 30-Abschnitten reden gleich drei Behörden mit: Umwelt, Innen und Verkehr. Da müsse man behördenübergreifend einfach besser zusammenarbeiten.

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hatte im Mai erklärt, dass zu viele Menschen in Hamburg nachts von Lautstärken über 55 Dezibel betroffen seien. Schuld sei in erster Linie der Autoverkehr. Darum stellte Kerstan einen neuen Lärmaktionsplan vor: Dieser sieht drei zentrale Punkte vor: Einführung von Tempo 30-Abschnitten, Reduzierung des Fluglärms und "Ruhige Gebiete". Da die Hauptlärmquelle der Straßenverkehr sei, soll auf insgesamt 85 neuen Abschnitten in der Nacht Tempo 30 eingeführt werden. Zwischen 22 und 6 Uhr früh soll es dann ruhiger werden.

Lärm wird um drei Dezibel verringert

Mit der massiven Ausweitung von Tempo 30 nachts schaffe der Senat eine spürbare Verbesserung für mehr als 35.000 Hamburgerinnen und Hamburger. Die Reduzierung des Verkehrstempos soll den Lärm um drei Dezibel verringern, was von der Wirkung her der Halbierung der Verkehrsstärken entspreche.

Und da wo es schon ruhig ist, soll es auch ruhig bleiben: Insgesamt 41 Wald- und Forstgebiete, Friedhöfe und Grünanlagen wurden in den Lärmaktionsplan als besonders schützenswert aufgenommen.

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Zwei Pkw fahren an einem Tempo-30-Schild vorbei. © Picture Alliance Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Hamburg plant nächtliches Tempo-30-Limit für 85 Hauptstraßen

In vielen Gebieten soll nachts Tempo 30 gelten, damit es leiser wird. Am neuen Lärmaktionsplan gibt es aber viel Kritik. (26.05.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.07.2021 | 06:30 Uhr

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