Stand: 22.09.2019 08:00 Uhr

Nach der Flucht zur Freiwilligen Feuerwehr

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Eine klassische Übung: Mohammad (links) probt die Herzdruckmassage.

Mohammad aus Syrien ist noch relativ neu in der Truppe. Seit einem Jahr engagiert er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bergedorf. Eine klassische Übung: Eine menschliche Puppe muss aus einem verrauchten Keller befreit werden. Mohammad nähert sich der Tür, aus der Rauch quillt. Dann läuft er zurück zum Feuerwehrauto. Seine Aufgabe: Er muss sich um die Versorgung des Geretten kümmern. Er holt einen Koffer aus dem Wagen: "Das ist der Sanitäterkoffer. Damit kann man die Patienten behandeln. Mal gucken, wie es weitergeht", sagt er und geht zurück zur Übung.

Spaß am Hobby

Alle 14 Tage wird geübt, damit im Notfall alles funktioniert. Seine Kameraden unterstützen Mohammad und üben mit ihm auch mal Fach-Vokabeln. "Er ist noch nicht so lange dabei, aber man merkt, dass er Spaß gefunden hat an dem Hobby. Er muss halt noch viel lernen, aber er bringt sich gut ein", sagt eine Feuerwehr-Kollegin.

Bei der Feuerwehr Freunde gefunden

Mohammad ist bei der "verletzten" Puppe angekommen. "Hallo?", fragt er. Und sagt dann zu seinem Kollegen: "Patient ist bewusstlos." Dann beginnt er mit einer Herzdruckmassage. Vor allem die vielen neuen Kontakte sind für den 28-Jährigen wichtig. Beruflich macht er gerade eine Ausbildung zum Elektriker. Bei der Feuerwehr hat er Freunde gefunden. "35 Kameraden, alle bereit, den Menschen zu helfen und sie zu retten. Das hat mir sehr gefallen, das ist toll", sagt Mohammad.

Feuerwehr Ehrenamt.

Vereine werben für Ehrenamt bei Geflüchteten

Hamburg Journal -

Beim Dialog der Kulturen in Bergedorf werden Geflüchtete informiert, wie sie sich ehrenamtlich engagieren können. Eine Win-Win-Situation, von der auch die Geflüchteten profitieren.

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Von Mohammads ehrenamtlichen Engagement profitieren beide Seiten. "Im Einsatzfall, wenn man mal mit der Sprache nicht weiterkommt, kann er uns mit Arabisch definitiv weiterhelfen. Aber auch durch sein Engagement ist er eine wesentliche Säule für die Wehr", sagt sein Kollege Florian Hartart.

Der einzige Geflüchtete

Bei der Freiwilligen Feuerwehr in Bergedorf ist Mohammad der einzige Geflüchtete. Eigentlich hätte die Feuerwehr mehr Bedarf an freiwilligen Helfern. Deswegen macht sie Werbung in der Flüchtlingsunterkunft am Gleisdreick. Auch Mohammad ist da und zeigt, was er gelernt hat. "Willst du das Auto kennenlernen", fragt er einen kleinen Jungen und zeigt auf das Feuerwehrauto. Der Junge nickt und Mohammad zeigt ihm, wie ein Schlauch funktioniert. Es geht darum, Interesse zu wecken.

Leiter hoch trotz Höhenangst

Zurück in der Feuerwehrwache. Bei manchen Übungen muss sich Mohammad noch überwinden. Auf der wackligen Leiter darf er seine eigene Sicherheit nicht gefährden. Er hat aber etwas Höhenangst. Doch es hilft nichts. "Leiter gesichert", ruft ihm von oben ein Kollege zu: "Mohammad, du kannst aufsteigen." Obwohl er sich am Boden wohler fühlt - überwindet Mohammad auch mal seine Grenzen. "Das ist ein tolles Gefühl. Ich kann das nicht beschreiben", sagt er, als er oben angekommen ist. Mohammads großer Traum: In ein paar Jahren würde er gerne bei der Berufsfeuerwehr anfangen.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 21.09.2019 | 19:30 Uhr

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