Stand: 26.01.2020 12:15 Uhr  - Hamburg Journal

Nach Vorwürfen: Tierheim geht in die Offensive

von Heiko Sander

Nach den jüngsten Vorwürfen versucht das Hamburger Tierheim aus der Defensive zu kommen und ruft dazu den Deutschen Tierschutzbund zur Hilfe, der sich vor Ort selbst ein Bild von den Zuständen machen soll.

Am vergangenen Mittwoch hatten Amtsveterinäre das Tierheim einer Großkontrolle unterzogen. Laut Bezirksamt Hamburg-Mitte seien dabei diverse Mängel in der Hygiene festgestellt worden. Unter anderem seien an einem Hautpilz erkrankte Katzen gemeinsam mit gesunden Katzen gehalten worden.

Tierheim weist Vorwürfe zurück

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Mehrere Peterwagen standen bei der Durchsuchung am Mittwoch vor dem Tierheim Süderstraße.

Die Leiterin des Tierheims, Susanne David, wies das im Interview mit dem NDR Hamburg Journal zurück. Die Tiere seien zwar im selben Raum, aber nicht in den selben Gehegen gehalten worden. Es handele sich um eine sehr häufige Erkrankung, die keine größeren Vorsichtsmaßnahmen wie eine echte Quarantäne wie bei einer Seuchengefahr erfordere. Lediglich direkter Hautkontakt sei zu vermeiden. "Halter, die mit einer Pilzerkrankung ihrer Katze zum Tierarzt kommen, erhalten Tabletten und den Hinweis, das Tier nicht im direkten Körperkontakt mit anderen Tieren zu halten und sich selbst nach Hautkontakt die Hände zu desinfizieren."

Der Hamburger Tierschutzverein, der das Tierheim im Auftrag der Freien und Hansestadt Hamburg betreibt, war in den vergangenen Jahren wiederholt in die Negativschlagzeilen geraten. Mehrere Mitarbeiter und Vereinsmitglieder hatten über Intrigen und Mobbing vonseiten der Tierheimleitung geklagt. Der Vereinsvorstand reagiere auf interne Kritik mit Kündigungen und Vereinsausschlüssen. Der Vorstand bestreitet das vehement und beklagt sich seit Jahren über Behördenwillkür der Amtsveterinäre.

"Mehr als 20 Kontrollen in den letzten Jahren"

Zahlreiche Vorfälle sind inzwischen Gegenstand von laufenden oder abgeschlossenen Gerichtsverfahren. Erst im Dezember hatte das Verwaltungsgericht dem Bezirksamt Mitte weitgehend recht gegeben: Die behördlichen Kontrollen im Tierheim seien nicht schikanös. Der Tierschutzverein hat Rechtsmittel eingelegt. Der Rechtsanwalt des Vereins, Timo Hohmuth, sagte dem NDR Hamburg Journal, es habe im vergangenen Jahr mehr als 20 Kontrollen gegeben, davon rund die Hälfte unangekündigt. Das sei mehr als in jedem anderen Tierhaltungsbetrieb. In dem umstrittenen und inzwischen geschlossenen Tierversuchslabor LPT habe es dagegen nur eine Kontrolle gegeben.

Das Tierheim wehrt sich auch gegen den Verdacht, die fachgerechte Versorgung von Tieren sei aufgrund einer Überbelegung beziehungsweise Personalnot nicht mehr gewährleistet. Das Bezirksamt geht entsprechenden anonymen Hinweisen nach. Es bestätigt aber auf Nachfrage des NDR Hamburg Journal, dass es keinen genau vorgeschriebenen Personalschlüssel gebe. Ehemalige Mitarbeiter hatten von Überlastung berichtet - auch aufgrund eines hohen Krankenstandes.

Tierheim: Personal reicht aus

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"Man stellt uns wie Schwerverbrecher dar. Das ist absurd", sagte Tierheim-Chefin Susanne David.

Tierheim-Leiterin David sagt, man verfüge über ausreichend Personal und der Krankenstand sei derzeit niedrig. Außerdem seien derzeit nicht sehr viele Tiere im Tierheim. Die Belegung werde zudem wöchentlich auf der Homepage veröffentlicht. "Gehen Sie mal in einen Schweinemastbetrieb. Da sind drei Mitarbeiter für 7.000 Tiere verantwortlich. Wir versuchen hier nach besten Wissen und Gewissen Tierschutz zu machen und man stellt uns wie Schwerverbrecher dar. Das ist absurd", so David. Es werde vonseiten der Amtsveterinäre regelrecht nach Fehlern gesucht, sagte der Anwalt des Tierschutzvereins.

Dem NDR Hamburg Journal liegt eine behördliche Akte vor, deren Vorgänge mehrere Jahre zurückreichen. Es ist ein Dokument eines fast undurchschaubaren Zerwürfnisses zwischen den zuständigen Amtsveterinären und dem Tierschutzverein. Dokumentiert sind darin viele festgestellte Verstöße und Anordnungen, um deren Relevanz oder Sinnhaftigkeit dann häufig ein Streit entbrennt. "Wenn unserer Veterinäre vor Ort Vorschläge machen, wie etwas verbessert werden kann, dann sollte man kooperieren", sagte Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirksamts. Man sei an einer guten Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein interessiert und solle zur Sachebene zurückkehren.

Tierheim klagt wegen Durchsuchung

Derzeit verklagt der Tierschutzverein die Amtsveterinäre. Er hält das eigenmächtige Betreten des Geländes für unzulässig. Das Gelände gehört übrigens der Stadt. Für die amtliche Tierunterbringung erhält er jährlich mehr als zwei Millionen Euro Steuergeld. In Kreisen der Politik gibt es inzwischen Überlegungen, ob man diese Aufgabe nicht zukünftig öffentlich ausschreiben sollte.

Weitere Informationen

Durchsuchung in Hamburger Tierheim

Ist das Hamburger Tierheim in der Süderstraße überbelegt? Nach anonymen Anzeigen und Hinweisen hat es jetzt eine Durchsuchung durch mehrere Tierärzte des Bezirksamts Hamburg-Mitte gegeben. (22.01.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 25.01.2020 | 19:30 Uhr

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