Stand: 10.09.2020 14:12 Uhr

NABU: Keine Klimaschutz-Strategie bei Kreuzfahrt-Reedereien

Abgase aus dem Schornstein des Kreuzfahrtschiffes "Alexander von Humboldt". © picture alliance / dpa Foto: Hinrich Bäsemann
Der NABU bemängelt zu geringe Umweltschutzbemühungen bei den Kreuzfahrt-Reedereien.

Den großen Kreuzfahrt-Reedereien fehlt nach Einschätzung des Naturschutzbundes NABU eine Strategie, um in überschaubarer Zeit ohne klimaschädliche Emissionen unterwegs zu sein. Die Hälfte von 18 befragten Reedereien auf dem europäischen Markt habe sich zwar zu den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens bekannt, aber daraus keine nachvollziehbare Strategie entwickelt, teilte der NABU am Donnerstag in Hamburg mit. Lediglich einzelne Unternehmen wie der französische Luxus-Anbieter Ponant und die Rostocker Reederei Aida Cruises hätten mit der Entwicklung entsprechender Antriebe begonnen oder sie teilweise in Pilotprojekten zum Einsatz gebracht.

Deutsche Anbieter im oberen Drittel

Im neuen NABU-Kreuzfahrtranking belegte die französische Expeditionsreederei Ponant den Spitzenplatz in Sachen Umweltschutzbemühungen. Sie verzichtet seit 2019 auf Schweröl, fährt Schiffe mit Elektro-Hybridantrieb sowie mit Segeln und Flüssiggas (LNG). LNG nutzt auch Aida Cruises bei mehreren Schiffen, zudem wird Landstrom eingespeist. Das brachte der Reederei Platz zwei. Die deutschen Anbieter TUI Cruises und Hapag-Lloyd-Cruises landeten bei der Bewertung der Reedereien durch den NABU im oberen Drittel.

Traumschiff-Reederei am Ende des Rankings

Am Ende des Rankings befindet sich Phoenix Reisen. Die Flotte der Reederei ist laut NABU weit von allen Klimaschutzzielen entfernt. Zu ihr gehört unter anderem das ZDF-Traumschiff "Amadea". Weil derzeit wegen der Corona-Pandemie viele Schiffe stillgelegt sind, blickte der NABU in diesem Jahr bei seinem Ranking jedoch erstmals nicht auf einzelne Schiffe.

Kreuzfahrt-Verband: Investitionen in Umwelttechnologie

Der NABU fordert von den Reedereien, dass in zehn Jahren das erste emissionsfreie Kreuzfahrtschiff unterwegs ist. Zuvor sollten mehr Hybridmotoren oder auch Brennstoffzellen im Einsatz sein. Die Reaktion der Kreuzfahrtbranche: Der Verband CLIA verweist auf rund 27 Milliarden Euro, die trotz Corona-Krise in Umwelttechnologien investiert wurden oder werden. Damit habe man weltweit eine führende Rolle bei sauberen maritimen Lösungen, hieß es.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.09.2020 | 14:00 Uhr

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