Stand: 10.11.2017 12:40 Uhr

Mordanklage nach Messerangriff in Barmbek

Mehr als drei Monate nach dem tödlichen Messerangriff in einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek hat die Bundesanwaltschaft einen 26-Jährigen wegen Mordes und versuchten Mordes angeklagt. Die Ermittler werfen dem Palästinenser Ahmad A. vor, einen Menschen heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet zu haben, wie die Karlsruher Behörde am Freitag mitteilte.

Keine Hinweise auf IS-Mitgliedschaft

Anhaltspunkte für die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung - etwa der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - oder die Beteiligung weiterer Täter sieht die Bundesanwaltschaft nicht. Aber: "Seine Taten wollte der Angeschuldigte im Kontext islamistischer Anschläge wahrgenommen und mithin als Beitrag zum weltweiten Dschihad verstanden wissen", erklärte die Anklagebehörde. Deshalb handele es sich um "eine staatsschutzspezifische Tat von besonderer Bedeutung".

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen habe Ahmad A. seine Opfer wahllos ausgesucht, stellvertretend als Vergeltung für das Unrecht, das aus seiner Sicht weltweit Muslimen zugefügt werde. Es sei ihm darauf angekommen, möglichst viele deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens zu töten.

Ein Toter, sechs Verletzte

Der abgelehnte Asylbewerber hatte sich am 28. Juli in einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek ein Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge gegriffen und unvermittelt einen Kunden angegriffen. Der 50-Jährige starb noch am Tatort. Anschließend stach er einen weiteren Kunden nieder, der später nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Beim Verlassen des Marktes habe drei weitere Menschen mit dem Messer attackiert. Anschließend habe er noch eine vorbeifahrende Radfahrerin und eine ihm entgegenkommende Passantin angegriffen. Passanten verfolgten den Attentäter, bis ihn Zivilpolizisten schließlich festnehmen konnten.

Prozessbeginn im Januar?

Sofern die Anklage vom Gericht zugelassen wird, könnte der Prozess im Januar beginnen, hieß es von der Gerichtspressestelle in Hamburg. Zuständig wäre einer der beiden Staatsschutzsenate am Hanseatischen Oberlandesgericht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.11.2017 | 12:00 Uhr

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