Stand: 20.02.2020 19:41 Uhr  - NDR 90,3

Moorburg: Kohlekraft soll früher vom Netz

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Wirtschaftssenator Westhagemann, Bürgermeister Tschentscher und Bundesumweltministerin Schulze (v.l.n.r.) stellten die Ideen vor.

Die Hamburger SPD will das Kohlekraftwerk Moorburg deutlich schneller als bislang geplant abschalten. So sieht es eine Idee vor, die Bürgermeister Peter Tschentscher zusammen mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze (beide SPD) und Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Donnerstag in Hammerbrook vorgestellt hat.

Ein Block soll umgerüstet werden

Einer der beiden Blöcke des Kraftwerks soll nach dem Plan, den vor allem Wirtschaftssenator Westhagemann vorangetrieben hat, auf den Betrieb mit Gas umgerüstet werden, der zweite würde dann ganz abgeschaltet. Die CO2-Emissionen würden so auf einen Schlag halbiert, sagte Tschentscher. Auf dem Kraftwerksgelände soll eine Fabrik zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus Windkraft gebaut werden.

"Den Kohleausstieg beschleunigen"

Es sei eine Idee, die die Hamburger SPD in ihrem Regierungsprogramm indirekt erwähnt habe, sagte Tschentscher. "Wir wollen den Kohleausstieg beschleunigen. Die jungen Leute wollen, dass wir vorangehen mit dem Klimaschutz." Er machte deutlich, dass bis zu einer Realisierung der Idee noch viele Schritte zu gehen sind. Erste Gespräche mit dem Kraftwerksbetreiber Vattenfall habe es bereits gegeben, die Hamburger SPD will nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben.

Normalerweise bis 2038 am Netz

Das Kraftwerk Moorburg besteht aus zwei Blöcken mit einer Leistung von jeweils gut 800 Megawatt und ist offiziell seit 2015 in Betrieb. Es ist eines der modernsten und effizientesten Kohlekraftwerke in Deutschland und soll eigentlich bis 2038 am Netz bleiben.

Grüner Umweltsenator: "Wenig konkret"

Mit dem Vorstoß überraschte die SPD kurz vor dem Ende des Wahlkampfes ihre Konkurrenten und auch ihren grünen Koalitionspartner. Ziemlich sauer reagierte deshalb Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). "Die Ideenskizze ist so wenig konkret, dass man kaum einschätzen kann, was realistisch ist und was davon reine Wunschvorstellung", sagte er. "Einen Tag vor dem Klimastreik und drei Tage vor der Wahl mit so einer Ideenskizze zu kommen, ist wenig überzeugend."

Der Energiekonzern Vattenfall erklärte zu dem Vorstoß der SPD, Moorburg sei das letzte kohlegefeuerte Kraftwerk im Konzern ohne Fernwärme und passe langfristig nicht zum Unternehmensziel. Der Konzern wolle ein fossilfreies Leben innerhalb einer Generation ermöglichen. Aus diesem Grund habe Vattenfall schon vor einiger Zeit einen Prozess eingeleitet, um Lösungen zu finden. Neben einem Brennstoffwechsel könne auch ein Verkauf nicht ausgeschlossen werden. Es brauche aber auch mutige Schritte von der Politik, um die Nutzung von Wasserstoff zu einem Erfolgsmodell zu machen. Zum Beispiel müsse erneuerbarer Strom von Umlagen befreit werden, damit die Erzeugung von grünem Wasserstoff wirtschaftlich darstellbar werde.

Was ist "grüner Wasserstoff"?

Wasserstoff ist keine Energiequelle wie Erdöl, Wind oder Sonnenenergie, sondern ein Energiespeicher. Von Natur aus kommt Wasserstoff nur in gebundener Form vor, etwa in Wasser oder Erdgas. Um das farblose chemische Element aus dieser Bindung abzuspalten, ist Energie notwendig. Für umweltfreundlichen "grünen Wasserstoff" werden erneuerbare Energien wie Solar­ oder Wind-Energie verwendet, um Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten (Elektrolyse).

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.02.2020 | 13:00 Uhr

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