Stand: 23.04.2018 07:24 Uhr

Moorburg: Fernwärme-Streit geht in nächste Runde

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Umweltsenator Jens Kerstan: "Diese Trasse hat jetzt keine Realisierungschance."

Die Hamburger Umweltbehörde zündet die nächste Eskalationsstufe gegen den Energieversorger Vattenfall: Damit keine Fernwärme vom Kohlekraftwerk Moorburg ins öffentliche Netz fließt, lässt sie den sogenannten Scopingtermin platzen. Der eigentlich für die diese Woche geplante Termin ist die erste Erörterung vor dem Planfeststellungsverfahren.

Kerstan: Keine Chance auf Grundstücke

Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) begründete das im Gespräch mit NDR 90,3 damit, dass die Fernwärmetrasse für Moorburg über Grundstücke der Hafenverwaltung laufen müsste - und dafür sähen seine Beamten keine Chance: "Die haben festgestellt, dass es die Hafenbehörde in der Vergangenheit abgelehnt hat, ihre Grundstücke an Dritte zur Verfügung zu stellen, weil sie diese für eigene betriebliche Zwecke brauchen. Insofern hat diese Trasse jetzt keine Realisierungschance."

Hamburgs Opposition spricht von einer Diskriminierung von Vattenfall. FDP-Fraktionschef Michael Kruse sagte: "Es wird zunehmend deutlich, dass Umweltsenator Kerstan nicht in der Lage ist, ein vernünftiges Konzept für die Fernwärme in Hamburg zu präsentieren. Alle Deadlines werden gerissen." Der Verzicht auf die Abwärme aus Moorburg verteuere die Fernwärme um 10 bis 40 Prozent, so Kruse. Der Verbraucher zahle 100 bis 400 Euro mehr im Jahr.

Vattenfall: Warum nicht vorhandene Wärmequellen nutzen?

Bislang wird das Kohlekraftwerk Moorburg fast nur für die Stromerzeugung genutzt. Die dabei entstehende Wärme wird weggekühlt. Es gibt Forderungen, diese Energie in das Hamburger Fernwärmenetz einzuspeisen. Die Umweltbehörde unter Senator Kerstan will hingegen einen ganz anderen Weg beschreiten, die Wärme komplett kohlefrei und mit erneuerbaren Energien erzeugen: Zum Beispiel mithilfe von Wärmepumpen und der Abwärme aus Industriebetrieben.

Wie wird das Kraftwerk Wedel ersetzt?

Im Kern geht es um die Frage, wie das alte Kohlekraftwerk Wedel ersetzt werden kann, das bislang einen Großteil der Hamburger Haushalte mit Wärme versorgt. 2022 soll es vom Netz gehen. Die Frage muss auch deshalb möglichst schnell geklärt werden, weil Hamburg bald Vattenfall die übrigen Teile seines Fernwärmenetzes abkaufen soll. So haben es die Hamburger im Volksentscheid 2013 entschieden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.04.2018 | 10:00 Uhr

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