Stand: 08.07.2020 20:00 Uhr  - NDR 90,3

Mit leeren Stühlen gegen den Stellenabbau bei Airbus

Mit einem bundesweiten Aktionstag hat die Gewerkschaft IG Metall am Mittwoch gegen den Stellenabbau beim Flugzeugbauer Airbus protestiert. Am Freitag hatte Airbus bestätigt, dass in Hamburg inklusive Buxtehude und Fuhlsbüttel 2.325 Arbeitsplätze wegfallen sollen. In Bremen geht es demnach um 445, in Stade um 365 und an weiteren Standorten um 40 Stellen. Als Zeichen des Protests gegen die Kürzungspläne stellte die Gewerkschaft am Mittwochmittag 2.000 Plastikstühle vor dem Haupteingang des Airbus-Werks in Finkenwerder auf - einige davon mit Fotos von Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern oder Kinderbildern versehen. In Hamburg-Finkenwerder und Fuhlsbüttel arbeiten der Gewerkschaft zufolge gut 14.600 Menschen.

IG Metall protestiert gegen Airbus-Stellenabbau

Hamburg Journal -

Mit einem Aktionstag hat die IG Metall gegen die Stellenstreichungen beim Flugzeugbauer Airbus demonstriert. Allein in Finkenwerder könnten 2.000 Beschäftigte ihre Jobs verlieren.

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100 Beschäftigte demonstrieren

Bei der Kundgebung sprachen Vertreter der IG Metall und Betriebsräte, rund 100 Beschäftigte demonstrierten am Standort. "Sichere Arbeit für alle" und "Erst Kurzarbeit, dann arbeitslos - nicht mit uns" war auf Plakaten und Bannern zu lesen. "Es gibt viele, viele Mittel, die wir noch anwenden können", sagte Peter Dräger, Vertrauensmann der IG Metall bei Airbus. "Der Arbeitgeber muss mit uns in die Gespräche gehen. Das ist bisher in dieser Tiefe noch nicht erfolgt", so Dräger.

Kundgebungen auch an anderen norddeutschen Standorten

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2.000 leere Plastikstühle stehen vor dem Werksgelände von Airbus in Finkenwerder - stellvertretend für die geplanten Stellenstreichungen.

Die IG Metall fordert, dass statt des Jobabbaus eine "Brücke in die Zukunft" gebaut wird, damit die für das Unternehmen wichtigen Fachkräfte auch nach der Krise wieder eingesetzt werden können. Proteste gab es auch an den Standorten Stade, Bremen, Nordenham, Varelsowie am Hauptsitz des Unternehmens, im französischen Toulouse. In Bremen protestierten nach gewerkschaftsangaben etwa 1.500 Menschen.

Gewerkschaften sehen Politik in der Pflicht

Die Arbeitnehmervertreter sehen im Zuge des geplanten Stellenabbaus bei Airbus auch die Politik gefordert. Mit einer Ausweitung des Kurzarbeitergeldes könne die Krise in der Luftfahrtbranche überbrückt und der geplante Abbau von Arbeitsplätzen reduziert werden, sind Gewerkschaften und Betriebsräte überzeugt. Von den norddeutschen Landesregierungen erwarteten die Beschäftigten, dass sie sich für die Arbeitsplätze und Standorte in der Branche stark machen.

Boeddinghaus: Kluge Lösungen für Standort Hamburg

Die Hamburger Linken-Fraktionschefin Sabine Boeddinghaus hatte im Sommerinterview mit NDR 90,3 kluge Lösungen für den Standort Hamburg angemahnt, damit es möglichst nicht zu Kündigungen kommt. "In der Verantwortung für die Beschäftigten muss da ein großes Gesamtpaket geschnürt werden. Es kann nicht sein, dass die Menschen jetzt in ihrer Existenz betroffen sind", sagte Boeddinghaus.

Bundesweit mehr als 5.000 Jobs in Gefahr

Airbus hatte zuletzt Druck auf die Bundesregierung gemacht. Wenn das Kurzarbeitergeld auf zwei Jahre verlängert werde, könne Airbus in Deutschland 1.500 der 5.100 gefährdeten Jobs in der Verkehrsflugzeugsparte erhalten, hatte Produktionschef Michael Schöllhorn gesagt. Staatliche Forschungsgelder für die Entwicklung umweltfreundlicherer Flugzeuge könnten weitere 500 Stellen sichern. Insgesamt sollen nach Angaben von Airbus in Deutschland 5.100 Stellen wegfallen. Weltweit will Airbus wegen der Corona-Krise 15.000 Stellen streichen und wegen der gesunkenen Nachfrage nach Flugzeugen die Produktion drosseln.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 08.07.2020 | 12:00 Uhr

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