Stand: 27.12.2017 19:11 Uhr

Mit Pappe und Klebeband die Welt verbessern

von Sven Barske

Weben ist seine Leidenschaft, doch Andreas Möller bleibt immer weniger Zeit dafür. Im Auftrag der Uno, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und anderer Organisationen reist der Hamburger Weber durch Asien und Afrika. Dort stellt er den "Flying8" vor, einen Webstuhl, an dem die Arbeit nicht nur erheblich schneller vorangeht, sondern auch leiser und weniger gesundheitsschädlich ist als bisher.

Professionell Weben mit einfachsten Mitteln

Ein Webstuhl für die Armen

Auf einer Reise kam ihm auch die Idee zu seiner Erfindung. In Äthiopien hatte er Kollegen getroffen, die ihm erzählten, dass sie sich einen neuen Webstuhl nur leisten können, wenn sie zu mehreren gemeinsam einen Kredit aufnehmen. "Für einen Webstuhl von einer großen Firma zahlt man locker 3.000 bis 6.000 Euro", erklärt Möller. "Das Material für meinen kostet in einem deutschen Baumarkt keine 200."

Seit 40 Jahren webt er, und fast genauso lang macht er sich Gedanken darüber, wie man diese Arbeit verbessern könnte. Jetzt hat er alle Ideen für ergonomischeres und effizienteres Weben systematisiert und einen Webstuhl entwickelt, in dem sie umgesetzt werden.

Pappe und Klebeband als Material

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Hauptsache es funktioniert! Schickes Design spielt bei Möllers Webstühlen keine Rolle.

Vier Exemplare des "Flying8" stehen in Möllers Ladenwerkstatt in Hamburg-Altona. Laienhaft zusammengezimmert sehen sie aus - aus schäbigen Fichtenlatten. "Ich nehme immer das billigste Holz, das ich finden kann und schleife das nur ein bisschen ab. Andere Teile sind aus Pappe geschnitten. Die hat den Vorteil, dass sie leicht ist, überall verfügbar und vor allem leise im Webprozess," sagt der Weber. "Und dann brauche ich noch Klebeband und einen kräftigen Bindfaden, und damit juckel ich die ganze Sache zusammen." An der Seite der Webstühle baumeln die Webgewichte: alte, zerbrochene Backsteine.                     

Eine bewusst einfache Konstruktion

Die Idee hinter dem "Flying8" ist ein Arbeitsgerät anzubieten, das sich auch der ärmste Weber in Asien oder Afrika leisten kann, ohne sich auf Lebenszeit zu verschulden. Und das er selbst herstellen kann. "Die Konstruktion ist so simpel, dass sie auch jeder Nicht-Tischler bauen kann", sagt Möller. Wie man das macht, erklärt er in Workshops rund um die Welt. In 14 Ländern war er schon. Und findet reges Interesse. Denn anders als bisher können die Menschen mit seinem Webstuhl Stoffe für den Weltmarkt herstellen - weil sie damit auf die erforderliche Mindestbreite von 1,10 Meter kommen. 

Andreas Möller © NDR

Andreas Möller, der Webstuhl-Revolutionär

DAS! -

Andreas Möller hat den Bau des Webstuhls revolutioniert und sein Sperrholz-Ungetüm ist inziwschen in 13 Ländern im Einsatz. Und ermöglicht somit vielen Menschen eine sichere Existenz.

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Schonend für die Schulter

Es ist kaum zu glauben, aber seit dem 18. Jahrhundert haben sich die Handwebstühle praktisch nicht mehr verändert. Andreas Möller hat radikal alles verbessert, was das Weben langsam oder ungesund gemacht hat. So hat er sich angesehen, warum fast alle Weber irgendwann kaputte Schultern haben. "Es ist ja nun einmal so, dass die Schulter an der Seite des Körpers sitzt und nicht in der Mitte vom Webstuhl. Aber bisher waren alle Schnellschuss-Systeme immer auf die Mitte des Webstuhls ausgerichtet", erklärt er. Das Webschiffchen auf seinem Webstuhl wird ergonomisch von der Seite her bewegt, die Sitzbank ist leicht zum Werkstück hin geneigt und die Pedale fordern weniger Kraftaufwand. "In Schweden war ich mal auf einer Messe und erklärte dem Publikum dort meinen Webstuhl", erzählt Andreas Möller. "Danach kam eine 90-jährige Weberin sehr ärgerlich auf mich zu und schimpfte: Warum hat man mir das nicht schon vor fünfzig Jahren erzählt?"

Links
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NDR 90,3

Homepage des Webers Andreas Möller

NDR 90,3

Informationen über den Flying8-Webstuhl, Webkurse und Unterstützungsmöglichkeiten finden Sie auf der Webseite von Andreas Möller. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 28.12.2017 | 19:05 Uhr

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