Stand: 30.06.2017 15:56 Uhr  | Archiv

Mit Jungheinrich durch die Regalwelt

Die Firma Jungheinrich produziert im schleswig-holsteinischen Norderstedt Gabelstapler.  Foto: Soeren Stache
Mit Gabelstaplern steigt Jungheinrich zum erfolgreichen Unternehmen auf.

Am Anfang war die Ameise. Wendig und flink wie der Winzling aus der Tierwelt, beginnt mit dem Elektro-Vierrad-Stapler "Ameise 55" die Erfolgsgeschichte von Gabelstapler-Hersteller Friedrich Jungheinrich. Heute produziert das Unternehmen nicht nur Stapler, sondern entwickelt komplexe Lagersysteme. Dazu gehören unter anderem automatisch gesteuerte Fahrzeuge, die zwischen bis zu 18 Meter hohen Regalen hin und her flitzen, Waren suchen und abholen oder neue bringen und stapeln.

Von der "Ameise" zum Computer-Lagersystem

Die Jungheinrich & Co. Maschinenfabrik wird 1953 in Hamburg-Billbrook gegründet. Als einer der deutschen Pioniere auf dem Gebiet der Gabelstapler - die Grundidee stammt aus den USA - bringt Firmengründer Jungheinrich 1956 die "Ameise 55" auf den Markt. Im selben Jahr gründet die Firma eine Vertriebsgesellschaft in Österreich. Dieser Schritt ist richtungsweisend: Jungheinrich baut in den folgenden Jahren Niederlassungen in zahlreichen Ländern auf, kauft französische und britische Konkurrenten auf und expandiert auch im Inland. Seit 1984 kommen viele Bausteine für die Produkte aus dem neu erbauten Montagewerk im schleswig-holsteinischen Norderstedt.

Gang an die Börse

Die stetige Expansion sorgt dafür, dass der Umsatz drei Jahre später die magische Eine-Milliarde-Mark-Grenze überschreitet. 1990 folgt dann die Umwandlung in eine AG und der Gang an die Börse. Jungheinrich ist lange Zeit im M-DAX notiert, steigt jedoch im Zuge der Index-Umstellung durch die Deutsche Börse in den S-DAX ab.

Logistische Gesamtlösungen im Angebot

Jungheinrichs Produkte reichen vom handgeschobenen Hubwagen, der Paletten auf die Gabel nimmt, bis zum elektrobetriebenen Schubmaststapler, der in engen Gängen Lasten ins Regal hebt. Das Unternehmen bietet auch logistische Gesamtlösungen an - von der Planung eines Lagers über das Aufstellen der Regale bis zur EDV-Ausstattung. Kunden sind unter anderem große Handelsketten wie die Metro, in deren riesigen Lagerhallen Regale, Gabelstapler und automatische Flur- und Regalförderzeuge eine eigene Welt bilden.

Strategische Neuausrichtung

2001 wird der Konzern unter der Leitung Cletus von Pichlers strategisch neu ausgerichtet. Die sichtbarste Veränderung: Aus den drei Marken Jungheinrich, Steinbock und Boss wird eine, nämlich Jungheinrich. Der einstige Flurförderhersteller ist mittlerweile zum produzierenden Logistikdienstleister geworden. Auch Jungheinrich bleibt von der Globalisierung nicht unberührt: 2006 wird das Montagewerk Qingpu in China gegründet. Die Unternehmensumbildung wirkt sich positiv aus. 2006 wird nach Firmenangaben zum bis dahin erfolgreichsten Jahr der Konzerngeschichte. Trotzdem trennt sich Jungheinrich damals von Manager von Pichler. Börsenexperten vermuten Zwistigkeiten mit den Eigentümerfamilien Wolf und Lange, denen alle Stammaktien gehören.

Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung

Seit Mai 2004 gibt es die Dr.-Friedrich-Jungheinrich-Stiftung. Zweck der Einrichtung ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie der Bildung auf den Gebieten Elektrotechnik, Maschinenbau und Logistik. So kooperiert die Stiftung beispielsweise mit technischen Universitäten und fördert die Lehrstühle dieser Fachgebiete. Zudem sollen technisch oder wissenschaftlich besonders qualifizierte junge Menschen Stipendien erhalten und Forschungsprojekte vergeben werden. Stifter sind die Gesellschafterfamilien Lange und Wolf sowie die Jungheinrich AG.

Voll erwischt von der Wirtschaftskrise

Hans-Georg Frey © obs/Jungheinrich AG
Der Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Frey sieht sein Unternehmen auf Wachstumskurs.

Seit Mai 2007 steht Hans-Georg Frey an der Spitze des Vorstands. Auch er legt zunächst Rekordzahlen vor: Ende 2007 klettert der Umsatz erstmals über die Marke von zwei Milliarden Euro. Im Jahr 2007 wird auch die Unternehmensstruktur von Jungheinrich neu geordnet. Der Vertrieb Deutschland, der Vertrieb Export, das Werk Norderstedt sowie die Ersatzteillogistik Norderstedt werden in eigenständige Gesellschaften ausgegliedert.

2009 wird dann zu einem Schicksalsjahr für das Hamburger Unternehmen. Die Weltwirtschaftskrise führt dazu, dass Jungheinrich auf seinen Maschinen sitzenbleibt. Der Gabelstaplerhersteller schreibt rote Zahlen. Hunderte Mitarbeiter an den Produktionsstandorten und im Vertrieb müssen gehen. Doch in den Jahren darauf erholt sich das Unternehmen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.11.2012 | 15:00 Uhr

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