Missbrauch im Margaretenhort: Forschungsarbeit vorgelegt

Stand: 25.03.2021 17:11 Uhr

Die evangelische Kirche in Hamburg hat den jahrelangen Missbrauch im Kinderheim Margaretenhort in Harburg aufgearbeitet. Am Donnerstag hat sie die Ergebnisse von vier Jahren Forschung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Den Kindern und Jugendlichen wurde nicht geglaubt - egal, was sie sagten. Das ist die wohl wichtigste Erkenntnis der Wissenschaftlerin Ulrike Winkler. Ihnen wurde nicht geglaubt, dass Jugendliche, die ebenfalls in dem Kinderheim wohnten, ihnen sexuelle Gewalt angetan haben. Und ihnen wurde noch nicht einmal geglaubt, beim Duschen Stromschläge bekommen zu haben, weil Elektrokabel nicht in Ordnung waren.

Zehn Mädchen und ein Junge betroffen

Alles, was sie sagten, war den Erzieherinnen und Erziehern suspekt - denn die Kinder kamen aus kaputten Familien, waren seelisch gestört. Vier Frauen, die in den 70er- und 80er-Jahren missbraucht wurden, haben der Wissenschaftlerin Auskunft gegeben - insgesamt betroffen waren nach jetzigem Stand mindestens zehn Mädchen im Alter zwischen zwei und 16 Jahren sowie ein kleiner Junge.

Das Buch, das Ulrike Winkler geschrieben hat ("Kein sicherer Ort. Der Margaretenhort in Hamburg-Harburg in den 1970er und 1980er Jahren", Verlag für Regionalgeschichte), zeigt nach ihrer Auskunft einen blinden Fleck auf: Dass es nicht nur Erwachsene sind, die Kindern und Jugendlichen sexuelle Gewalt antun, sondern dass es auch Jugendliche selbst sein können.

Zwei Bewohnerinnen hatten berichtet

Anlass für die Forschung waren die Berichte von zwei ehemaligen Bewohnerinnen des Margaretenhorts. Sie selbst seien nicht missbraucht worden, kannten dort aber die Zustände. Der Kirchenkreis Hamburg-Ost war daraufhin von sich aus an die Öffentlichkeit gegangen, um weitere Betroffene zu finden.

Heim wurde in den 1980ern aufgelöst

Der Margaretenhort an der Harburger St. Petrus-Kirche wurde 1907 gegründet und war in den 1980er-Jahren ein Heim für rund 70 Kinder und Jugendliche. Dabei handelte es sich überwiegend um Waisenkinder, Kinder aus zerrütteten Familien und Kinder aus Flussschiffer-Familien. Die zentrale Einrichtung wurde Mitte der 1980er-Jahre schrittweise aufgelöst. Träger war seinerzeit der Kirchenkreis Harburg.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.03.2021 | 17:00 Uhr

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