Stand: 29.06.2019 11:24 Uhr

Miniatur Wunderland eckt mit Plakataktion an

Im Hamburger Miniatur Wunderland stehen Mini-Plakate mit Slogans wie "Stoppt die Menschenmast".

Eine Plakat-Kampagne des Miniatur Wunderland in Hamburg gegen Massentierhaltung sorgt für Kritik. In der Modelleisenbahn-Ausstellung hängen Mini-Plakate, auf denen beispielsweise Frauen an Melkmaschinen angeschlossen sind, Babys direkt nach Geburt in den Schredder gefahren werden oder Menschen in Mastständen sitzen. Daneben stehen Slogans wie "Stoppt die Massenmilchproduktion", "Stoppt das Jungen-Schreddern" oder "Stoppt die Menschenmast". Im Interview mit NDR 90,3 erklärt einer der Gründer des Miniatur Wunderlandes, Frederik Braun, wozu das gut sein soll.

Herr Braun, was wollten Sie mit der Aktion erreichen?

Frederik Braun: Wir wollten erreichen, dass wir als Verbraucher umdenken und überlegen, was wir jeden Tag so machen: Wir gehen in den Supermarkt und wollen das billigste des billigsten Fleisches kaufen und machen uns nicht klar, was wir da essen. Wir wollen erreichen, dass der Mensch ein bisschen bewusster einkauft. Ich bin zum Beispiel auch jemand, der gern Fleisch isst, man muss jetzt nicht Vegetarier oder Veganer werden. Aber wir müssen bewusst einkaufen und auch ganz bewusst essen. So würde man den Bauern, wenn man mehr bezahlt, mehr Möglichkeiten geben, die Tiere artgerechter zu halten.

Wie reagieren die Besucher?

Braun: Die Besucher und auch die Facebook-Fans reagieren eigentlich durchweg positiv. Ich würde sagen, 95 Prozent sagen, dass es schön, wenn man ihnen den Spiegel mal vor die Augen hält und schockierend, wenn man sich diesen Rollentausch mal anschaut. Viele sagen, dass man was ändern muss und sagen auch, dass es das schwierigste ist, bei sich selbst anzufangen.

Es gibt auch Kritik an der Aktion, zum Beispiel vom Bauernverband. Die Landwirte sagen, sie werden auf Ihren Plakaten wie Bösewichte dargestellt.

Braun: Es ist vielleicht naiv, aber wir sind nicht auf die Landwirte gekommen. Wir dachten eigentlich, dass es für Bauern richtig gut ist: Wenn der Verbraucher umdenkt, mehr Geld für das Fleisch ausgibt, können die Bauern besser produzieren. Darum haben wir mit allem gerechnet, vielleicht, dass sich Fleischesser tierisch aufregen, wenn man ihnen ins Gewissen redet. Wir haben aber nicht mit der Kritik der Bauern gerechnet. In den ersten drei, vier Stunden nach dem Start der Aktion, war alles positiv, dann hat der schleswig-holsteinische Bauernverband seinen, ich sag das mal in der modernen Sprache, Hass-Post abgesetzt und ab der Sekunde kamen ganz viele Landwirte auf unsere Seite und haben uns mit ihrer Wut überschüttet. Da mussten wir erstmal reagieren und nachdenken. Wir haben das falsch eingeschätzt und die Landwirte fühlen sich wahnsinnig auf den Schlips getreten.

Bleiben die Mini-Plakate denn jetzt in der Ausstellung?

Braun: Wenn wir solche Aktionen machen, bleiben die nie für immer, sondern für einen gewissen Zeitraum bis wir wieder was Neues machen. Ich würde mal sagen, ein paar Wochen werden die schon bleiben. Klar, es reagieren nicht alle begeistert, es reagieren auch einige geschockt. Aber dieser Schock verändert sich ziemlich schnell in eine Diskussion, die tatsächlich in die richtige Richtung geht.

Das Interview führte Carlo von Tiedemann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 29.06.2019 | 11:45 Uhr

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