Stand: 22.04.2020 08:32 Uhr

Mikrogrün: Start-up setzt auf Babypflanzen

Mikrogemüse im Regal.
So sieht das Mikrogemüse aus den Vier- und Marschlanden aus.

Auf den ersten Blick sieht das Gemüse von Amir Yagel und Lukas Born gar nicht aus wie Gemüse. Die zarten Pflanzen erinnern eher an Kresse, denn an Erbsen, Radieschen, Grünkohl oder Brocoli aus den Hamburger Vier- und Marschlanden. Aber es ist tatsächlich Gemüse und es kann viel mehr als es den Anschein hat.

Yagel und Born haben gemeinsam Lütt Gröön gegründet und setzen vor allem aus einem Grund auf Mikrogemüse. "Ich finde das problematisch, dass unsere Gesellschaft in ganz Europa total abhängig ist, vom Import und Export von Lebensmitteln", sagt Yagel. "Denn darum essen wir einfach nicht frisch genug."

VIDEO: Mikrogrün: Start-up setzt auf Babypflanzen (3 Min)

Pflanzen im Kinderstadium geerntet

In einer ehemaligen Gärtnerei an der Dove-Elbe züchten Yagel und Born das sogenannte Mikrogrün. Die Pflanzen werden quasi im Kinderstadium geerntet und zwar schon spätetens zwei Wochen nach der Saat. Trotzdem schmecken sie genauso wie ihre großen Geschwister.

Amir Yagel mit Mikrogemüse in der Hand.
Amir Yagel will seine Idee gern über die Grenzen von Hamburg hinaus ausbauen.

"Die Idee bei Mikrogrün ist, dass in dieser Phase der Pflanze alle Nährstoffe schon da sind", sagt Yagel. "Es schmeckt genau wie die erwachsene Pflanze, braucht aber weniger Wasser und weniger Fläche."

Mikrogemüse das ganze Jahr verfügbar

Auch ohne Radischenfrucht schmecken die Babypflanzen überzeugend nach Radieschen. Die Idee kommt aus Australien. Bei uns ist sie völlig neu. Im Prinzip könnte jeder solche Pflanzen anbauen, sagt Lukas Born. Um das ganze Jahr über ernten zu können, brauche es aber doch etwas mehr Knowhow.

Es sei wichtig, sauber zu arbeiten, sagt Born. Das sei auf dem heimischen Balkon nicht unbedingt optimal. "Auch die Umstände wie Licht und Temperatur beeinflussen die Wachstumsrate."

Lukas Born wässert MIkrogemüse.
Lukas Born wässert das Mikrogemüse, das erst geernet wird, wenn eine Bestellung vorliegt.
Dezentrale Lebensmittelproduktion

Geerntet wird erst, wenn bestellt worden ist. Wer morgens ordert, zur Zeit sind das vor allem Lieferanten der sogenannten Grüne Kisten oder auch Privatkunden, bekommt am gleichen Tag das frisch geerntetes Mikrogrün.

Der gebürtige Israeli Yagel und sein Partner Born wollen ihre Idee ausbauen. Statt Gemüse vom anderen Ende Europas zu importieren, könnte jeder Ballungsraum schnell große Mengen Mikrogrün produzieren. "Wir glauben an unsere Philosophie, Lebensmittel lokal, dezenteral und frisch zu produzieren", sagt Yagel. Erstmal wollen sie Hamburg versorgen. "Und in vier oder fünf Jahren sehen wir solche dezentralen Zentren in ganz Europa." Eine Idee, die in Zeiten unterbrochener oder erschwerter Lieferketten noch interessanter ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.04.2020 | 19:30 Uhr

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