Stand: 14.11.2018 06:11 Uhr

Mieterbund: Hohe Preise vertreiben jeden Dritten

Der Mieterverein zu Hamburg fürchtet eine massive Vertreibung von Kleinverdienern aus der Stadt. Ein Drittel der Mieterhaushalte könnte sich Hamburg bei der derzeitigen Entwicklung bald nicht mehr leisten, sagte Siegmund Chychla vom Mieterverein. Jeder dritte Haushalt müsse mit weniger als 1.500 Euro im Monat auskommen. "Sollte die Mietentwicklung so weitergehen, gehen wir davon aus, dass etwa ein Drittel der Haushalte, die in Hamburg zur Miete wohnt, sich aus der Stadt verabschieden muss, weil es die Miete hier nicht mehr zahlen kann", sagte der Mieterverein-Chef.

"Angespannter als 2011"

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Der Geschäftsführer des Mietervereins Hamburg, Siegmund Chychla, macht auch dem Hamburger Senat Vorwürfe.

Bisher hatte Chychla den SPD-geführten Senat immer für viel Wohnungsbau gelobt. Doch jetzt zeichnet er ein ernüchterndes Bild: "Durch den extrem starken Zuzug nach Hamburg ist die Situation heute angespannter als 2011." 8.000 neue Wohnungen jährlich könnten den Zuzug von 20.000 Bürgern nicht auffangen. Er warf dem Senat vor, so gut wie keine Bundesrats-Initiativen mehr gegen hohe Mieten zu starten.

Mieterbund empört über Modernisierungs-Aufschlag

Die Bundesregierung müsse angesichts großer Mieter-Demonstrationen endlich aufwachen, erklärte der Deutsche Mieterbund. Dessen Direktor Lukas Siebekotten empörte sich in Hamburg, dass man bei Modernisierungen elf Prozent der Kosten jährlich auf die Miete aufgeschlagen darf: "Diese Regelung, mit der irrsinnige Mietsteigerungen entstehen können, gehört unserer Meinung nach in die Tonne. Da muss etwas heftig daran geändert werden."

Und zwar heftiger als die Bundesregierung plant. Sie will noch acht Prozent der Modernisierungs-Kosten umlegen, der Mieterbund will nur vier Prozent.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.11.2018 | 06:00 Uhr

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