Stand: 26.11.2019 19:46 Uhr  - NDR 90,3

Mietenspiegel: Wohnen wird ein wenig teurer

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Besonders hier steigen die Mieten: Altbauwohnungen in guter Lage.

Die Mieten auf dem Hamburger Wohnungsmarkt steigen weiter, aber nicht so stark wie in den Vorjahren oder wie in anderen Städten. Der am Dienstag vorgelegte Mietenspiegel zeigt eine Erhöhung von 2,6 Prozent seit 2017. Die durchschnittliche Netto-Kaltmiete hat sich den Angaben zufolge seit 2017 um 0,22 Cent auf 8,66 Euro pro Quadratmeter verteuert.

Höherer Anstieg bei Altbau

"Der Preistrend setzt sich abgeschwächt fort und liegt unterhalb der Entwicklung des Verbraucherpreisindex", sagte Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) am Dienstag. Gestiegen seien vor allem Mieten in guten Wohnlagen und in Altbaubeständen, während in normalen Lagen und jüngeren Wohnungen die durchschnittliche Netto-Kaltmiete teilweise sogar gesunken sei. Insgesamt liegen nach Behördenangaben rund 56 Prozent aller Mieten unterhalb einer Schwelle von 7,50 Euro pro Quadratmeter. Knapp 70 Prozent des mietenspiegelrelevanten Hamburger Wohnungsbestandes wiesen Mieten unter 8,50 Euro pro Quadratmeter auf.

Senatorin: "Positives Signal"

Stapelfeldt zeigte sich sehr erfreut: "Dieser wirklich geringe Anstieg ist ein sehr positives Signal und zeigt, dass der verstärkte Neubau seit 2011 Wirkung entfaltet." An den Mietenspiegel ist auch Hamburgs Mietpreisbremse gekoppelt. Die SPD-geführten Senate hatten den Wohnungsbau massiv angekurbelt auf jährlich mehr als 10.000 neue Einheiten, um die Mieten zu dämpfen.

Mieterverein warnt

Aber es gibt auch Verliererinnen und Verlierer im neuen Mietspiegel. Deutlich über dem Mittel von 2,6 Prozent stiegen die Mieten in Altbauten, die vor 1948 entstanden. Der Mietenspiegel gibt Hausbesitzenden das Recht, die Mieten zu erhöhen. "Wir gehen davon aus, dass noch vor Weihnachten bis zu 200.000 Mieterinnen und Mieter Post bekommen, in der die Vermieter die Mieterhöhungen fordert", sagte Siegmund Chychla vom Mieterverein zu Hamburg. Man solle jede Mieterhöhung prüfen lassen.

CDU: "Normalverdiener sind Leidtragende"

"Der vermeintlich moderatere Anstieg der Hamburger Mieten täuscht erheblich", sagte der stadtentwicklungspolitische Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, Jörg Hamann. Beim Mietenspiegel 2019 handle es sich um eine Fortschreibung des alten Mietenspiegels. Diese falle immer positiver aus. Leidtragende der rot-grünen Wohnungspolitik seien insbesondere Normalverdiener, die keinen Anspruch auf Sozialwohnungen hätten.

Linke fordert Mietendeckel

Aufgrund der eh schon hohen Mieten in Hamburg sei auch eine vergleichsweise moderate Steigerung "für Menschen mit mittlerem oder geringen Einkommen absolut nicht beruhigend", sagte Heike Sudmann (Die Linke). "Allein in der Zeit der SPD-Regierung, also von 2011 bis 2019, sind die Mieten in Hamburg um 21,1 Prozent gestiegen, während die Inflation in diesem Zeitraum nur 13,1 Prozent betrug." Erneut forderte sie einen Mietendeckel auch für Hamburg.

FDP gegen weitere Regulierungen

Ihr FDP-Kollege Jens Meyer lehnt weitere Regulierungen ab: "Es zeigt sich, dass nicht immer schärfere Regulierungen, sondern die gezielte Schaffung von neuem Wohnraum das Mittel der Wahl sein muss." Der Senat müsse seine Anstrengungen beim Neubau aufrechterhalten. Ähnlich äußerte sich auch der Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen, Andreas Breitner: "Die Botschaft des Mietspiegels kann deshalb nur lauten: Weiter so!" Es zeige sich, dass der Wohnungsbau Früchte trage.

Hamburgs Mietpreise im Mittelfeld

Vom Mietenspiegel erfasst wurden den Angaben zufolge nur jene Mieten, die innerhalb der vergangenen vier Jahre erhöht oder neu vereinbart worden sind. Dies betreffe knapp 550.000 der knapp 956.000 Mietwohnungen in Hamburg. Nicht erfasst werden beispielsweise Sozialwohnungen oder Ein- und Zweifamilienhäuser oder vom Eigentümer bewohnte Wohnungen. Im Vergleich mit anderen Großstädten lägen Hamburgs Mietpreise im Mittelfeld.

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Der Hamburger Mietenspiegel

Der Hamburger Mietenspiegel gibt eine Übersicht über die ortsüblichen Vergleichsmieten. Weitere Details gibt es auf der Seite der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. extern

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.11.2019 | 19:30 Uhr

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