Stand: 15.08.2013 20:55 Uhr

Michael Otto ist neuer Ehrenbürger Hamburgs

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (r.) überreicht im Rathaus dem Unternehmer Michael Otto die Urkunde für dessen Ehrenbürgerwürde. © dpa-Bildfunk Foto: Sven Hoppe
Bürgermeister Scholz (r.) überreichte Otto die Urkunde für die Ehrenbürgerwürde.

Die Hamburgische Bürgerschaft und der Senat haben dem Unternehmer und Stifter Michael Otto am Donnerstag die Ehrenbürgerwürde der Hansestadt verliehen. Die höchste Auszeichnung der Stadt wurde dem 70-Jährigen bei einem Festakt mit rund 350 Gästen im Großen Saal des Rathauses von Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) übergeben. Zuvor musste das Parlament die Würdigung noch absegnen. Die Zustimmung der Bürgerschaft war eindeutig und galt bereits im Vorfeld als sicher. Lediglich die Linken votierten dagegen. Sie bemängelten, dass erneut einer von den "oberen Zehntausend" geehrt werde.

Förderer von Bildung und Kultur

Otto sei ein Bürger und Unternehmer, "der über das Notwendige hinaus wirtschaftliche und gesellschaftliche Verantwortung übernimmt", sagte Bürgermeister Scholz. Nach Überzeugung des Senats hat sich Michael Otto um Hamburg verdient gemacht. Nicht nur als Unternehmer, sondern auch als als Stifter, Kulturfreund und als engagierter Bürger. Vor allem im Schul- und Bildungsbereich sowie in der Kultur innerhalb und außerhalb der Hansestadt habe er sich engagiert. So habe er zum Beispiel das "Hamburger Hauptschulmodell" ins Leben gerufen, das Vorbild für viele vergleichbare Initiativen in ganz Deutschland geworden sei. Bei dem Modell wurden Schüler mit Hauptschulabschluss bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt und von Personalverantwortlichen aus 80 Unternehmen beraten. Darauf könne Hamburg stolz sein, so Scholz.

"Spezifische hanseatische Kultur des Bürgersinns"

Auch auf dem kulturellen Sektor ist Otto umtriebig. So habe der Milliardär großzügig etwa die Staatliche Jugendmusikschule, das Museum für Hamburgische Geschichte, die Hamburger Kunsthalle oder die Elbphilharmonie unterstützt. Zudem habe er sich darum bemüht, mit dem Projekt "The Young ClassX" junge Leute für Kultur zu begeistern. 1993 wurde die Michael Otto Stiftung für Umwelt gegründet. "Das alles fügt sich in die spezifisch hanseatische Kultur des Stiftens, des Bürgersinns, der in Hamburg älter ist als der heutige Begriff 'Corporate Social Responsibility'", sagte der Bürgermeister.

Zustimmung fast aller Parteien

Michael Otto in der Hamburgischen Bürgerschaft, die über die Verleihung des Ehrenbürgerrechts an den Unternehmer entscheidet. © dpa-Bildfunk Foto: Sven Hoppe
Michael Otto hat sich vor allem als Förderer in den Bereichen Bildung und Kultur um Hamburg verdient gemacht.

"Sein langjähriger und vielfältiger Einsatz im Sinne der Stadt Hamburg und ihrer Bürgerinnen und Bürger macht ihn zu einer herausragenden Persönlichkeit", fügte Scholz hinzu. Ähnlich äußerten sich SPD, CDU, Grüne und FDP. Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde sei nicht nur für Otto, sondern auch für die Stadt eine Ehre, betonte SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. "Mit seiner Großzügigkeit und seiner Bereitschaft, Geld nicht nur für private Zwecke oder in den Ausbau des eigenen Unternehmenserfolgs zu stecken, sondern hiervon auch einen erheblichen Teil in das Gemeinwohl unserer Stadt zu investieren, stellt er sich in die große Reihe der Hamburger Stifter und Mäzene", sagte CDU-Fraktionschef Dietrich Wersich.

"Echtes Verantwortungsgefühl" statt Geltungssucht

Die Grünen attestierten Otto ein "echtes Verantwortungsgefühl". Sein Engagement sei weder einer patriarchale Geste noch Geltungssucht. Bei der Schulreform beispielsweise habe er sich als Schlichter zwischen Stadt und Volksinitiative zur Verfügung gestellt, sagte Grünen-Fraktionschef Jens Kerstan. Das sei ein hohes persönliches Risiko gewesen. Die FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding betonte, Ottos Wirken habe ausgesprochen positive Impulse für Hamburg und Deutschland gesetzt. "Er ist so ein Vorbild für zeitgemäßen hanseatischen Kaufmannsgeist im 21. Jahrhundert."

Nur Linke dagegen

Die Linken konnten sich nicht mit der Ehrenbürgerschaft Ottos anfreunden. Dieser habe unbestritten viele gute Taten vollbracht, sagte die Fraktionsvorsitzende Dora Heyenn. "Aber wer kann denn als Mäzen tätig sein, doch nur Personen, die über Geld verfügen, das sie nicht dringend zum Leben und schon gar nicht zum Überleben brauchen." Hamburg solle endlich jemanden ehren, "der oder die nicht zu herausragenden Vermögenden in dieser Stadt gehört". Problematisch sei auch, dass wieder keine Persönlichkeit für ihr Engagement gegen den Faschismus geehrt werde.

Mit Schmidt und Seeler in guter Gesellschaft

Hamburgs erster Ehrenbürger war Friedrich Carl Baron von Tettenborn (1778-1845), der 1813 ausgezeichnet wurde, "weil der Baron die Wiederherstellung der Unabhängigkeit Hamburgs und die Befreiung von den napoleonischen Besatzungstruppen so glücklich geleitet und ausgeführt hat". Ihm folgten bis heute 33 Frauen und Männer. Nicht mitgerechnet sind Adolf Hitler und Hermann Göring, denen die Ehrenbürgerschaft 1945 wieder aberkannt wurde. Noch lebende Ehrenbürger Hamburgs sind Altkanzler Helmut Schmidt (SPD/1983), der Schriftsteller Siegfried Lenz (2001), HSV-Fußballlegende Uwe Seeler (2003), das Mäzenatenpaar Hannelore und Helmut Greve (2005) und der Chef des Hamburg Balletts, John Neumeier (2007).

Porträt
Michael Otto im Juli 2013 auf Sylt © picture alliance / rtn - radio tele nord

Ein Unternehmer mit Gewissen

Naturschützer, sozialer Wohltäter und Kunstmäzen: Der erfolgreiche Unternehmer Michael Otto engagiert sich. Seit 2013 ist er Ehrenbürger seiner Heimatstadt Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 15.08.2013 | 19:00 Uhr

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