Stand: 24.11.2019 07:57 Uhr  - NDR 90,3

Mehrwegflaschen immer weniger gefragt

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Magnus-Geschäftsführerin Gaby Gassmann: "Die Politik muss uns den Rücken stärken."

Bei Magnus vor den Toren Hamburgs kommen leere Flaschen verschiedener Mineralwasser-Abfüller an. Es ist der letzte mittelständische Brunnen in der Region. Dem Genossenschafts-Modell "Deutscher Brunnen" gehören bundesweit rund 200 Abfüllstätten an - weltweit einzigartig. Die Mehrwegflasche kann mindestens bis zu 50 Mal wiederbefüllt werden. Und auch beim Vertrieb der eigenen Marke "Magnus" setzt das Norderstedter Familienunternehmen ausschließlich auf Mehrwegglas. Geschäfsführerin Gaby Gassmann ist dennoch beunruhigt: Denn die Mehrwegquote aller Getränkegebinde ist inzwischen auf einem neuen Tiefststand von nur noch gut 40 Prozent gesunken.

Geringe Mehrwegquote

"Was erwartet die Politik? Müllreduzierung ist ja gang und gäbe. Wir kennen alle diese gruseligen Bilder aus den Weltmeeren. Und wir bieten hier eine hundertprozentige Rückgabe, wir bieten Mehrweg an, kurze Wege, wir sind regional aufgestellt. Der Verbraucher muss eigentlich nur zugreifen und die Politik muss uns natürlich auch den Rücken stärken", sagt Gaby Gassmann. Im Magnus-Brunnen werden täglich 450.000 Mehrweg-Flaschen abgefüllt. Der Betrieb und viele andere hoffen endlich auf ein Signal der Politik. Denn die Mehrwegquote beim Mineralwasser liegt nun sogar erstmals knapp unter 30 Prozent. "Wir sehen ja auch, dass eine Glasflasche mehrfach befüllbar ist, viel öfter als eine PET-Flasche. Und als eine Einwegflasche ja sowieso. Die wird einmal genutzt und dann vernichtet", sagt Gassmann.

Tonnenweise Einwegflaschen-Müll

Rückblick: 2003 wurde das Einweg-Pfandsystem, eingeführt und war monatelang ein Politikum. Eigentlich sollte das Pfand auf Einweg die damalige Mehrwegquote von 80 Prozent weiter ausbauen. Stattdessen passierte das Gegenteil: die Quote rauschte in den Keller. Tonnenweise Einwegflaschen-Müll entstand. "Das ist krachend gescheitert, so wie die ganze Verpackungsordnung krachend gescheitert ist. Das heißt: Der Gesetzgeber muss endlich den Mut aufbringen die Mehrwegquote nicht nur im ersten Absatz des Gesetzes zu benennen, sondern tatsächlich mit Zeitplan und Sanktionen fortzuschreiben", sagt Tristan Jorde von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Neues Bewusstsein

Im Getränkemarkt von Petar Petrov im Hamburger Stadtteil Hummelsbüttel stimmt die Quote. 86 Prozent Mehrwegflaschen verkauft er hier. Er spürt den Preiskampf der Discounter, aber auch ein neues Bewusstsein. "Es kommen immer mehr jüngere Familien und die fragen gezielt nach Glas: 'Was für ein Sortiment habt ihr an Glas?' Und wir erweitern das ständig", sagt Petrov.

Kundinnen und Kunden steigen nicht mehr durch

Noch sind 1,2 Milliarden Mineralwasserflaschen aus Glas bundesweit im Kreislauf. Doch sie haben es immer schwerer im Markt zu bestehen. Ein Grund dafür sei auch eine regelrechte "Irreführung" klagt die Verbraucherzentrale: Denn wenn dünnwandige Plastik-Einwegflaschen in Mehrwegkisten verkauft werden, steige kaum eine Kundin oder ein Kunde mehr durch, was gut für die Umwelt ist und was nicht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.11.2019 | 19:30 Uhr

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