Stand: 29.02.2020 21:18 Uhr

Matthiae-Mahl ohne Stoltenberg, aber mit Protesten

Carola Veit (l-r, SPD), Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft, Heiko Maas (SPD), Außenminister, Mircea Geoana, stellvertretender Nato-Generalsekretär, Peter Tschentscher (SPD), Erster Bürgermeister von Hamburg, und seine Ehefrau Eva-Maria Tschentscher, stehen nach dem Eintrag ins Goldene Buch anlässlich des traditionellen Matthiae-Mahls des Hamburger Senats im Rathaus. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt
Nach dem Eintrag ins Goldene Buch zeigen sich Bürgerschaftspräsidentin Veit, Außenminister Maas, Vize-Nato-Chef Geoană, Bürgermeister Tschentscher sowie dessen Ehefrau im Hamburger Rathaus.

Rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport sind auf Einladung des Senats am Freitagabend zum Matthiae-Mahl ins Hamburger Rathaus gekommen - darunter die Ehrengäste Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und der stellvertretende Nato-Generalsekretär Mircea Geoană. Eigentlich war Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg geladen, er hatte aber wegen des Sondertreffens der Nato zu Syrien kurzfristig abgesagt.

Tschentscher betont Wichtigkeit der Nato

In seiner Festrede unterstrich Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) die Wichtigkeit der Nato. "Die Nato hat nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich zum Frieden in Europa beigetragen", sagte er. Erreichen lasse sich dies nicht allein durch militärische Kraft, sondern vor allem durch ein gutes Verständnis der Lage und der Interessen der anderen. Auch ausgelöst durch den französischen Präsidenten Emmanuel Macron werde derzeit grundsätzlich über die Rolle und Zukunft der Nato diskutiert, so der Bürgermeister.

"Die USA fordern nicht erst unter ihrem gegenwärtigen Präsidenten einen stärkeren Beitrag Europas für unsere gemeinsame Sicherheit." Dies betreffe auch Deutschland und Hamburg, sagte Tschentscher. "Die Konflikte in der Welt sind näher an uns herangerückt, dies haben wir gerade in den letzten Jahren der Flüchtlingsbewegungen sehr stark wahrgenommen." Eine Verständigung über den Atlantik sei deshalb wichtig.

Maas wirbt für europäisches Bündnis

Heiko Maas (SPD), Außenminister, spricht beim traditionellen Matthiae-Mahl des Hamburger Senats im Rathaus. © picture alliance/dpa Foto: Daniel Reinhardt
Außenminister Maas war einer der beiden Eherengäste.

Außenminister Maas sagte in seiner Rede: "Nur wenn wir Europäer die Fähigkeit stärken, für unsere eigene Sicherheit mehr einzutreten, werden wir auf Dauer die Amerikaner im transatlantischen Bündnis halten." Die Schaffung einer echten europäischen Sicherheits- und Verteidigungsunion sei kein Gegensatz zur Nato. "Sondern, ganz im Gegenteil: Sie ist ein Garant für den Erhalt." Es war Vize-Nato-Generalsekretär Mircea Geo-Ană aus Rumänien, der schließlich an einen großen Hamburger erinnerte: Er sei Helmut Schmidt ewig dankbar für den NATO-Doppelbeschluss. Der habe zum Zerfall der Sowjetunion und der Befreiung des Ostblocks beigetragen.

Protest auf dem Rathausmarkt

Vor der Veranstaltung gab es Proteste: Am Nachmittag demonstrierten rund 100 Menschen auf dem Rathausmarkt gegen das Matthiae-Mahl. Sie gehören zu einem Bündnis unterschiedlicher Gruppen, darunter das globalisierungskritische Netzwerk Attac. Aus ihrer Sicht stehen die diesjährigen Ehrengäste für "die massive militärische Aufrüstung und Aggression der Nato". Festakte wie das Matthiae-Mahl seien nicht mehr zeitgemäß, sagte Mitorganisatorin Ina Rockenbach. "Die ganze Zeit wird gepredigt, dass nicht genug Geld da ist, zum Beispiel für Krankenhäuser und Kindergärten. Und dann wird gleichzeitig so viel Geld ausgegeben für diese Elite - das ist absurd."

Hamburg lädt seit 1356 zum Festmahl

Bereits seit 1356 laden die Regierenden der Hansestadt zu dem Festmahl ein. Der Name geht auf den Matthiae-Tag, den 24. Februar, zurück. An diesem Tag wurden nach historischer Überlieferung im Rathaus die Aufgaben im Senat neu verteilt und neue Bürgermeister aus den Reihen der Senatoren gewählt.

Bei früheren Matthiae-Mahlzeiten waren der kaiserliche und der holländische Gesandte Ehrengäste. Heute werden stets ein ausländischer und ein deutscher Ehrengast eingeladen. Im vergangenen Jahr hatten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der lettische Präsident Raimonds Vējonis als Ehrengäste an dem Festmahl im Rathaus teilgenommen.

Matthiae-Mahl: Die Speisekarte

1. Gang: Gurken-Pappardelle mit Wildkräutersalat, Entenleberpraline auf geröstetem Schwarzbrot, Erbsenmousse und mit Sternanis, gebeizter Lachs
2. Gang: Weißes Tomatensüppchen mit Rote Bete-Maultaschen und Kerbelpesto
3. Gang: Duett vom geschmorten Holsteiner Rind und rosa Kalb im Pistazien-Spinatmantel mit Kalbsjus, Süßkartoffelpüree im Kartoffelnest, gefüllter Schalotte, Rosenkohlblättern, Langpfefferkirschen und Frühlingslauch-Bündchen
4. Gang: Karottenkuchen mit Nougat, Pistazien-Crumble, Buttermilchreis und Haferknusper
Mokka und Tee runden das Menü ab.

Weitere Informationen
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Festlich erleuchtet ist der Große Saal des Hamburger Rathauses beim traditionellen Matthiae-Mahl. © dpa Foto: Ulrich Perrey

Ein Abendessen wie im Mittelalter

Seit 1356 feiert Hamburg das Matthiae-Mahl. Die Veranstaltung Ende Februar gilt als das älteste Festmahl der Welt. Für einen handfesten Skandal sorgte 1994 Wladimir Putin. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.02.2020 | 06:30 Uhr

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