Stand: 23.02.2019 00:35 Uhr

Matthiae-Mahl: Plädoyers für die europäische Idee

Im Hamburger Rathaus hat sich am Freitagabend prominenter Besuch zu einem historischen Festessen eingefunden: Rund 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Sport kamen auf Einladung des Senats zum Matthiae-Mahl, darunter die Ehrengäste Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der lettische Präsident Raimonds Vējonis. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Europawahl, die Ende Mai stattfindet. Unter den Gästen waren auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), Fußball-Legende Uwe Seeler und Altkanzler Gerhard Schröder.

Ehrengäste versammelt um einen Tisch.

Matthiae-Mahl im Zeichen der europäischen Idee

Hamburg Journal -

Beim Matthiae-Mahl, dem ältesten Festmahl der Welt, waren diesmal unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der lettische Präsident Raimonds Vējonis zu Gast.

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Steinmeier: Europawahl soll Versprechen von Frieden erneuern

Laut Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steht bei der Europawahl und den Wahlen in vier deutschen Bundesländern in diesem Jahr viel auf dem Spiel. "Unsere liberale Ordnung (...) ist nicht mehr ganz unangefochten", sagte er in seiner Rede. Eine neue Faszination des Autoritären mache sich breit in Europa und bei Partnern in der Welt. "Die Sirenenrufe des Nationalismus werden lauter."

Die Europawahl im Mai sei ein wichtiger Moment, "um das europäische Versprechen von Frieden, Freiheit und Wohlstand zu erneuern". Der Streit über den richtigen Weg gehöre dabei zur demokratischen Auseinandersetzung. Steinmeier betonte: "Der Weg hinaus aus Europa, zurück zu alten nationalistischen Reflexen kann (...) und vor allem darf nicht die Lösung sein."

Tschentscher ruft EU zur Einheit auf

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte zuvor in seiner Eröffnungsrede Europa zu mehr Einheit aufgerufen. Nur so könne die EU in der Welt noch genügend Einfluss haben. Je stärker die großen Mächte in der Welt auf ihre eigenen Interessen setzten, umso mehr müsste die EU zusammenrücken, sagte er im Großen Festsaal - ein dezenter Seitenhieb auch in Richtung USA und Russland. Den Brexit nannte Tschentscher einen "großen Verlust für die europäische Einigung und für Großbritannien selbst." Gleichzeitig lobte er den Aufschwung in den baltischen Staaten, die inzwischen Teil der EU sind - aber auch auf eine lange Geschichte zurückblicken könnten.

Nach Tschentscher und Steinmeier sprach der lettische Präsident Vējonis beim Matthiae-Mahl. Er forderte, dass die Europäische Union eine eigene Verteidigungskapazität in Ergänzung zur NATO aufbauen solle. Zudem sei eine geeinte europäische Außen- und Energiepolitik notwendig. Die Unterschiede in der Wirtschaftskraft der Mitgliedsstaaten seien sehr groß: "Wir sehen mit Freude die Rückkehr vieler europäischer Staaten zu wirtschaftlichem Wachstum und können uns doch nicht zufrieden geben, wenn unsere Bürger mit Sorgen in die Zukunft schauen."

Hauptgründe dafür seien das große Einkommensgefälle und die allzu langsame Angleichung der Lebensumstände. "Handeln wir nicht entschieden genug, um diese Probleme anzugehen, so wird es schwierig, die Welle des Populismus aufzuhalten. Dagegen ist kein EU-Mitgliedsland immun."

Steinmeier hatte in seiner Ansprache die baltischen Staaten für ihren Einsatz für ein friedliches Europa gelobt: "Heute sind die baltischen Länder standfeste, überzeugte Mitglieder der Europäischen Union und auch der NATO. Sie gehören zu unserer Sicherheits- und Solidargemeinschaft. An die Adresse von Vējonis sagte der Bundespräsident: "Lettlands Schutz vor Fremdbestimmung und seine territoriale Integrität sind unsere Verpflichtung!"

100. Jahrestag der Unabhängigkeit Lettlands

Der lettische Präsident war nach Angaben des Senats zum Matthiae-Mahl eingeladen worden, weil das Land ein wichtiger Partner Hamburgs im Ostseeraum ist. Hamburg habe viele Verbindungen zu Lettland, besonders in der Wissenschaft und Wirtschaft. Lettland ist 2004 der Europäischen Union beigetreten. Vējonis' Besuch fand im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100. Jahrestag der staatlichen Unabhängigkeit statt.

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Auch dabei: Altkanzler Gerhard Schröder und seine Frau Soyeon Kim.

Steinmeier war bereits 2014 Ehrengast beim Matthiae-Mahl - damals noch als Bundesaußenminister. Er bleibt gleich mehrere Tage in Hamburg und nimmt am Sonnabend an einem Festakt anlässlich des 100. Geburtstags von Altkanzler Helmut Schmidt in der Elbphilharmonie teil.

Hamburg lädt seit 1356 zum Festmahl

Bereits seit 1356 laden die Regierenden der Hansestadt zu dem Festmahl ein. Der Name geht auf den Matthiae-Tag, den 24. Februar, zurück. An diesem Tag wurden nach historischer Überlieferung im Rathaus die Aufgaben im Senat neu verteilt und neue Bürgermeister aus den Reihen der Senatoren gewählt.

Bei früheren Matthiae-Mahlzeiten waren der kaiserliche und der holländische Gesandte Ehrengäste. Heute werden stets ein ausländischer und ein deutscher Ehrengast eingeladen. Im vergangenen Jahr hatten EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) als Ehrengäste an dem Festmahl im Rathaus teilgenommen.

Großer Aufwand für das Matthiae-Mahl

Matthiae-Mahl: Die Speisekarte

1. Gang: Wachtel-Galantine mit Pistazien und Walnüssen, Apfelkompott und Gelee vom Rotspon
Vegetarisch: Zweierlei Bete mit Demeter Winterpostelein und karamellisierten Walnüssen
2. Gang: Klares Övelgönner Fischsüppchen mit Safran, Muschelteigtaschen und Kerbelöl
Vegetarisch: Sellerie-Consommé mit fermentiertem Gemüse
3. Gang: Gefüllter Ochsenschwanz mit fermentiertem schwarzen Knoblauch, Küchlein von Kartoffel und Lauch, Skorzenerwurzel, Cabernet Carbon Jus
Vegetarisch: Tempura vom Senfkohl mit sautiertem Vierländer Gemüse
4. Gang: Variation von Quitte und Granatapfel, gratiniertes Parfait, glaciertes Törtchen, gewürztes Kompott mit Schlehenaroma
Mokka, Tee oder Petits Fours runden das Menü ab.

Weitere Informationen
02:26

Darum geht's: Matthiae-Mahl

Eine üppig gedeckte Festtafel im Rathaus - dazu lädt Hamburgs Erster Bürgermeister einmal im Jahr Hunderte Gäste ein. Doch was genau hat es mit dem "Matthiae-Mahl" auf sich? Video (02:26 min)

Ein Abendessen wie im Mittelalter

Seit 1356 feiert Hamburg das Matthiae-Mahl, so auch heute. Die Veranstaltung gilt als das älteste Festmahl der Welt. Für den einzigen Skandal sorgte Wladimir Putin. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.02.2016 | 19:00 Uhr

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