Stand: 03.12.2017 14:18 Uhr

Marion Dönhoff Preis für "New York Times"

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Bundespräsident Steinmeier würdigte die "New York Times" in seiner Laudatio.

Die "New York Times" ist am Sonntag in Hamburg mit dem Marion Dönhoff Preis für internationale Verständigung und Versöhnung ausgezeichnet worden. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte die US-Zeitung in seiner Laudatio als globale Autorität und "Leuchtturm der Vernunft in einem Zeitalter grassierender Unvernunft".

Der Bundespräsident sagte: "Wir ehren ein Flaggschiff der Pressefreiheit in einer Zeit, in der Deniz Yücel und hunderte Journalisten in der Türkei im Gefängnis sitzen, in der in Russland unabhängige Zeitungen zu ausländischen Agenten erklärt werden, und in der selbst in westlichen Demokratien der Sinn und Wert der freien Presse in Frage gestellt wird - und sei es nur mal nebenbei per Tweet am frühen Morgen." Die Zeitung berichtet immer wieder kritisch über US-Präsident Donald Trump, der die "Times" dafür ebenso wie andere US-Medien regelmäßig auf Twitter heftig angreift.

Steinmeier: Zeitung setzt Maßstäbe

Die "New York Times" sei für die Deutschen zugleich das Fenster in die Vereinigten Staaten als ein Land, das immer vielschichtig, schillernd und widersprüchlich sein werde. Die Komplexität Amerikas, auch das Ringen mit seiner Komplexität, verkörpere niemand besser als die "New York Times", sagte Steinmeier. Er betonte: "Wer heute in Deutschland, mit einer gewissen kulturellen Hochnäsigkeit, dem Bruch mit den USA das Wort redet, weil da doch alles in die falsche Richtung liefe und die Gemeinsamkeiten verschwunden seien - der werfe nur einen einzigen Blick in die New York Times." Diese Zeitung setze immer noch und immer wieder die Maßstäbe einer freien Presse mit höchsten Qualitätsansprüchen. "Und eine solche Presse brauchen wir in diesen stürmischen Zeiten umso dringender."

Plädoyer für die Pressefreiheit

Steinmeier bezeichnete es als "großes Glück, frei und unabhängig informiert zu sein". Dies sei überlebensnotwendig für die Demokratie. "Informiert zu sein ist Bürgerrecht - und ich glaube, Bürgerpflicht! Demokrat zu sein und uninformiert zu bleiben - das verträgt sich nicht." Kein Wähler und auch kein Präsident könne es sich erlauben, uninformiert zu sein, erklärte Steinmeier. "Und deshalb dürfen wir keinen Millimeter zurückweichen, wenn die Pressefreiheit angetastet wird. Fällt diese Freiheit, fällt alle Freiheit."

"Bollwerk der Vernunft"

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Die "New York Times" wird in der Begründung der Jury als "Leuchtturm der Aufklärung" bezeichnet.

Der Jury-Vorsitzende des Preises, Matthias Naß, hatte bereits im Vorfeld der Preisvergabe erklärt. "In Zeiten, da gegen die Medien der Vorwurf der 'Fake News' und 'Lügenpresse' erhoben wird, ist die 'New York Times' ein Leuchtturm der Aufklärung und ein Bollwerk der Vernunft", sagte Als weiterer Grund für die Preisvergabe wurde unter anderem das "Project 2020" angeführt, in dessen Rahmen die "New York Times" fünf Millionen Dollar in neue Stellen zur Berichterstattung investiert habe.

Förderpreis für Pulse of Europe

Der diesjährige Förderpreis ging an die Bürgerbewegung Pulse of Europe. "Die Initiative engagiert sich gegen Populismus und Nationalismus und macht damit all jenen Mut, die ihre Zukunft in einem vereinten, demokratischen Europa sehen", so die Jury in ihrer Begründung. "Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie spätestens heute erfinden", sagte die Ministerpräsidentin des Saarlands, Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), in ihrer Laudatio. Beide Preise sind mit je 20.000 Euro dotiert.

Preis ehrt Engagement für internationale Verständigung

Der Marion Dönhoff Preis wurde zum 15. Mal verliehen. Mit dem Preis werden in jedem Jahr Menschen und Institutionen ausgezeichnet, die sich für internationale Verständigung und Versöhnung einsetzen. Gestiftet wird er von der "Zeit", der "Zeit"-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius und der Marion Dönhoff Stiftung. Marion Gräfin Dönhoff (1909-2002) war "Zeit"-Chefredakteurin und Herausgeberin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.12.2017 | 14:00 Uhr

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