Stand: 29.02.2020 06:22 Uhr

Maffay in Hamburg: The show must go on!

von Anina Pommerenke

Zu seiner großen Jubiläums-Tour wollte Peter Maffay offensichtlich richtig auffahren: Schließlich muss nicht nur sein 70. Geburtstag gefeiert werden, sondern auch das 50. Bühnenjubiläum und die 30. Tour! Anderthalb Jahre haben Maffay und sein Team auf diese Tour hingearbeitet, das hatte der Sänger vorab verraten. Er hat unzählige hochkarätige Musiker im Gepäck, die er nach und nach auf die beeindruckende Bühne in Form einer Gitarre bittet.

Maffay kommt standesgemäß ganz in Lederklamotte

Maffay kommt energisch unter lautem Applaus und mit einer Viertelstunde Verspätung auf die Bühne gelaufen, ganz nach dem Tour-Motto "Für immer jung". Nach kurzer Zeit wirft er die nietenverzierte Lederjacke auf den Boden und zeigt in seinem ärmellosen Lederhemd seine Tattoos auf den durchtrainierten Oberarmen. Wenn man es nicht besser wüsste, man würde Maffay auf höchstens 55 schätzen. Doch dann passiert etwas ungewöhnliches: Maffay versingt sich in seinem zweiten Song, setzt zum zweiten Mal zur ersten Strophe des Liedes "Morgen" an. Der aufmerksame Zuschauer hat schon Tony Carey an den Keyboards bemerkt.

Schock kurz vor dem Konzert

Maffay klärt auf: sein Bassist Ken Taylor ist beim Soundcheck kurz vor der Show von der Bühne gefallen und mit mehreren komplizierten Knochenbrüchen ins Krankenhaus gebracht worden: "Erst dachten wir, wir müssen das Konzert absagen". Doch die Band hat einen Notfallplan geschmiedet, Keyboarder Pascal Kravetz springt am Bass ein. Tony Carey, der eigentlich nur wenige Songs spielen sollte, übernimmt seinen Part - komplett unvorbereitet. Dass Carey bei den neuen Songs meist nur einhändig Akkorde und dann sogar Luftgitarre spielt, verzeiht man unter diesen Umständen gerne. Chapeau an die gesamte Band, die trotz des Schocks und der Sorge um den langjährigen Freund das Beste aus diesem Abend für die Fans rausholen will.

Maffay im Kornfeld

Durch die geschickte Bühnenkonstruktion, die bereits auf der Tour 1996 im Einsatz war, kommt Maffay vielen seiner Fans richtig nah. Einige dürfen sogar gemeinsam mit ihm "Für immer jung" anstimmen - das Highlight im ersten Teil des Abends, in dem Maffay die Songs von seinem aktuellen Album "Jetzt!" anstimmt. Für alle, die weiter weg sitzen, sorgen riesengroße Leinwände für einen guten Blick auf das Geschehen. Amüsant: Mal werden hier auch 70er Jahre Bravo-Cover von Maffay im Kornfeld oder mit knallroten Plateau-Schuhen und Ausschnitte aus alten Musikvideos gezeigt. Die ZDF-Hitparade lässt grüßen.

Klassentreffen vor 13.000 Zuschauern

Die Bühne ist nicht das einzige, was Maffay an diesem Abend aus dem Jahr 1996 mitgebracht hat: viele hochkarätige Musiker und langjährige Wegbegleiter sind mit dabei, so wie die Gitarristen Peter Keller und Carl Carlton. Plötzlich betritt Steffi Stephan unter lautem Gekreische der weiblichen Fans die Bühne und auch Frank Diez bekommt Szenenapplaus, als er sich trotz Krückstock die kleine Seitentreppe raufschleppt, nur um noch einmal göttlich in die Saiten zu greifen und gemeinsam "Steppenwolf" aus dem Jahr 1979 zu spielen. Jean-Jacque Kravetz setzt sich für zwei Songs ans Keyboard. Klassentreffen vor 13.000 Zuschauern.

"Zeitzeugen und Quereinsteiger"

"Ein Glück", bemerkt Maffay, "gibt es aber nicht nur die Zeitzeugen von vor 50 Jahren, sondern auch die Quereinsteiger". Nicht wenige davon dürften durch Tabaluga zu Maffays Musik gefunden haben. Ein Euro für jedes verkaufte Ticket auf dieser Tour geht übrigens an Maffays nach dem kleinen grünen Drachen benannte Stiftung für durch Gewalt traumatisierte Kinder. Immer wieder erzählt Maffay zwischen den Songs von seinem Leben, wie ihn die gemeinsamen Erlebnisse und Emotionen der letzten 50 Jahre mit seiner Band, die er auch gerne als Lebensgemeinschaft bezeichnet, und seinen Fans zusammen geschweißt haben.

 

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Nur mit den Besten

Wer bei so viel Action auf der Bühne mal kurz Zeit findet, den Blick schweifen zu lassen, bemerkt, wie akribisch alles durchgeplant ist: Mehrere Tontechniker reichen nach fast jedem Song neue Gitarren auf die Bühne, eine Person bedient ausschließlich den Teleprompter, in wenigen Augenblicken wird das ganze Set auf der Bühne umgebaut. Bunte Scheinwerfer sorgen nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Publikum für eine stimmige Atmosphäre. Maffay ist nicht nur Vollblutmusiker, sondern ein absoluter Perfektionist. Gut kommt ihm nicht in die Tüte. Er arbeitet nur mit den Besten zusammen. Das macht sich bezahlt: Wenige Bands hätten wohl innerhalb einer Stunde einen neuen Bassisten und einen neuen Keyboarder in einen kompletten Show-Ablauf einarbeiten können.

Zum Finale die ganz großen Hits

Nach dem neuen Album spielt Maffay ein ruhigeres Set im Sitzen, bevor er zum Finale mit den ganz großen Hits übergeht. Bei "Über sieben Brücken musst du gehen" gibt es vermutlich keine einzige Person in der Halle, die nicht beim Refrain mitsingt. Viele haben ihre Handys gezückt und die Taschenlampen-Funktion eingeschaltet - für solche Gänsehaut-Momente geht man in Konzerte. Bei "Du" und "Es war Sommer" gibt es kein Halten mehr: Auch wenn Maffay rockiger und politischer geworden ist, holt er die Massen doch immer noch mit seinen Schlager-Schnulzen ab. In gut zweieinhalb Stunden Konzert hat er wieder einmal gezeigt, wie sehr er für seine Musik und seine Arbeit brennt. Und das hält vielleicht nicht für immer aber doch ziemlich lange jung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 28.02.2020 | 22:00 Uhr

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