Stand: 17.04.2020 20:32 Uhr

Lockerungen für Teile des Hamburger Einzelhandels

Schritt für Schritt will der Hamburger Senat die Corona-Einschränkungen wieder lockern. Es gehe zunächst um drei Bereiche, erklärte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) am Freitag auf einer Pressekonferenz: den Einzelhandel, die Schulen und Kitas. Am Montag soll es losgehen. Dann dürfen Läden mit einer Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmetern wieder öffnen. Dabei müsse aber sichergestellt werden, dass die Kunden den Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten, betonte Tschentscher. Er sagte, dass in Hamburg auch Geschäfte in Einkaufszentren und -passagen öffnen dürfen. Der Mindestabstand müsse aber auch außerhalb der Geschäfte sichergestellt werden. Zudem dürften auch größere Läden öffnen, wenn sie ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter verkleinern.

Tschentscher: Noch einige Monate Leben mit der Pandemie

Der Spielraum für Lockerungen sei derzeit noch sehr klein, so Tschentscher. Die Menschen müssten sich darauf einstellen, noch einige Monate in der Pandemie zu leben. Es werde so lange Beschränkungen geben, bis es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt. Mit Blick auf soziale, psychologische und wirtschaftliche Folgen der derzeitigen Beschränkungen sagte er, die Auflagen müssten so gestaltet werden, dass man sie über einen längeren Zeitraum durchhalten kann.

Bibliotheken sollen öffnen

Auch Hamburgs Zweite Bürgermeistern Katharina Fegebank (Grüne) betonte: "Wir sind noch lange nicht über den Berg. Die Gesundheit steht an erster Stelle." Als Wissenschaftssenatorin verkündete sie, dass das Semester an den Hamburger Hochschulen digital starten solle. Die Hochschulen blieben für den Publikumsverkehr geschlossen, Prüfungen sollen aber möglich sein. Zudem würden die Bibliotheken wieder öffnen.

Prüfer-Storcks: Lage in Krankenhäusern stabil

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) sagte, die Lage in den Krankenhäusern sei sehr stabil. 80 Covid-19-Patienten würden derzeit auf Intensivstationen behandelt. Insgesamt seien derzeit 252 Personen wegen der Krankheit im Krankenhaus. Mit Blick auf andere Krankheiten sagte Prüfer-Storcks, sie mache sich Sorgen, "dass Menschen notwendige Behandlungen hinauszögern." Sie appellierte an Erkrankte, in dringenden Fällen zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen und nicht, aus Angst vor Corona, ihre Krankheit zu verschleppen.

Keine Lockerungen bei Pflegeheimen

Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks zur aktuellen Lage in Hamburg. © NDR Foto: Screenshot
Das Besuchsverbot in den Hamburger Pflegeheimen bleibt bestehen, sagt Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD).

In den Pflegeheimen werde am Besuchsverbot festgehalten. Lockerungen seien derzeit nicht möglich, so Prüfer-Storcks. Die Pflegeheime sollten weiterhin neue Bewohner aufnehmen - diese müssten aber auf das Coronavirus getestet werden. Wenn sich in einzelnen Pflegeheimen das Virus verbreite, hätten die Krankenhäuser zugesichert, vorübergehend Bewohner aufzunehmen, die eigentlich keine Behandlung benötigen. So sollen sie vor einer Infektion geschützt werden. Im Zuge der neuen Regelung seien am Freitag bereits 30 Personen in ein Krankenhaus verlegt worden.

Vorerst keine Lockerungen für die Gastronomie

Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) sagte zu den Soforthilfen Hamburgs, bisher habe es 45.000 Anträge gegeben, von denen 38.000 bewilligt worden seien. Die Investitionsbank habe bisher 363 Millionen Euro ausgezahlt. Die ersten Lockerungen seien nun ein Signal an die Wirtschaft. In der kommenden Woche solle es auch Gespräche mit dem Gastronomieverband geben.

Kontaktbeschränkungen bleiben bestehen

Eine Maskenpflicht wie in Sachsen will der Hamburger Senat nicht einführen. Allerdings gibt es die dringende Empfehlung im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkauf eine Maske zu tragen. Grundsätzlich werden die Kontaktbeschränkungen bis mindestens zum 3. Mai verlängert. Großveranstaltungen sollen bis zum 31. August untersagt bleiben. Darauf hatten sich die Regierungschefs der Länder am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verständigt.

Am 30. April soll es das nächste Treffen von Bund und Ländern geben. Dann soll über weitere Lockerungen entschieden werden. Mögliche Bereiche, in denen Lockerungen diskutiert werden sollen, sind die Gastronomie, Spielplätze und Tierparks.

Weitere Informationen
Ein Schild zeigt an, dass ein Geschäft wieder öffnet. © dpa Foto: Christian Charisius

Welche Geschäfte sind geöffnet - welche nicht?

Auch in Hamburg werden einige Corona-bedingten Beschränkungen gelockert. Die Stadt hat aufgelistet, welche Geschäfte ihre Arbeit verrichten dürfen und welche noch geschlossen bleiben. extern

Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister von Hamburg, äußert sich bei einer Pressekonferenz. © picture alliance / dpa Foto: Bernd von Jutrczenka

Hamburg bereitet schrittweise Lockerung der Corona-Regeln vor

Hamburg und die anderen Bundesländer werden die strengen Corona-Auflagen nur vorsichtig lockern. Bürgermeister Tschentscher sagte: "Wir haben nicht viel Spielraum. Das Eis ist dünn." (16.04.2020) mehr

Ein Plakat mit der Aufschrift "Bleibt zu Hause" hängt im Schaufenster eines geschlossenen Spielzeuggeschäfts in Hamburg. © picture alliance/dpa Foto: Christian Charisius

Corona-Maßnahmen: Was bleibt verboten, was wird gelockert?

Bund und Länder haben sich auf eine Verlängerung des Kontaktverbots in der Öffentlichkeit verständigt. Was genau vorgeschrieben ist und welche Lockerungen beschlossen wurden, erfahren Sie hier. (16.04.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.04.2020 | 19:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Container Terminal Altenwerder im Hamburger Hafen. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Reinhardt

Hamburger Hafen: Ein Minus, das Hoffnung macht

Verluste verringert: Im Hamburger Hafen geht es nach dem Corona-bedingten Einbruch langsam wieder aufwärts. mehr

Schüler einer Oberstufenklasse in Hamburg sitzen mit Mund-Nasen-Bedeckungen im Unterricht. © picture alliance / dpa Foto: Daniel Bockwoldt

Maskenpflicht: Polizei kontrolliert im Umfeld von Schulen

Einige Schüler in Hamburg nehmen es offenbar nicht so genau mit den Corona-Regeln. Nun soll die Polizei verstärkt kontrollieren. mehr

Eine Mund-Nasen-Bedeckung hängt über einer Christbaumkugel am Weihnachtsbaum. © picture alliance/Richard Brocken/ANP/dpa Foto: Richard Brocken

Corona-Ticker: Länder einigen sich auf Regeln zum Jahreswechsel

Weihnachten und Silvester sollen sich maximal zehn Menschen treffen dürfen. Ein Verzicht auf Feuerwerk wird empfohlen. Mehr News im Ticker. mehr

Luftbild mit Blick auf den Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg. Rechts im Bild eine Visualisierung, wie die alte Trasse der Wilhelmsburger Reichsstraße bebaut werden könnte. © IBA Hamburg / Falcon Crest Air / Ulli Müller

Wilhelmsburg: Pläne für neue Quartiere kommen voran

Im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg gibt es im kommenden Jahr Baurecht für 5.000 neue Wohnungen. mehr