Kindeswohl in Lockdown-Zeiten: UKE veröffentlicht Studie

Stand: 14.02.2021 18:14 Uhr

Wie ist es Kindern während des ersten Lockdowns gegangen? Das hat sich das Forschungsnetzwerk Medizinischer Kinderschutz gefragt und in einer neuen Studie betrachtet.

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hat die Anzahl von Kindeswohlgefährdungen während des ersten Lockdowns im März und April vergangenen Jahres untersucht. Demnach sind bis zu 20 Prozent weniger Betroffene in die 159 befragten Kinderschutzgruppen und -ambulanzen gekommen als im Vorjahreszeitraum - eine noch größere Dunkelziffer wird befürchtet.

Weniger Kontrollen in Kitas und Schulen

Zudem könnten in der sozialen Isolation, so vermuten die Forscherinnen und Forscher, sogar noch mehr Schutzbefohlene vernachlässigt oder misshandelt worden sein. Weil in Kindertagesstätten und Schulen wegen des Lockdowns weniger Kontrolle stattfinden konnte, hätten weniger Kindeswohlgefährdungen aufgedeckt werden können.

Misshandelte Kinder hätten so weniger Möglichkeiten gehabt, Dritte um Hilfe zu bitten. Verletzungen durch häusliche Gewalt oder Notsituationen seien so kaum aufgefallen. Bei den gemeldeten Misshandlungen habe es hinsichtlich Alter und Geschlecht der Opfer sowie der Schwere keine nennenswerten Unterschiede gegeben, so die Macherinnen und Macher der Studie.

Nachbarn könnten helfen

Im Zweifel sollten deshalb zum Beispiel Nachbarinnen und Nachbarn daran denken, bei Hilfsorganisationen anzurufen, sagte Vera Falck vom Verein Dunkelziffer am Sonntag im Hamburg Journal. "Es ist immer besser, dann einmal um Rat zu fragen und zu überlegen, wie man vorgehen kann." Das sei besser, als ein Kind in der Not allein zu lassen. "Kein Kind kann sich allein helfen und die Kinder haben jetzt im Lockdown keine weiteren Möglichkeiten, sich Hilfe zu holen."

Hier gibt es Hilfe:

Bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung rät das UKE: Wenn Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen mit misshandelten oder vernachlässigten Kindern in Kontakt kommen, bietet die Medizinische Kinderschutzhotline unter 0800 19 21 000 fachliche Unterstützung. Betroffene können unter 116 111 die "Nummer gegen Kummer" erreichen, um sich beraten zu lassen. Auch der Verein Dunkelziffer bietet Hilfe an - am Telefon montags bis freitags unter 040 42 10 700 10 sowie in einer Online-Beratung.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.02.2021 | 19:30 Uhr

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