Stand: 17.11.2019 15:15 Uhr

Kritik an staatlicher Grabpflege für KZ-Kommandanten

Die staatliche Grabpflege für einen ehemaligen KZ-Kommandanten auf dem Ohlsdorfer Friedhof stößt bei der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft auf Kritik. In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Abgeordneten Christiane Schneider erklärte der Senat, dass der SS-Offizier Hermann Baranowski nach seinem Tod 1940 eingeäschert und in einem Familiengrab bestattet worden sei. Später sei seine Urne in ein Kriegsgrab umgebettet worden. Der 1884 in Schwerin geborene Baranowski war erst Kommandant des Konzentrationslagers Dachau, dann des Lagers Sachsenhausen bei Oranienburg. Er starb eines natürlichen Todes.

Linke: "Kein Steuergeld für Grabpflege von NS-Verbrecher"

"Warum gilt dieser Mann, der für Leid und Tod unzähliger Menschen (...) verantwortlich ist, offiziell immer noch als 'Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft' im Sinne des Gräbergesetzes?", fragte der Sprecher der Fraktion der Linken, Florian Kaiser. Er fügte hinzu: "Wir sind der Meinung, es darf keinen einzigen weiteren Cent Steuergeld für die Grabpflege dieses NS-Verbrechers geben."

Friedhof: Nachträgliche Trennung nicht mehr möglich

Nach dem Kriegsgräbergesetz von 1952 konnten die Hinterbliebenen von Soldaten die dauerhafte Pflege aus Bundesmitteln beantragen. Voraussetzung dafür war die Umbettung in ein Kriegsgrab, um eine praktikable Pflege zu ermöglichen, wie ein Friedhofsprecher erläuterte. Bis in die 1960er-Jahre habe man nicht zwischen Tätern und Opfern unterschieden. Darum gebe es in Ohlsdorf Kriegsgräber, in denen Soldaten und zivile Bombenopfer, aber auch SS-Leute und Gefangene aus dem KZ Neuengamme liegen. Eine nachträgliche Trennung der Toten sei praktisch nicht mehr möglich, weil Jahrzehnte später keine Überreste vorhanden seien.

In Hamburg sind laut Senat 56.578 Tote als Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft beigesetzt worden - die meisten von ihnen in Ohlsdorf.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.11.2019 | 15:00 Uhr

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