Stand: 09.07.2020 13:39 Uhr  - NDR 90,3

Kritik an Giraffen-Skulptur bei Hagenbeck

Die Statue vor dem Haupteingang zeigt einen Mann an einem Giraffenhals.

Die Linkspartei aus Hamburg-Eimsbüttel protestiert gegen die bekannte Skulptur des Bildhauers Stephan Balkenhol vor dem Tierpark Hagenbeck. Sie zeigt eine große Giraffe, an dessen Hals ein Mann mit schwarzem Gesicht hochklettert. Eimsbüttels Linke sehen darin ein Beispiel für Alltagsrassismus.

"Systemrelevanter Alltagsrassismus"

Peter Gutzeit, Co-Chef der Linksfraktion der Bezirksversammlung Eimsbüttel, meint: "Viele erkennen darin den bestehenden und systemrelevanten Alltagsrassismus." Gutzeit hat sogar schon bei der Kulturbehörde angefragt, ob sie die Skulptur entfernen kann. Dort will man sich aber nicht einmischen. Allerdings heißt es bei der Behörde: "Rassismus hat in unserer Stadt keinen Platz." Man wolle aber nicht ausschließen, dass manche die Skulptur als Problem sehen könnten, deswegen wolle man nichts zu der Figur sagen.

Bildhauer: "Muss nur gereinigt werden"

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So sah der Giraffenkletterer kurz nach der Einweihung der Statue aus.

Bildhauer Balkenhol sagte auf Nachfrage von NDR 90,3: "Das ist einfach eine Bronze-Skulptur, die hat nach 20 Jahren natürlich die Tendenz, Patina zu bilden, beziehungsweise dunkler zu werden. Wenn man die jetzt reinigen würde, wird die Hautfarbe wieder heller." Rassistische Gedanken wies er weit von sich. Grundsätzlich stellten seine Figuren den Menschen allgemein dar - die Hautfarbe sei ihm komplett egal.

Der Tierpark nimmt nicht direkt Stellung zu der Skulptur. Zu NDR 90,3 sagte Dirk Albrecht, der Geschäftsführer der Tierpark Hagenbeck gGmbH: "Aufgrund des aktuellen neuen Interesses an dem Thema Völkerschauen aktualisieren wir derzeit die zur Verfügung stehenden Informationen und planen Anfang August 2020 eine Pressekonferenz mit wissenschaftlicher Begleitung zu diesem Thema."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.07.2020 | 13:00 Uhr

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