Stand: 22.10.2019 08:30 Uhr

Kritik am Senat wegen Fernwärmenetz-Rückkauf

Der Bund der Steuerzahler (BdSt) erhebt Vorwürfe gegen den Hamburger Senat. Nach Ansicht des Verbandes hat die Stadt mit dem Rückkauf des Fernwärmenetzes die Abschaltung des Kohlekraftwerks Wedel unnötig verzögert. Das war Thema auf einer Podiumsdiskussion am Montagabend in Hamburg-Altona, bei der auch Vertreter von Regierung und Opposition anwesend waren.

Vorwurf: "Wertvolle Zeit verloren"

Sabine Glawe vom BdSt Hamburg kritisierte: Das alte Kohlekraftwerk hätte schon seit 2008 ersetzt werden müssen. Zustimmung erhielt sie von FDP-Fraktionschef Michael Kruse. "Das Ergebnis in den letzten sechs Jahren war: Die alten Eigentümer haben nicht mehr richtig investiert und die neuen müssen sich jetzt einarbeiten", sagte Kruse. Darum habe man auf dem Weg der Energiewende sehr viel Zeit verloren. Die Stadt könne die Netze außerdem nicht so professionell betreiben wie private Unternehmen, kritisierte Kruse.

Diese Sorgen teilte der Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks nicht. Schließlich habe die Stadt einen Großteil der bisherigen Angestellten übernommen. Diese hätten vorher einen guten Job gemacht und würden auch hinterher einen guten Job machen, so Tjarks. Daher sei er sehr zuversichtlich.

Volksentscheid im Jahr 2013

Die Hamburger hatten 2013 per Volksentscheid für den Rückkauf der Netze gesorgt. Im Oktober letzten Jahres wurde dieser dann - nach langer Kontroverse - beschlossen und im November verabschiedet. Bis dahin hielt die Stadt bereits 25,1 Prozent am Fernwärme-Unternehmen. Bislang hat die Stadt für den Rückkauf rund zwei Milliarden Euro ausgegeben.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.10.2019 | 08:00 Uhr

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