Stand: 14.05.2020 12:49 Uhr  - NDR 90,3

Kreuzfahrten ab Hamburg bald wieder möglich?

von Markus Lobsien

Urlaub, wie wir ihn bislang kannten, existiert wegen der Corona-Pandemie zurzeit nicht mehr. Bis zum 14. Juni gilt die weltweite Reisewarnung der Bunderegierung. Tausende Reisen wurden storniert oder manchmal auch umgebucht. Nun gibt es plötzlich eine ganz neue Idee für Kreuzfahrten. Die Reedereien der TUI überlegen, mit wenig Menschen zum Beispiel nur auf die Nordsee zu fahren.

Fahrten mit einem Drittel der möglichen Gäste

TUI-Chef Fritz Joussen hat nun Fahrten mit erstmal nur einem Drittel der möglichen Gäste an Bord ins Spiel gebracht. Bei der Mein-Schiff-Flotte wären das maximal 1.000 Gäste plus Besatzung. Es würde keine Selbstbedienungsbuffets geben, Theater und Kinos an Bord würden nur mit jedem dritten Platz belegt. Beim an Bord gehen sollen sich keine Menschenmassen im Terminal ansammeln, sondern es soll ein gestaffeltes Boarding geben - in getrennten Gruppen schon im Shuttlebus und mit Temperaturmessung sowie einem Gesundheitsfragebogen für die Gäste und natürlich auch die Besatzungsmitglieder.

Kurztouren ohne Landgänge

Die Fahrten führen möglicherweise in die Nordsee oder die Ostsee, nur einige Tage lang, ohne Landgänge. Das mag kurios klingen, ist aber tatsächlich eine bislang schon sehr beliebte Form in der Kreuzfahrt, jedenfalls, was die Länge angeht. Schnupperfahrten mit zwei bis drei Übernachtungen an Bord gab es immer schon. Das ist dann auch nicht so teuer wie eine lange Kreuzfahrt.

Nicht nur ab Hamburg möglich

Neben TUI Cruises hat das für den Neustart auch schon die Reederei Plantours, überlegt. Ihre "MS Hamburg" wird gerade bei der Werft Blohm + Voss auf Vordermann gebracht und könnte auch schon im Sommer diese Kurztouren vielleicht auch ab Hamburg anbieten. Natürlich sind die drei Kreuzfahrtterminals in Hamburg nicht die einzigen Startorte für Nordsee-Fahrten. Auch Konkurrent Bremerhaven wäre da im Spiel, zumal man dort sehr viel schneller in der Nordsee ist, als von Hamburg aus.

Gäste sollen an Bord mehr Geld ausgeben

Das Geschäftsmodell, ein Kreuzfahrtschiff nicht mehr zu Landgängen zu verlassen, basiert auf den Erfahrungen mit größeren Schiffen. AIDA gilt da als Vorreiter: schon die AIDAperla und die AIDAnova, zwei Schiffe mit je 5.000 Passagieren, sind so gebaut worden, dass die Gäste an Bord möglichst viel erleben können - und dafür oft auch extra zahlen sollen. So wird der Reisepreis der Kunden dann durch Zuzahlungen deutlich erhöht, der Gewinn steigt für die Reedereien. Nun ist bei TUI Cruises zwar alles inklusive. Dennoch hat es auch hier in letzter Zeit immer mehr An-Bord-Angebote gegeben, die extra zu bezahlen waren - etwa Workshops oder Spa-Anwendungen.

Weniger Auslastung, weniger Umsatz

Eines ist aber auch TUI-Chef Joussen klar: Geld verdienen kann man mit dem Modell der kurzen Kreuzfahrten nur sehr eingeschränkt. Die geringe Auslastung verhindert größere Umsätze. Aber er sieht so - offenbar und befristet bis 31. August - eine Chance, das Thema Kreuzfahrt wieder in den Fokus zu rücken.

Mobile Labore an Bord

Inwiefern die Reederei Hapag-Lloyd Cruises sich daran beteiligt, ist noch unklar. Ihre Schiffe sind viel kleiner, selbst die "MS Europa 2", die zurzeit in Hamburg liegt, hat nur Platz für 500 Gäste. Das wäre natürlich für die gesundheitlichen Kontrollen ein Vorteil. Alle Schiffe dieser Flotte haben mobile Labore an Bord, zur Schnellerkennung von Viren.

Umbuchungen statt Stornierungen

Laut TUI Cuises sind bisher über 80 Reisen für die Mein-Schiff-Flotte abgesagt worden. Für das Gesamtjahr gebe es aber trotz Corona eine gute Auslastungslage, auch mit neuen Buchungen. Viele Kunden haben zudem von der Umbuchung Gebrauch gemacht und nicht storniert, wozu sie allerdings jedes Recht haben. Die Reederei hatte bei abgesagten Reisen immer die Stornierung oder eine Umbuchung angeboten.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 14.05.2020 | 12:15 Uhr

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