Teilnehmer stehen während einer Streikkundgebung auf dem Gelände des Forschungszentrums Desy in Hamburg-Bahrenfeld. © dpa-Bildfunk Foto: Bodo Marks

Krankenhäuser und Kitas: Hunderte bei Warnstreik dabei

Stand: 20.10.2020 20:25 Uhr

Hunderte Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind am Dienstag in Hamburg für mehr Lohn auf die Straße gegangen. Aufgerufen zu dem ganztätigen Warnstreik hatte die Gewerkschaft ver.di, um den Druck auf die Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde zu erhöhen.

Unter anderem legten Beschäftigte in Kitas und Sozialeinrichtungen, beim Forschungszentrum Desy, sowie bei den Asklepios-Kliniken und der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) die Arbeit nieder. Ver.di sprach von rund 4.000 Teilnehmern. Bei den Hamburger Elbkinder-Kitas blieben 22 von 189 Standorten geschlossen. Knapp ein Drittel des pädagogischen Personals bei der Vereinigung Hamburger Kindertagesstätten habe sich dem Streik angeschlossen, hieß es auf Anfrage von NDR 90,3. Für rund jedes dritte der 23.000 Kita-Kinder gab es deshalb am Dienstag eine Notbetreuung.

Ver.di mit Streikbeteiligung zufrieden

Ver.di-Chef Frank Werneke forderte vor 700 Beschäftigen auf dem Hamburger Rathausmarkt ein deutlich besseres Angebot der Arbeitgeber. Zuvor hatte es bereits eine kleine Kundgebung am Forschungszentrum Desy mit anschließender Fahrraddemo zum Rathaus gegeben. "Wir würden lieber arbeiten, aber die Arbeitgeber zwingen uns, auf die Straße zu gehen", sagte Ver.di-Sprecherin Angelika Gericke. Ver.di spricht von einer der besten Streikbeteiligungen seit Jahren - vor allem in den Krankenhäusern. Der Grund dafür ist laut Bundes-Chef Frank Werneke, großer Frust. Während des Lockdowns wurden Pflegekräfte noch als Corona-Helden beklatscht, das habe hohe Erwartungen ausgelöst.

Unterstützung vom Marburger Bund

Bei den Hamburger Asklepios-Krankenhäusern hieß es, die Versorgung der Patienten sei gesichert gewesen. Streikbedingt wurden aber Operationen abgesagt. Die Uni-Klinik Eppendorf hatte aufgrund streikender Pflegerinnen und Pfleger laut einer Sprecherin mehr als die Hälfte der weniger dringenden Operationen verlegt. Unterstützung für die streikenden Pflegeberufe gab es vom Ärzteverband Marburger Bund. Dessen Landesvorsitzender Pedram Emami sagte: "Von Applaus auf den Balkonen werden die Arbeitsbedingungen nicht besser." Die Ärzte hätten Verständnis für die Anliegen der Pflegerinnen und Pfleger.

Am Donnerstag und Freitag verhandeln die kommunalen Arbeitgeber wieder mit ver.di. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten unter anderem eine Lohnerhöhung von 4,8 Prozent, mindestens aber 150 Euro im Monat. Für Mittwoch hat ver.di die Beschäftigten der Hamburger Bücherhallen, der Museen, der Kunsthalle, der Messe und der Hamburg Port Authority (HPA) zu einem Warnstreik aufgerufen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 20.10.2020 | 19:30 Uhr

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